Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 28.06.2018


Unternehmen

Unwetter, Pflege: Viel höhere Kosten

Die Wiener Städtische wird mit der Übernahme der S-Versicherung größter Lebensversicherer. Immer massivere Unwetterschäden treiben die Prämien.

© Landesdirektorin Ida Wander und Generaldirektor Robert Lasshofer bei der Beiratssitzung in der Burg Hasegg in Hall. Foto: Wiener Städtische



Hall – Die Fusion von Wiener Städtischer und S-Versicherung sei voll im Zeitplan, noch heuer werde man dadurch bundesweit und auch in Tirol (mit dann über 91 Mio. Euro Prämienvolumen) zum größten Lebens­versicherer aufsteigen, sagte Generaldirektor Robert Lasshofer bei seinem Tirol-Besuch. Die Marke bleibe bestehen, die Vertriebsverträge mit der Erste Bank und den Sparkassen habe man bis 2033 verlängert. In den Bankfilialen sollen künftig verstärkt auch andere Versicherungsprodukte vertrieben werden.

Die Wiener Städtische hatt­e im Vorjahr 2,31 Mrd. Euro Prämieneinnahmen und lag damit hinter der Uniqa auf Platz 2, bei Einrechnung der zum Konzern gehörenden Donau Versicherung sei man als Gesamtgruppe aber Erster. In Tirol verzeichnete man im Vorjahr laut Landesdirektorin Ida Wander fast 183 Mio. Euro an Prämien, für Schäden wurden 127,7 Mio. Euro ausbezahlt. Zu schaffen machte auch hier ein zinsbedingtes Minus bei den Einmalerlägen in der Lebensversicherung.

Zu schaffen macht der Branche die massive Zunahme an Unwetterschäden etwa durch Stürme, Hagel oder Hochwasser. Heuer habe die Unwettersaison schon im April eingesetzt. Im Vorjahr musste die Städtische Schäden von 108 Mio. Euro abdecken, in den letzten zehn Jahren waren es 700 Mio. Euro. „Die Unwetter werden wegen des Klimawandels immer häufiger und heftiger.“ Weil auch die Rückversicherung laut Lasshofer immer teurer werde, drohen hier künftig höhere Prämien für die Kunden.

Deutliche Prämienzu­wächse gebe es u. a. wegen der freien Arztwahl in der privaten Krankenversicherung, so Lasshofer und Wander. Aufgrund der demografischen Entwicklung werde auch die Pflegevorsorge zu einem großen Thema. Derzeit gebe es in Österreich 455.000 Pflegegeldbezieher, bis 2050 würden es über 750.000 sein. Das Aus für den Pflegeregress ist für Lasshofer ein Fehler, der auf Dauer für die öffentliche Hand so auch nicht finanzierbar sei. Eine private Pflege­versicherung werde gerade auch für jene, die möglichst lange zu Hause gepflegt werden wollen, unverzichtbar.

Großevents wie die laufend­e Fußball-WM seien oft ein „VIP-Ticket“ für Einbrecher: Weil viele nicht zu Hause seie­n und mit Freunden Spiel­e anschauen, würden in diesen Wochen die Einbrüche in finsteren Häusern um bis zu 12 Prozent zunehmen.

Bei Veranlagungen setzt die Wiener Städtische verstärkt auf Immobilien. Ein hervorragendes Projekt sei die Finanzierung der 60 Mio. Euro für die neue Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt in Rotholz. (va)