Letztes Update am Do, 09.08.2018 13:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flugverkehr

Streik-Chaos bei Ryanair: Auch Flüge von Laudamotion betroffen

Mitten in der Urlaubszeit steht die Fluglinie Ryanair vor dem härtesten Streik ihrer Geschichte. Europaweit fallen am Freitag 400 von 2400 Flügen aus.

© REUTERS/Phil Noble(Symbolfoto)



Wien, Dublin — Europas größter Billigflieger steht vor dem härtesten Streik seiner Geschichte: Insgesamt mussten für morgen (10. Juli) europaweit rund 400 von 2400 Flügen abgesagt werden. 250 davon entfallen auf Deutschland. Auch in Belgien, Irland, Schweden und den Niederlanden sind Ausstände geplant. Rund 55.000 Kunden müssten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen, erklärte Ryanair-Marketing-Chef Kenny Jacobs gestern. Eine Liste der gestrichenen Flüge will Ryanair aber nicht herausgeben.

Die irische Ryanair streitet mit ihren Crews um die Gehälter und Arbeitsbedingungen. Die Airline hatte Gewerkschaften erst im vergangenen Dezember anerkannt und verhandelt seitdem europaweit über Kollektivverträge. Die Arbeitnehmervertreter kritisieren aber den Verhandlungsstil der Iren. Im Zuge der Streikwelle im Juli hat Ryanair-Chef Michael O'Leary angedroht, Jobs zu verlagern.

Auch für die Belegschaft bei Laudamotion, rund 650 Mitarbeiter, wird über einen Kollektivvertrag verhandelt. Zu einem Abschluss soll es in den nächsten Wochen kommen.

Auch Laudamotion-Flüge betroffen

Der morgige Streik trifft auch die österreichische Tochter Laudamotion: Mehr als 20 Flüge ab Deutschland, die Ryanair für Laudamotion durchführt, werden am Freitag gestrichen. Österreich-Verbindungen seien nicht betroffen, heißt es von Laudamotion zur APA. Die betroffenen Passagiere seien informiert worden.

Bisher betonte der Niki-Nachfolger stets, dass die europaweiten Streiks bei Ryanair keine Auswirkung auf Laudamotion-Flüge hätten. Nun kündigten aber erstmals die deutschen Piloten an, am Boden zu bleiben — das trifft die zehn Boeing-Maschinen inklusive Ryanair-Besatzung, die im Rahmen eines Wetlease-Vertrags für Laudamotion fliegen. (APA)

Hintergrund

Ryanair ist der größte Billigflieger Europas und hat sein Netz über den gesamten Kontinent gespannt. 37 Länder sind angebunden, die mehr als 400 Boeing-Jets auf 85 Basen verteilt. In dem für Freitag angekündigten Arbeitskampf werden die Stationen in Deutschland, Irland, Belgien, Schweden und möglicherweise den Niederlanden von einem Teil der Pilotenschaft bestreikt.

Ryanair hat vorsorglich europaweit von 2400 geplanten Flügen rund 400 abgesagt, von denen 250 auf die in Deutschland stationierten Jets und Crews entfallen - mit Ausnahme eines Flugzeugs in Baden-Baden ist es das komplette Tagesprogramm, wie Vertriebschef Kenny Jacobs erklärte.

Gleichwohl wird es am Freitag an deutschen Flughäfen Starts und Landungen von Ryanair-Maschinen geben, die aus nicht bestreikten Ländern kommen. Rund ein Drittel der deutschen Passagiere werde so bedient, sagt das Unternehmen, das aber keine Liste der gestrichenen Flüge herausgibt. Betroffene Kunden sollen individuell informiert werden.

Ryanair-Crews kehren aus Kostengründen grundsätzlich am gleichen Tag an den Ort zurück, an dem sie losgeflogen sind. In Deutschland und den anderen bestreikten Ländern werden viele Jets am Freitag stehen bleiben. Die erste Welle am Morgen fällt in diesen Ländern wohl weitgehend aus, In Frankfurt wurde sie bereits komplett abgesagt. Im Laufe des Tages fehlen die Flugzeuge im europäischen Netz und können auch im Laufe des Tages nicht nach Deutschland zurückfliegen.

Die elf Basen der Iren in Deutschland sind Frankfurt (10 Jets), Berlin-Schönefeld(9), Weeze(6), Hahn(4), Köln(4), Berlin-Tegel, Nürnberg, Hamburg und Bremen (je 2) sowie Memmingen und Karlsruhe-Baden-Baden mit je einem Flugzeug.