Letztes Update am Di, 16.10.2018 13:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kfz-Industrie

Audi muss 800 Mio. Euro zahlen: Geschädigte könnten leer ausgehen

Wegen „Abweichungen von den regulatorischen Vorgaben“ bei V6/V8-Dieselaggregaten muss der Autohersteller Bußgeld zahlen.

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Ingolstadt – Die Staatsanwaltschaft München hat ein Bußgeld in Höhe von insgesamt 800 Mio. Euro gegen den Autohersteller Audi wegen Verstößen bei Dieselfahrzeugen verhängt. Grund seien „Abweichungen von den regulatorischen Vorgaben“ bei V6/V8-Dieselaggregaten, wie der VW-Konzern am Dienstag mitteilte. „Die Audi AG hat den Bußgeldbescheid akzeptiert“, hieß es.

Das von der Staatsanwaltschaft München II eingeleitete Verfahren gegen Audi sei damit abgeschlossen, teilte die Volkswagen-Tochter am Dienstag mit. Der Autobauer legt kein Rechtsmittel ein. „Die Audi AG bekennt sich damit zu ihrer Verantwortung für die vorgefallenen Aufsichtspflichtverletzungen.“

Die Buße dezimiert auch „unmittelbar“ das Konzernergebnis von Volkswagen, wie die Audi-Mutter in Wolfsburg mitteilte. Auch die mit 30,8 Prozent an VW beteiligte Porsche SE wird dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Sie rechnet für 2018 aber immer noch mit einem Nettogewinn von 2,5 bis 3,5 Mrd. Euro.

Bei den Ermittlungen ging es um V6- und V8-Dieselmotoren von Audi aus den Jahren seit 2004. Zudem warf die Staatsanwaltschaft Audi vor, „nicht erkannt zu haben“, dass in zwei von Volkswagen entwickelten Dieselmotoren-Typen Software verbaut war, die den Schadstoffausstoß auf dem Prüfstand drosselte.

Millionenstrafe dürfte an Land Bayern gehen

Die in der Dieselaffäre gegen Audi verhängte Millionenstrafe dürfte in die bayerische Landeskasse fließen. Die geschädigten Verbraucher hingegen könnten leer ausgehen. Laut dem Ordnungswidrigkeitenrecht stehen sowohl der Ahndungs- als auch der Abschöpfungsteil der Geldstrafe dem Staatshaushalt zu, wie Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) am Dienstag erklärte.

Gleichzeitig forderte er: „Geldbußen, die unsere Staatsanwaltschaften gegen Unternehmen verhängen, müssen künftig unmittelbar auch den Geschädigten zugutekommen. Es darf nicht weiter sein, dass Geldbußen gegen Unternehmen ausschließlich dem Staatshaushalt zufließen.“

Es sei bereits nach geltendem Strafrecht möglich, dass etwa die Tatbeute oder andere Vermögensgegenstände an die Opfer der Straftat zurückgegeben oder diese so entschädigt werden können. „Das muss künftig auch bei gegen Unternehmen verhängten Geldbußen möglich sein“, erklärte der CSU-Politiker. (APA/dpa/Reuters)