Letztes Update am Di, 31.07.2018 09:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Luftfahrt

Lufthansa verkraftet teuren Treibstoff und Air-Berlin-Integration

Im Gesamtjahr soll der Gewinn nur knapp unter dem Rekordjahr 2017 liegen.

© Reuters/Ralph OrlowskiSymbolbild.



Frankfurt – Die Lufthansa hat die teure Integration von Air-Berlin-Teilen und höhere Treibstoffkosten im zweiten Quartal dank höherer Ticketpreise weitgehend wettgemacht. Der operative Gewinn (bereinigtes EBIT) lag mit 982 Mio. Euro um gut drei Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, wie die AUA-Mutter am Dienstag in Frankfurt mitteilte.

Für das laufende Jahr rechnet Vorstandschef Carsten Spohr weiterhin damit, dass der operative Gewinn nur leicht hinter den fast 3 Milliarden Euro aus dem Rekordjahr 2017 zurückbleibt.

Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten zunächst gut an. Im vorbörslichen Handel bei Lang & Schwarz gewann die Lufthansa-Aktie in der Früh gut ein Prozent an Wert.

Air Berlin und steigende Kerosinpreise belasten Ergebnisse

Die Eingliederung von Geschäftsteilen der pleitegegangenen Rivalin Air Berlin macht der Lufthansa-Billigtochter Eurowings allerdings auch im Sommer zu schaffen. Die Integrationskosten dürften sich im laufenden Jahr auf rund 170 Mio. Euro belaufen, hieß es. Im ersten Halbjahr lag der operative Verlust des Bereichs bei 199 Mio. Euro. Auch für das Gesamtjahr erwartet das Management rote Zahlen. 2019 soll die Gesellschaft aber wieder profitabel sein.

Teuer zu stehen kommen die Lufthansa die steigenden Kerosinpreise. Obwohl der Konzern seinen Sprit großenteils zu festen Konditionen im Voraus einkauft, dürften die Treibstoffkosten im laufenden Jahr statt auf 5,8 Mrd. jetzt auf 6 Mrd. Euro klettern. Das sind 850 Mio. Euro mehr als im Vorjahr.

Positiv stimmen den Vorstand hingegen die gestiegenen Ticketpreise. Im ersten Halbjahr legten die Durchschnittserlöse währungsbereinigt um 1,3 Prozent zu. Auch für das Gesamtjahr rechnet die Lufthansa jetzt mit einem leichten Anstieg. Bisher hatte die Konzernspitze für 2018 insgesamt eine Stagnation erwartet.

Den geplanten Ausbau ihres Flugangebots streicht die Lufthansa indes noch einmal leicht zusammen. Statt um 8,5 Prozent, wie zuletzt geplant, soll es heuer nun nur noch um 8 Prozent wachsen. Im Jänner hatte der Vorstand sogar 12 Prozent angepeilt, diesen Plan aber wegen der schwierigen Integration des Air-Berlin-Geschäfts und der verspäteten Auslieferung neuer Airbus-Mittelstreckenjets bereits im Frühjahr gekappt.

Lufthansa und Swiss legten zu, AUA litt unter Ausfällen

Im ersten Halbjahr erzielte die Lufthansa einen Umsatz von 16,9 Mrd. Euro. Bereinigt um eine veränderte Rechnungslegung entspricht dies einem Anstieg von rund 5 Prozent. Der Nettogewinn legte minimal um 0,7 Prozent auf 677 Mio. Euro zu. Der operative Gewinn, an dem sich der Vorstand in erster Linie orientiert, sank um gut 3 Prozent auf etwas mehr als 1 Milliarde Euro.

Gut lief es vor allem bei den klassischen Konzernfluglinien Lufthansa und Swiss, die ihren operativen Gewinn deutlich steigerten. Die österreichische Tochter Austrian Airlines (AUA) sackte wegen zahlreicher Flugausfälle zum Jahresbeginn leicht in die Verlustzone. Im Frachtgeschäft lief es erneut gut: Lufthansa Cargo konnte ihren operativen Gewinn im ersten Halbjahr um 60 Prozent auf 125 Mio. Euro steigern.

Insgesamt gesehen hat der Lufthansa-Konzern von seinem angepeilten Jahresgewinn von etwas unter 3 Mrd. Euro nach den ersten sechs Monaten gut ein Drittel erreicht. Allerdings hat das wichtigste Quartal gerade erst begonnen. Fluggesellschaften fliegen den Großteil ihrer Gewinne in der Hauptreisezeit im Sommer ein. (APA/dpa-AFX)