Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 17.03.2019


Unternehmen

Reservierungsgebühr wird in Gastro häufiger: Zahlen für leeren Tisch

Immer mehr Wirte in Wien verlangen für ihre Tische eine Reservierungsgebühr. Die Gastronomie in Tirol bleibt aber überwiegend zurückhaltend.

Reservierungsgebühren und Anzahlungen setzen sich etwa in Wien immer mehr durch.

© iStockphotoReservierungsgebühren und Anzahlungen setzen sich etwa in Wien immer mehr durch.



Von Beate Troger

Innsbruck, Kirchberg — Wer im Restaurant von Vier-Hauben-Koch Simon Taxacher in Kirchberg einen Tisch reservieren möchte, muss seine Kreditkartennummer hinterlassen. Erscheint der Gast zur gebuchten Uhrzeit nicht, wird er mit pauschal 200 Euro zur Kasse gebeten. „Diese Maßnahme wurde notwendig, weil Gruppen immer öfter in drei Restaurants gleichzeitig reserviert und dann kurzfristig entschieden haben, worauf sie Lust haben", berichtet Sandra Kobald, die im Hauben-Restaurant im Hotel Rosengarten für die gesamte Administration verantwortlich zeichnet.

Der Kunde werde direkt am reservierten Tag „zur Erinnerung" noch einmal kontaktiert, um Ausfälle und in der Folge auch die Verschwendung hochwertiger Lebensmittel zu vermeiden. „Wenn der Gast bei diesem Gespräch absagt, verlangen wir nichts und es rückt jemand aus der Warteliste nach", erklärt Kobald.

Mit dieser so genannten No-Show-Gebühr, wenn man unabgemeldet fernbleibt, ist Taxacher in Tirol absoluter Pionier. In Wien hingegen müssen Gäste bereits in mehr als 200 Restaurants für die Tischreservierung eine Anzahlung leisten, wie der Fachverband der Gastronomie in der Wirtschaftskammer (WK) Wien erhoben hat.

Doch auch hierzulande diskutieren die Wirte immer wieder sehr angeregt über eine solche Reservierungsgebühr als „Erziehungsmaßnahme für die Gäste", wie WK-Sparten-Geschäftsführer Peter Trost gegenüber der TT bestätigt. Tatsächlich umgesetzt hätte diese Pönale aber letztlich kaum ein Betrieb.

„Im Umgang mit dem Gast muss man natürlich auch sehr sensibel sein", räumt der Gastro-Experte ein, „letztlich kann es nur jedes Restaurant für sich entscheiden." Dabei stelle sich stets die Frage, welcher Schaden in welcher Größenordnung für den Unternehmer entstehe, sagt der Interessenvertreter der Wirte. Betroffen seien vor allem Restaurants im gehobenen Bereich und ohne „Laufkundschaft", sowie bei größeren Gruppen oder an Feiertagen. Da würden schnell das gesamte Warenmanagement und die Abläufe in der Küche durcheinanderkommen. „Für die Pizzeria ums Eck ist diese Gebühr eher kein Thema", sagt Trost.

Bei Haubenkoch Simon Taxacher ist diese Art Strafgebühr für das Nicht-Erscheinen seit einigen Jahren Usus. „Die Gäste reagieren immer verständnisvoller, wenn wir erklären, warum wir das tun müssen", berichtet Sandra Kobald. Sie erwartet auch, dass in Tirol mehr Wirte nachziehen werden. „In der Hotellerie ist eine Anzahlung als Reservierungsgebühr ja gang und gäbe", erläutert sie. In ihrem Haus habe sich diese Maßnahme schlussendlich bewährt. „Seither ist kein Tisch mehr leer geblieben."