Letztes Update am Do, 14.03.2019 08:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unternehmen

Audi will mit weniger Personal und mehr Elektroautos wachsen

Audi will bald ein Drittel seiner Autos als Hybrid- oder Elektroauto verkaufen und muss dafür viele Milliarden investieren. Dafür soll an anderer Stelle gespart werden – auch durch Stellenabbau.

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Ingolstadt – Die schwächelnde VW-Tochter Audi legt am Donnerstag (10 Uhr) in Ingolstadt ihre Jahresbilanz und ihre neuen Sparpläne vor. Vorstandschef Bram Schot hatte schon im Vorfeld massive Einschnitte auch beim Personal angekündigt.

Audi hat im vergangenen Jahr weniger Autos verkauft, der Umsatz sank auf 59,2 Milliarden Euro, der Betriebsgewinn ging auf 4,7 Milliarden Euro zurück. Weil Audi noch mit dem Dieselskandal beschäftigt war, hatte das Unternehmen seine Autos zu spät auf den neuen Abgasmessstandard WLTP umgestellt und den Kunden viele Modellvarianten nicht liefern und andere nur mit Rabatt verkaufen können. Die VW-Eigentümerfamilie Porsche hatte vergangene Woche gefordert, Audi müsse wieder profitabler werden.

15 Milliarden Euro sparen

Schot hatte bereits gesagt, 90.000 Audi-Mitarbeiter seien zu viel. Die Werke in Ingolstadt und Neckarsulm spüren die WLTP-Lücke und den andauernden Trend zu Stadtgeländewagen anstelle von Limousinen. Schot stellt das Produktionsnetz, Schichten, Zulagen, Modell- und Motorvarianten auf den Prüfstand und will das mittlere Management ausdünnen. Bis 2022 will er so 15 Milliarden Euro sparen, um die hohen Investitionen in die Elektromobilität zu stemmen.

Die direkten Konkurrenten BMW und Mercedes waren bei Elektroautos schneller, aber Audi holt jetzt auf. Das erste vollelektrische Serienauto, der große SUV e-tron aus dem Werk in Brüssel, ist soeben in den Handel gekommen. Ende nächsten Jahres will Audi ein Dutzend, bis 2025 schon 20 Hybrid- und vollelektrische Modelle auf dem Markt haben und ab dann 30 Prozent seiner Autos elektrifiziert verkaufen.

Auch Abgas-Skandal kostet Milliarden

Auch der Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselautos kostet Audi weiter Geld, im vergangenen Jahr waren es weitere 1,2 Milliarden Euro. Schadenersatzklagen von Audi-Käufern sowie eine mögliche Kartellstrafe der EU wegen Absprachen mit anderen Herstellern könnten den Hersteller noch belasten.

Schot hatte nach der Festnahme von Rupert Stadler im vergangenen Juni die Führung von Audi übernommen und weitet dessen Spar- und Elektrifizierungspläne jetzt drastisch aus. Damit ist Audi auf einer Linie mit dem VW-Konzern, der bei seiner Kernmarke VW ebenfalls Stellen streicht und kräftig in E-Autos investiert – auch mit Blick auf China, wo Volkswagen und Audi mehr als ein Drittel ihrer Autos verkaufen. In China ist Audi Marktführer bei Oberklasse-Autos.

Für die rund 61 000 Audi-Beschäftigten im Stammwerk Ingolstadt und im württembergischen Neckarsulm gilt noch bis 2025 ein Kündigungsschutz. Der Betriebsrat will ihn bis 2030 verlängern. (dpa)




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