Letztes Update am Mi, 21.11.2018 10:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kfz-Industrie

Autoboss Ghosn bleibt zehn Tage in Haft, Renault mit neuer Führung

Der Renault-Chef war am Montag wegen des Verdachts der Veruntreuung von Firmengeldern in Japan festgenommen worden. Auch Nissan-Direktor Greg Kelly muss ins Gefängnis.

© AFPCarlos Ghosn.



Tokio, Boulogne-Billancourt – Ein japanisches Gericht behält Renault-Chef Carlos Ghosn einem Bericht zufolge zehn Tage in Haft. Auch Nissan-Direktor Greg Kelly müsse für diese Zeit ins Gefängnis, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch. Ghosn war am Montag wegen des Verdachts der Veruntreuung von Firmengeldern in Japan festgenommen worden.

Der Topmanager gilt als Architekt der Allianz aus Renault, Nissan und Mitsubishi, die den weltgrößten Autoherstellern Volkswagen und Toyota den Rang ablaufen will. Es gibt Befürchtungen, das Bündnis könnte zerbrechen, wenn Ghosn nicht mehr die Fäden in der Hand hält.

Japan bekräftigte jedoch das Bekenntnis zu der Allianz. Ein Regierungssprecher sagte, es sei wichtig, weiter für ein stabiles Bündnis zu sorgen. Zuvor hatte sich bereits der französische Finanzminister Bruno Le Maire für einen Erhalt der Kooperation starkgemacht. Die französische Regierung pocht als 15-prozentiger Renault-Eigner auf eine schnelle Ablösung von Ghosn. Bei Renault soll Insidern zufolge der bisher für das operative Geschäft zuständige Vorstand Thierry Bollore Ghosn kommissarisch als Chef ersetzen. Ghosn ist auch Verwaltungsratsvorsitzender von Nissan und Mitsubishi Motors. Seines Postens bei Nissan soll er am Donnerstag enthoben werden.

Vize-Generaldirektor Thierry Bollore – bisher nach Ghosn die Nummer zwei im Konzern – soll vorläufig die gleichen Befugnisse wie Ghosn haben, wie Renault am Dienstagabend mitteilte. Ghosn – vorübergehend verhindert – bleibe Vorsitzender und CEO.

Bollore wurde vorübergehend zu seinem Stellvertreter ernannt. Die Weichen wurden bei einer Verwaltungsratssitzung gestellt. „Herr Ghosn ist heute nicht in der Lage, das Unternehmen zu führen“, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire dem Radionachrichtensender Franceinfo. Der französische Staat hält 15 Prozent der Anteile bei Renault. (APA/Reuters)