Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.08.2018


Ryanair

Ryanair-Urlaubern droht diese Woche Streikwelle

Bei Ryanair könnte es zum bisher größten Streik kommen. Passagieren steht Entschädigung zu. Auch ohne Anwalt ist Gang vor Gericht möglich.

© Thomas Böhm(Symbolfoto)



Dublin, Frankfurt – Beim Billigflieger Ryanair bereiten jetzt auch die in Deutschland stationierten Piloten im Streit um Bezahlung und Arbeitsbedingungen einen ersten regulären Streik vor. Das irische Unternehmen habe kein neues Angebot vorgelegt, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC). Eine letzte Frist der VC für ein verbessertes Tarifangebot sei abgelaufen. Heute will man die weiteren Maßnahmen bekannt geben, kündigte die Gewerkschaft an. Sie hat sich selbst eine Ankündigungsfrist von 24 Stunden für Streiks gesetzt, so dass ein Arbeitskampf frühestens morgen Donnerstag beginnen könnte.

Ein Ausstand der deutschen Kapitäne und Co-Piloten wäre der bisher größte Pilotenstreik in der Geschichte von Ryanair. An seinen zehn deutschen Standorten beschäftigt Ryanair rund 400 Piloten – ein Zehntel der gesamten Pilotenschaft. Ein erster Warnstreik der deutschen Piloten kurz vor Weihnachten hatte nicht zu Flugausfällen geführt.

Für diesen Freitag haben bereits die Pilotengewerkschaften aus Schweden, Belgien und erneut Irland Arbeitsniederlegungen angekündigt. Ob sich die deutschen Piloten diesem Ausstand anschließen, war gestern noch unklar. Ryan­air hat für Freitag bereits 146 von rund 2400 geplanten Europaflügen abgesagt. Betroffene Passagiere werden umgebucht oder es wird ihnen der Ticketpreis erstattet. Darüber hinausgehende Entschädigungen lehnt Ryanair ab.

Entschädigungen will die Laudamotion-Mutter den Passagieren wegen der „außergewöhnlichen Umstände“ nicht zahlen. Das Europäische Verbraucherzentrum Österreich (EVZ) rät Betroffenen, trotzdem Preiserstattung und Entschädigung zu fordern, und verweist auf ein „wichtiges Urteil“. So entschied das Friedensgericht Luxemburg in einem ähnlichen Fall, dass die Lufthansa ihre Passagiere nach einem Streik im Herbst 2016 entschädigen muss, weil der angekündigte Streik der Lufthansa-Piloten „keinen außergewöhnlichen Umstand im Sinne der europäischen Fluggastrechteverordnung darstellt“. Schon der Europäische Gerichtshof hatte im April 2018 entschieden, dass selbst ein „wilder“ Streik – in dem Fall bei TUIfly – nicht als außergewöhnlicher Umstand zu werten ist und Passagieren daher Entschädigung zusteht.

Interessant im Fall des Luxemburger Friedensgerichts ist auch der Verfahrensweg. Die beiden betroffenen Passagiere hatten sich an das Europäische Verbraucherzentrum gewandt. Nachdem keine Lösung mit Lufthansa erzielt werden konnte, zogen sie in Luxemburg vor Gericht, und zwar in Form des von der EU initiierten Europäischen Verfahrens für geringfügige Forderungen. Dieses ist in Luxemburg kostenlos, in anderen Mitgliedsstaaten, darunter Österreich, fällt eine Gebühr an. Ein Anwalt wird nicht benötigt, die beiden Kläger mussten lediglich ein Formular ausfüllen. (mas, dpa)




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