Letztes Update am Mo, 11.03.2019 09:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Unternehmerin Iris Ortner: Nicht unter Wert verkaufen

Iris Ortner, Geschäftsführerin der IGO-Ortner Gruppe und seit Kurzem im ÖBAG-Aufsichtsrat, sieht Frauenquoten in Führungsgremien noch als Notwendigkeit, wünscht sich aber, dass letztlich Kompetenz entscheidet.

Iris Ortner begann ihre Karriere auf einer Baustelle in Polen und damit in einem schwierigen Umfeld. Dass Männer lieber mit Männern arbeiten, hält sie für ein Gerücht.

© Hans SchubertIris Ortner begann ihre Karriere auf einer Baustelle in Polen und damit in einem schwierigen Umfeld. Dass Männer lieber mit Männern arbeiten, hält sie für ein Gerücht.



Innsbruck – Erst im Februar wurde Iris Ortner, Geschäftsführerin der IGO-Ortner Gruppe, mit der Umwandlung der Staatsholding ÖBIB zur ÖBAG in deren neunköpfigen Aufsichtsrat entsandt. Zusammen mit ihrem Vater, Klaus Ortner, lenkt sie die IGO-Ortner Holding. Zuletzt setzte diese inklusive der assoziierten Gemeinschaftsunternehmen sechs Mrd. Euro um und beschäftigt über 24.000 Mitarbeiter. Zur Gruppe gehören die 100-Prozent-Beteiligungen in Sachen Gebäudetechnik und Anlagenbau, neben Ortner auch HTG, Bacon, Elin, Insta-Bloc und andere. Ortner ist auch größter Aktionär des Baukonzerns Porr und hält große Anteilspakete am Immobilienentwickler UBM, an der Hospitalsgruppe oder am Gemeinde-Dienstleister Communalp. Eine ganze Reihe von Großprojekten in ganz Europa, vom Milliarden-Projekt mit U-Bahn und Stadionbau in Katar bis zu etlichen Hotels, wurden und werden verwirklicht.

Sie sind eine sehr erfolgreiche Frau. Was war bzw. ist Ihr Erfolgsrezept?

Iris Ortner: Es gibt kein Rezept. Was aber in jedem Fall hilft, ist eine gute Ausbildung, Leistungsbereitschaft und die Leidenschaft für das, was man tut. Was kann ich, und was kann ich nicht? Diese Fragen gilt es zu klären. Im Idealfall treffen dann Interesse und Talent aufeinander. Für mich war immer wichtig, sich die Dinge auch zuzutrauen und sich selbst treu zu bleiben. Haltung und Geradlinigkeit sind der beste Navigator.

Haben Sie als Tochter des Eigentümers den Weg in die Geschäftsführung der IGO-Ortner Gruppe als schwierig empfunden?

Ortner: Tochter ist man, zur Geschäftsführerin wird man. Natürlich war ich als Tochter des Eigentümers immer privilegiert, andererseits musste ich mich in einem komplett männlichen Umfeld beweisen. Gerade zu Karrierebeginn war ich mitunter mit blöden Sprüchen konfrontiert. Auf einer Baustelle in Polen wurde mir mit Anfang 20 gesagt, dass sich das Problem nicht mit einem weiblichen Augenaufschlag lösen lasse. Ich habe damals eine Niederlassung in Warschau aufgebaut, heute sind wir in Polen mit der Firma TKT engineering Marktführer. Entscheidend ist, das Geschäftsfeld von der Pike auf zu lernen und mit Mitarbeitern immer auf Augenhöhe zu sein.

Gerade in Chefetagen haben Männer – laut Umfragen von Beratungsunternehmen – lieber Männer um sich. Teilen Sie diese Erfahrung?

Ortner: Das halte ich für ein Gerücht. In meinem beruflichen Alltag erlebe ich das nicht so. Gemischte Teams sind nachweislich erfolgreicher. Heterogene Teams kommunizieren vielfältiger und arbeiten kreativer.

Wie stehen Sie zur Quotenregelung?

Ortner: Zwiespältig. Einerseits braucht es Quoten, um das tradierte Denken bei der Besetzung von Führungspositionen schneller aufzubrechen, und andererseits ist letztlich Kompetenz entscheidend. Hinzu kommt, dass keine Frau als Quotenfrau tituliert werden will, doch genau das passiert hinter ihrem Rücken. Ich fände es gut, wenn wir an einen Punkt kommen, wo für Führungspositionen genauso oft Frauen in der Pole-Position stehen wie Männer. Im Grunde muss es darum gehen, Talente von Beginn an zu fördern und die Potenziale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu heben. Ich habe dazu in unserer Firmengruppe ein Mentoring-Programm initiiert, das sich der Förderung unserer Lehrlinge verschrieben hat. In unserer Lehrlings-Academy setzen wir auf die Vernetzung und Persönlichkeitsentwicklung.

Laut Forschungen der Uni Innsbruck gibt es auch deshalb wenige Frauen in Führungspositionen, weil Frauen sich viele Dinge nicht zutrauen. Was würden Sie jungen Frau raten, die mit ihrem Frausein im Job hadern?

Ortner: Bei jeder neuen Herausforderung kommt eine Schwelle, wo Frauen viel mehr als Männer ins Zweifeln kommen, ob sie das Geforderte auch zu 120 Prozent erfüllen können. Es geht immer um Leistung und darum, sich diese Leistung auch zuzutrauen. Frauen verkaufen sich hier zu oft unter ihrem Wert. Ich sage mir dann, ich mach’ das jetzt: „Augen zu und durch!“

Die Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen im Beruf wird immer wieder kritisiert. Warum, denken Sie, bekommen Frauen sehr oft weniger als Männer im gleichen Job?

Ortner: Dieses Problem kenne ich in unserer Firmengruppe bei gleicher Position der Geschlechter nicht. Aber viele Frauen dringen nicht in Führungspositionen vor, weil sie sich oft für ihre Kinder und gegen eine Karriere entscheiden, was doch auch eine legitime Wahl ist. Laut einer Studie der Agenda Aus­tria verdienen Mütter ja nicht nur weniger als Männer, sondern auch weniger als ihre kinderlosen Kolleginnen. Umso wichtiger ist es, bessere Rahmenbedingungen wie Betriebskindergärten zu schaffen, die es mehr Frauen ermöglichen, Führungspositionen mit Kindern zu vereinbaren.

Was wünschen Sie sich als Geschäftsführerin eines Familienbetriebs für Ihre Töchter bzw. Nichten?

Ortner: Im Grunde, was ich mir für alle jungen Mädchen und Jungs wünsche: dass sie ihren Weg machen, dabei freie und mutige Entscheidungen treffen und sich nicht an der Meinung anderer orientieren. Ein Leben ohne Angst, mit geradem Rücken und erhobenem Kopf, den eigenen Wünschen folgend.

Das Gespräch führte Verena Langegger

Steckbrief

Iris Ortner (44) studierte nach dem humanistischen Gymnasium Maschineningenieurwesen an der ETH Zürich mit Vertiefung Energiesysteme und Betriebswirtschaft. Sie ist Geschäftsführerin der IGO-Ortner Gruppe und sitzt in verschiedenen Aufsichtsräten und Beiräten. Ortner spricht Englisch, Polnisch und Spanisch und hat zudem Kenntnisse in Russisch und Französisch.