Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 18.06.2018


Österreich

Fußball-WM heizt das Wettfieber in Österreich an

In Russland rollt der Ball, in Österreich die Wett-Millionen: So viele Sportwetten wie sonst nie werden bei der Fußball-Weltmeisterschaft gespielt. Top-Favorit der Tirolerinnen und Tiroler ist laut tipp3 Frankreich.

© imago sportfotodienstDie Fußball-Weltmeisterschaft in Russland sorgt in Österreich für einen zusätzlichen Wetteinsatz im zweistelligen Millionenbereich.



Wien, Innsbruck, Moskau – Mit großem Werbeaufwand und teilweise mit Bonus-Gutschriften locken zurzeit einige Sportwetten-Anbieter: Für die Branche ist die noch bis 15. Juli laufende Fußball-Weltmeisterschaft ein Umsatzfest. Experten rechnen damit, dass das Sport-Megaevent (zuletzt knapp 170 Mio. Euro Umsatz) der Branche einen zweistelligen Millionenbetrag an Einsätzen zusätzlich und damit eine Art 13. und 14. Umsatzmonat beschert.

Fußball sei einfach der populärste Sport, dazu würden bei Welt- und Europameisterschaften viele Menschen Einsätze wagen, die vielleicht sonst gar nicht so sportaffin sind, sagt der Geschäftsführer der Österreichischen Sportwetten Gesellschaft (tipp3), Philip Newald. „Vor allem Frauen wetten eher nur bei Großereignissen und tippen öfter als Männer nach Gefühl und Sympathie. Aus diesem Grund setzen Frauen auch häufiger auf Außenseiter.“ Tendenziell werde aber eher auf Favoriten (mit allerdings entsprechend geringerer Gewinnquote) getippt.

Ein ziemlich großer Umsatzanteil verteile sich auf sehr wenige Schlagerspiele. Unter diesen Voraussetzungen die Quoten so zu gestalten, dass sie den Spielstärken der Teams, dem Vergleich mit dem Mitbewerb und dem Risiko durch die getätigten Wetteinsätze gerecht werden, ist laut Newald „eine ziemliche Challenge“.

Top-Favorit der Buchmacher ist Brasilien mit einer Quote von 5, gefolgt von Deutschland (5,50), Spanien (7), Frankreich (7,50), Argentinien und Belgien (je 12). Für Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo wird bei einem WM-Titel der 25-fache Einsatz ausgezahlt.

Nach Oberösterreich (40 % aller österreichischen Wetteinsätze bei der WM) und der Steiermark (21,3 %) wurden in Tirol (15,5 %) bereits die drittmeisten Tipps abgegeben. In Wien sei Deutschland WM-Favorit Nummer eins, in Kärnten sei Brasilien vorne und in Tirol führe Frankreich vor England, betont Newald.

Für die Sportwetten-Anbieter sind Außenseiter-Siege tendenziell weit lukrativer als etwa ein Finale zweier Top-Favoriten. Genau das werde es aber mit größter Wahrscheinlichkeit geben, haben jüngst Statistiker rund um Achim Zeileis von der Uni Innsbruck ausgerechnet: Brasilien habe eine Gewinnwahrscheinlichkeit von 16,6 Prozent auf den Weltmeistertitel, dicht gefolgt von Titelverteidiger Deutschland mit 15,8 Prozent und dann Spanien (12,5 Prozent) und Frankreich (12,1 Prozent). Mit ihrem statistischen Modell haben die Forscher in der Vergangenheit mehrere Turniere erfolgreich vorhergesagt, zum Beispiel den richtigen Weltmeister Spanien bei der WM 2010 und drei von vier Halbfinalisten bei der WM 2014 in Brasilien. (va)