Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.12.2018


Exklusiv

Flixbus will in kleine Städte und in den USA fahren

120 Millionen Menschen fuhren bereits Flixbus. Ein Börsengang ist noch kein Thema.


© Thomas Boehm / TT(Symbolfoto)



Von Verena Langegger

Innsbruck – In der Südbahnstraße sorgen die knallgrünen Flixbusse vor allem am frühen Nachmittag für Staus. Denn der Andrang ist groß, zahlreiche Passagiere überqueren mit ihrem Gepäck die Straße. Das Angebot ist günstig. Eine Fahrt von Innsbruck nach München kostet tatsächlich nur 9,99 Euro, Freitagabend um 22.20 Uhr. Um 17.20 Uhr ist es etwas teurer, aber mit 17,99 immer noch um zwei Euro billiger als die Bahn.

Doch die Flixbus-Gründer André Schwämmlein, Jochen Engert und Daniel Krauss wollten nicht einfach nur ein billiges Busunternehmen gründen. „Angetrieben hat uns das Bild der mit Autos verstopften Straßen“, erzählt Krauss. Das war 2013, also vor fünf Jahren. Damals wurde der Fernbusverkehr in Deutschland liberalisiert, die drei Freunde nutzten die Chance. Dass sie das Mobilitätsunternehmen FlixMobility gründeten, sei zu diesem Zeitpunkt allein dieser Liberalisierung geschuldet gewesen, betont Krauss. Es hätten auch Geriatrieprodukte werden können. Sie wollten einfach (wieder) Unternehmer sein. Krauss war zuvor bei Micro­soft, hatte auch in den USA gearbeitet und war bereit, ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen.

Der Software-Entwickler war es auch, der die App lieferte und berechnen ließ, auf welchen Strecken sich eine Buslinie rechnen würde. Nach dem Motto „bei Strecken, die auf Fahrplänen oft angeboten werden, stimmt die Nachfrage“ wurde der Fahrplan der grünen Busse gezimmert.

Gearbeitet wird mit Partner-Unternehmen, denn „ein Bus kostet immerhin 300.000 Euro und das konnten wir uns nicht leisten“. Krauss und seine Freunde telefonierten also die Busunternehmen in Deutschland und Österreich durch, um Partner zu finden, die die Flixbusse fahren wollten. Bezahlt wird „erfolgsorientiert“, ein unternehmerischer Ansatz soll auch bei den Buspartnern erhalten bleiben. Das Modell funktioniert, seit der Gründung wurden 120 Millionen Menschen in 29 Ländern transportiert. In Deutschland fahren bereits vier grüne Bahnen, in Österreich wird mit der Westbahn kooperiert. Das Unternehmen hat weltweit 14 Büros und 7000 Fahrer. Es wächst auch jährlich, zuletzt 2017 um 40 Prozent.

Der Break-even wurde 2017 erreicht, genaue Umsatzzahlen nennt Krauss nicht. Auch er habe aber schon gehört, dass der Wert von Flixbus über einer Milliarde liege. Das interessiere ihn aber derzeit nicht, ein Börsengang sei – zumindest vorerst – nicht geplant. Das bedeute zu viele Regulierungen, noch, – aber trotzdem werde intern schon daran gearbeitet, sich an gewisse Spielregeln zu halten. Doch jetzt wollen die grünen Busse erst einmal noch mehr werden und auch kleine Städte anfahren.

Daniel Krauss, Gründer von Flixbus, spricht am MCI über Erfolg.
- MCI