Letztes Update am Di, 02.04.2019 09:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hintergrund

Karstadt-Kaufhof-Fusion: Noch viele offene Baustellen

Mit einem neuen Logo machen Karstadt und Kaufhof einen Schritt aufeinander zu. Von einem einheitlichen Einkaufserlebnis kann aber noch lange nicht die Rede sein.

Die beiden Konzerne wurden fusioniert,. aber noch sind viele Bereiche getrennt.

© ReutersDie beiden Konzerne wurden fusioniert,. aber noch sind viele Bereiche getrennt.



Essen, Köln – Gut ein halbes Jahr nach der Ankündigung der Fusion von Karstadt und Kaufhof nimmt der Zusammenschluss der beiden letzten großen deutschen Warenhausketten allmählich Form an. Sichtbarstes Zeichen davon ist das neue Markenlogo „Galeria Karstadt Kaufhof“, das seit wenigen Tagen in den Schaufenstern der 174 Filialen der beiden Warenhausketten in ganz Deutschland zu sehen ist - verbunden mit dem Versprechen „Wir sind zusammen Deins“.

Zu Ernst sollte der Kunde den Marketing-Rummel aber nicht nehmen: Denn von einem wirklich einheitlichen Auftritt sind die Warenhäuser noch weit entfernt. Kaufhof und Karstadt waren im vergangenen November zu einem Gemeinschaftsunternehmen fusioniert worden. Es gehört zu 49,99 Prozent dem kanadischen Handelskonzern HBC und zu 50,01 Prozent der Signa-Holding von Rene Benko.

Aus zwei mach eins

Kundenkarten, die in beiden Häusern gelten, Geschenkgutscheine oder das Warenangebot, das nach wie vor unterschiedlich ist: Karstadt und Kaufhof weisen auf ihren Internetseiten selbst darauf hin, was alles unter dem gemeinsamen neuen Dach noch nicht funktioniert.

Einen Vorwurf kann man dem Team um Karstadt-Chef Stephan Fanderl daraus wohl nicht machen. Denn tatsächlich ist es eine echte Herausforderung zwei Warenhäuser zusammenzuführen. „Das Warenhaus ist die Königsdisziplin des Einzelhandels. Kein anderes Geschäftsmodell ist so kompliziert“, betonte erst kürzlich Jörg Funder, Professor für Unternehmensführung im Handel an der Hochschule Worms. „Die Infrastruktur beider Häuser - ihre Steuerungs- und Beschaffungssysteme – zusammenzuführen, wird deshalb eine Mammutaufgabe.“

Eiszeit

Beispiel Personal: Fanderl kündigte Ende Jänner an, 2.600 Vollzeitstellen bei Kaufhof streichen zu wollen. Doch die Verhandlungen darüber mit dem Betriebsrat ziehen sich hin. Eine Einigung werde dadurch, dass inzwischen sogar schon von 2.800 Stellenstreichungen die Rede sei, nicht einfacher, hieß es aus Gewerkschaftskreisen.

Gespräche mit Verdi über einen möglichen Sanierungstarifvertrag für den neuen Warenhausriesen haben noch gar nicht begonnen. Tatsächlich herrscht zwischen den Tarifpartnern eher Eiszeit. Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger schimpfte vor wenigen Tagen: „Zurzeit hat man aber eher den Eindruck, dass das neue Unternehmen Galeria Kaufhof Karstadt kaputt gespart und die Existenzgrundlage von zigtausend Beschäftigten ruiniert werden soll.“

Schon mal ein neues Logo

Die Schaffung eines neuen gemeinsamen Logos für die lange Zeit rivalisierenden Warenhausketten war im Vergleich zu den anderen Herausforderungen wohl eher eine einfache Übung. Das neue Logo verbindet nicht nur die Namen, sondern auch die Farben der alten Konzerne – das Grün von Galeria Kaufhof und das Blau von Karstadt.

Doch bis der neue Name wirklich die Warenhäuser dominiert, wird wohl ohnehin noch einige Zeit vergehen. Vorläufig ist das neue Logo nur in den Schaufenstern und auf einigen Schautafeln in den Verkaufsetagen zu finden. Die großen Neonreklamen an den Häusern zeigen dagegen noch die alten Firmenlogos. Und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Denn sie sollen - um Kosten zu sparen - nur Schritt für Schritt ausgetauscht werden, wenn echter Bedarf besteht. In vielen Innenstädten werden die alt vertrauten Leuchtreklamen von Karstadt und Kaufhof also wohl noch einige Zeit zu sehen sein. (APA, dpa)