Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.07.2018


Unternehmen

Aldi will von Österreich aus Markt in Italien aufmischen

Die Aldi-Süd-Tochter Hofer managt alle ausländischen Filialen des deutschen Diskonters. Seit März wurden in Italien 30 Filialen eröffnet.

© HoferAldi-Italien-Chef Veiser (l.) und Hofer-Chef Helm (r.) wollen einige hundert Aldi-Filialen in Italien eröffnen.Foto: Hofer



Von Stefan Eckerieder

Sattledt, Venedig – Aldi hat im März seine Expansion nach Italien gestartet und in den vergangenen vier Monaten bereits 30 Filialen in Norditalie­n eröffnet. Bis zum Jahres­ende soll es 45 Standorte mit 1500 Mitarbeitern geben. Alle Auslandsgeschäfte des deutschen Diskonters werden von der österreichischen Tochter Hofer gesteuert.

„Ein paar hundert“ Filialen will Hofer-Generaldirektor Günther Helm in Italien in den nächsten Jahren eröffnen, erklärte er am Dienstag in Venedig vor österreichischen Journalisten. Im Gegensatz zum großen Diskont-Konkurrenten Lidl ist Aldi bislang nicht in Italien aktiv gewesen. Das habe auch daran gelegen, dass der Diskont-Marktanteil in Italien besonders im Lebensmittelbereich gering gewesen sei. Was unter anderem damit zusammenhänge, dass die Italiener mit monatlich im Schnitt rund 450 Euro um rund 100 Euro mehr für Lebensmittel ausgeben als die Österreicher.

In den vergangenen Jahren wachse der Diskont-Anteil in Italien stetig, was Aldi dazu nutzen möchte, den Lebensmittelmarkt zumindest in Norditalien aufzumischen. Jedoch sei man „viel zu spät in Italien gestartet“, meint Helm. Dabei habe man wenigstens einen Startvorteil, weil der Markenname Aldi italienisch kling­e. So gebe es in Italien 150 Familien, die den Namen Aldi tragen.

Aldi-Italien-Chef Michae­l Veiser zeigt sich mit dem Start zufrieden. „Nach nur wenigen Monaten am Markt dürfen wir bereits über zwei Millionen Italiener zu unseren Kunden zählen.“ Aldi hat sein Sortiment dem italienischen Markt angepasst. „Die Italiener kaufen sehr bewusst ein und legen großen Wert auf die Herkunft der Lebensmittel“, sagt Veise­r. Die Obst- und Gemüseabteilung sei deshalb auch größer als in Österreich, es finden sich zahlreiche italienische Markenartikel – etwa Barill­a – in den Regalen. Rund 75 Prozent der Lebensmittel bei Aldi Italien stammen laut Unternehmensangaben von italienischen Lieferanten, der Eigenmarkenanteil liegt bei 85 Prozent. Mit Red Bull, Egge­r Bier, Spitz und Gmundner Milch finden sich auch einige österreichische Nahrungsmittelhersteller im Sortiment.

An der österreichischen Aldi-Süd-Tochter Hofer mit Hauptsitz in Sattledt hängen unternehmensrechtlich auch die Aldi-Süd-Auslandsbeteiligungen in den USA, Australien, Großbritannien und Irland. Hofer managt zudem die Aldi-Töchter in der Schweiz, Ungarn und Slowenien. Insgesamt ist Hofer damit für rund 100.000 Mitarbeiter in mehr als 4000 Filialen weltweit verantwortlich. In China startete Aldi bisher nur mit einem Online-Shop.

1968 übernahm Aldi Süd den von Helmut Hofer gegründeten Diskonter Hofer in Österreich. Das Unternehmen ist die drittgrößte Lebensmittelkette in Österreich mit einem Marktanteil von 20,9 Prozent. 2017 erwirtschaftete Hofer hierzulande mit knapp 480 Filialen und mehr als 11.000 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 4,1 Mrd. Euro.