Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.01.2019


Unternehmen

Raiffeisenbank Reutte bestellt dritten Vorstand

Ludwig Strauß rückt in die Raiba-Chefetage zu Hannes Gomig und Wolfgang Hechenberger auf. Zukunft Bankhaus Jungholz bleibt Thema.

Bankenwelt im Umbruch: In der Raiffeisenbankzentrale in Reutte stehen große Entscheidungen an.

© Mittermayr HelmutBankenwelt im Umbruch: In der Raiffeisenbankzentrale in Reutte stehen große Entscheidungen an.



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Erstmals waren beide Vorstände der Raiffeisenbank Reutte bei einer Firmenweihnachtsfeier verhindert – und trotzdem erhielt ein anwesender Vorstand langanhaltenden Applaus der Mitarbeiterschaft. Denn der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Moosbrugger konnte bei der Feier bekannt geben, dass der neun­köpfige Aufsichtsrat einen dritten Vorstand ins Amt berufen hat. Ludwig Strauß steigt vom langjährigen Leiter der Innenrevision in die Konzernleitung auf und wird sich künftig vor allem um die Marktfolge kümmern. Seine frühzeitige Bestellung wird als Vorleistung auf die in Aussicht gestellte Pensionierung des Vorstandsvorsitzenden Hannes Gomig gesehen. Einen genauen Zeitpunkt dafür gibt es noch nicht, längstens im Mai 2020 wird damit gerechnet.

Hätte die Entscheidung für Strauß am Applaus der Mitarbeiter bewertet werden müssen, dann war sie goldrichtig. Die schriftliche Genehmigung der österreichischen Finanzmarktaufsicht für den Reuttener mit bayerischen Wurzeln als Vorstand, rückwirkend datiert mit 1. 1. 19, wird in den nächsten Tagen erwartet. Telefonisch wurde sie bereits im Dezember erteilt.

Der künftige Vorstandsvorsitzende Wolfgang Hechenberger ist derweil mit weitreichenden strategischen Überlegungen beschäftigt, gilt es doch die Raiffeisenbank Reutte auf Jahre hinaus auf einen völlig veränderten Markt auszurichten. Keine leichte Aufgabe in einer Branche, die sich im Totalumbruch befindet. Oder um es in den Worten Hechenbergers zu sagen: „sich neu erfinden muss“. Ein Aspekt unter vielen ist dabei die Zukunft der Zweigniederlassung Bankhaus Jungholz – über zwei Jahrzehnte das Flaggschiff des Konzerns. Unter den nun geänderten Rahmenbedingungen ist das kleine Bergdorf für viele Private-Banking-Kunden uninteressant geworden. Sie kommen lieber gleich nach Reutte in die Zentrale.

Wolfgang Hechenberger von der TT auf seine Überlegungen angesprochen: „Es stimmt, wir denken über Jungholz nach. Es gibt aber keine wie immer geartete Entscheidung dazu. Eine Verlegung des gesamten 30-köpfigen Teams nach Reutte ins Europahaus ist eine Option, was aber niemanden besonders überraschen dürfte.“ Hechenberger räumt ein, dass es nach all den Jahren Jungholz gegenüber auch Verpflichtungen gebe, die ebenfalls Gewicht hätten. Viele Prozesse seien jedenfalls gebündelt in Reutte leichter abzuwickeln, auch die meisten Mitarbeiter aus Jungholz würden den Schritt begrüßen. Teils fehle auch die notwendige Infrastruktur im kleinen Ort. „Wir können nicht einmal zu einem Geschäftsessen gehen“, zeigt der Vorstand kleine Problemfelder auf.

Bei der Raiba Reutte sind derzeit 140 „Köpfe“ beschäftigt. Weitere zehn kommen in St. Gallen dazu.