Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 18.07.2018


Unternehmen

Biometrische Zahlung im Vormarsch

Mit einer neuen EU-Richtlinie soll ab Herbst 2019 das Zahlen im Internet sicherer werden. Kreditkartenunternehmen forcieren deshalb biometrische Bezahllösungen wie Fingerabdruck und Gesichtsscan.

Online-Zahlungen mit dem Smartphone per Fingerabdruck sollen nach Ansicht des Kreditkartenunternehmens Mastercard zum Standard werden.

© iStockphotoOnline-Zahlungen mit dem Smartphone per Fingerabdruck sollen nach Ansicht des Kreditkartenunternehmens Mastercard zum Standard werden.



Von Stefan Eckerieder

Wien – Immer mehr Einkäufe werden online erledigt. Doch die Bezahlsysteme sind aus Sicht der EU noch nicht sicher genug. Das soll sich mit einer neuen Richtlinie ändern. Ab Herbst kommenden Jahres sollen deshalb verstärkt biometrische Verfahren wie das Bezahlen mit Fingerabdruck, Gesichts- oder Irisscan über das Handy und Tablets abgewickelt werden, erklärt das Kreditkartenunternehmen Mastercard.

Beim Online-Einkaufen reichen bislang meist die Kreditkartennummer und der dreistellige Code auf der Rückseite, um die Zahlung innerhalb von wenigen Sekunden abzuwickeln. Mit der neuen EU-Richtlinie PSD2 (Payment Services Directive 2) müssen mindestens zwei Faktoren für die Identifizierung des Auftraggebers herangezogen werden, um die Zahlung abzuschließen. Ausgewählt werden kann dabei aus drei Anwendungen. „Zur Authentifizierung kann entweder etwas, das ich weiß, das ich besitze oder das ich bin, herangezogen werden. Zwei dieser Merkmale müssen dann für die Bezahlung zur Anwendung kommen“, sagt Gerald Gruber, General Manager von Mastercard Österreich. Das könne etwa eine Sicherheitsfrage sein (etwas das ich weiß) und zusätzlich die Übermittlung des Fingerabdrucks (etwas, das ich bin) per Handy. „Unsere Plattform unterstützt aber auch Iris- und Gesichtsscan“, erklärt Gruber. Somit sei auch garantiert, dass das Bezahlen mit unterschiedlichen Geräten wie Smartphones, Tablets und Laptops möglich ist.

Bereits jetzt verlangen einige Online-Shops zwei Identifikationsmerkmale bei der Zahlungsabwicklung. Jedoch habe sich das Zahlen per SMS-Pin und das Angeben des Sicherheitscodes der Kreditkartenunternehmen (Securecode) kaum durchgesetzt. 20 Prozent aller Online-Käufe würden so geschützt. Kunden würden dieses Vorgehen als zu kompliziert empfinden und Kaufvorgänge häufig abbrechen. Im Gegensatz dazu hätten sich biometrische Merkmale als Sicherungssystem bereits etabliert, etwa beim Entsperren von Smartphones. Laut einer Studie der Oxford University und Mastercard bevorzugen 93 Prozent der befragten Konsumenten Biometrie-Lösungen gegenüber passwortbasierten Systemen.

Die neuen Richtlinie für die Online-Zahlung wird aber nicht nur Kreditkartenunternehmen betreffen, sondern alle Bezahlvorgänge, die über das Internet abgewickelt werden. „Auch Amazon mit seinem One-Click-Payment muss sich Gedanken machen, wie es das künftig kundenfreundlich abwickelt“, sagt Gruber.

Die wachsende Konkurrenz beim Bezahlen im Netz fürchte man beim Kreditkartenunternehmen nicht, sagt Gruber. „Wir genießen sehr großes Vertrauen bei den Konsumenten“, glaubt der hiesige Mastercard-Chef nicht, dass einer der mehr als 300 Online-Bezahldienste die Kreditkarte künftig vom Markt verdrängen wird.

Kreditkartenunternehmen haben stark vom Wachstum des Online-Handels profitiert. Laut der Oesterreichischen Nationalbank ist die Zahl der Kreditkartentransaktionen in Österreich von 129 Millionen im Jahr 2015 auf 170 Millionen im Jahr 2017 gestiegen. Die Online-Ausgaben über Kreditkarten haben laut Mastercard im Jahr 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zugelegt.