Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.01.2019


Tirol

Rücktritt von Firma: Rätselraten um Tiroler „Krypto-Star“

Julian Hosp, Mitbegründer des Start-ups TenX zieht sich aus der Firma zurück. Anleger werfen Hosp vor, sich bereichert zu haben.

TenX-Mitgründer Julian Hosp zieht sich zurück.

© Foto: Jan HafnerTenX-Mitgründer Julian Hosp zieht sich zurück.



Singapur, Innsbruck – Der Tiroler Julian Hosp ist in der Krypto-Welt schon länger bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Seit Hosp und seine Partner mit ihrem Start-up TenX in Singapur 2017 über einen so genannten „Token Sale“ 80 Mio. Dollar einspielten, ist er auch einer breiteren Öffentlichkeit ein Begriff. Die Idee hinter TenX: eine Kryptogeldkarte, mit der Besitzer von Digitalwährung auch offline so einfach bezahlen können wie mit einer Kreditkarte. Nun ist Hosp überraschend von allen Funktionen bei TenX zurückgetreten.

„Uns ist klar geworden, dass der einzige Schritt vorwärts über getrennte Wege geht“, sagte Hosp – sichtlich bewegt – in einem Video, das über seine Facebookseite abrufbar ist. Investoren, die die versprochenen Kryptogeldkarten bis heute nicht gesehen haben, reagierten verunsichert und wütend: Eine echte Erklärung für den Abschied würden Hosp und TenX schuldig bleiben, es fehle an Transparenz. Das Unternehmen betont in einer Stellungnahme, dass sich an den Plänen für 2019 nichts geändert habe. Zudem seien die ersten Kreditkarten bereits ausgeliefert und die nächste Tranche in Arbeit. Und auch Christoph Holz, IT-Experte und Business Angel bei TenX, betont: „Das Engagement von Hosp war immer schon auf Zeit gedacht. Als Investor bin ich zufrieden, dass TenX jetzt für die nächste Phase Glaubwürdigkeit als seriöse Finanzinstitution aufbauen kann.“ Mit seiner guten Finanzausstattung könne TenX die Konsolidierungsphase optimal nutzen.

Zu den Vorwürfen, Hosp habe kurz vor seinem Abgang noch seine eigenen Token verkauft – diese haben inzwischen einiges an Wert verloren –, erklärt er auf Anfrage der TT: „Ich habe Token als Teil meines Gehalts erhalten und muss, basierend auf dem Wert zum Zeitpunkt des Erhalts, Steuern darauf zahlen , genau wie jeder andere auch. Nichts von all dem ist auf Insiderinformationen zurückzuführen.“ Und nichts davon sei korrekt. Er würde immer noch die meisten seiner Token besitzen. (hu)