Letztes Update am Do, 11.04.2019 14:32

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Energiewende

Milliarden-Investitionen ins österreichische Stromnetz geplant

Der Baustart für die 380-kV-Leitung in Salzburg dürfte im Herbst erfolgen. In den nächsten zehn Jahren sollen österreichweit 2,5 Milliarden Euro investiert werden.

In den nächsten Jahren würden auch die flexiblen Gaskraftwerke weiterhin eine wichtig Rolle für die Versorgungssicherheit darstellen. (Im Bild: Gaskraftwerk des Verbunds in Mellach)

© VerbundIn den nächsten Jahren würden auch die flexiblen Gaskraftwerke weiterhin eine wichtig Rolle für die Versorgungssicherheit darstellen. (Im Bild: Gaskraftwerk des Verbunds in Mellach)



Wien – In das österreichische Hochspannungs-Stromnetz wird in den nächsten Jahren kräftig investiert, allein in drei Großprojekte fließt mehr als 1 Mrd. Euro. Dies gaben die Vorstände der für das Hochspannungsnetz zuständigen APG am Donnerstag bekannt. Der Baustart für die umstrittene 380-kV-Salzburg-Leitung dürfte im Herbst erfolgen. Insgesamt werden 2,5 Mrd. Euro 2019 bis 2028 investiert.

Allein für die Salzburg-Leitung sind 800 Millionen Euro vorgesehen, mit deren Bau der 380-kV-Ring rund um Österreich geschlossen wird. Das Bundesverwaltungsgericht hat im März die Beschwerden gegen das Großprojekt abgewiesen hatte und Revision in zwei Punkten zugelassen. Noch offen ist hier die Frage der aufschiebenden Wirkung.

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Überlastung kostet zehn Millionen Euro im Monat

Mit dem Neubau der 128 Kilometer langen Leitung zwischen Kaprun und Elixhausen wird der 380-kV-Ring um Österreich geschlossen. Sie ist eine wichtige Verbindung zwischen der Windkraft im Osten und den Pumpspeicherkraftwerken im Westen Österreichs. Die Leitung sei auch wichtig für die technische Sicherheit puncto Versorgungssicherheit, betonte APG-Vorstand Thomas Karall. Für rund 100 Kilometer davon hat man sich bereits die Nutzungsrechte von den Grundeigentümern gesichert. Gleichzeitig mit dem Neubau werden auch bestehende Stromleitungen demontiert, insgesamt 193 Kilometer.

Der Ausbau der Strominfrastruktur sei auch wichtig für die Erreichung des 100-Prozent-Erneuerbaren-Ziels bis 2030 und für die Senkung der Netzstabilisierungskosten, betont die APG. Das Übertragungsnetz stoße immer mehr an seine Grenzen, die Mehrkosten für die Notmaßnahmen lägen für die Stromkunden bei zehn Millionen Euro im Monat.

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Bedürfnisse der Industrie sicherstellen

Ebenfalls heuer startet der Ersatzneubau der Weinviertelleitung. Für dieses Projekt sind alle Genehmigungen abgeschlossen. Der Baubeginn ist für Mitte 2019 vorgesehen, die Inbetriebnahme für Mitte 2022. Investiert werden 200 Millionen Euro. Die neue Leitung geht von Bisamberg bis Neusiedl/Zaya ist 62 Kilometer lang, demontiert werden 77 Kilometer.

Ein weiteres Großprojekt ist im oberösterreichischen Zentralraum geplant. Der Baubeginn für den Ausbau des bestehenden Netzes ist für 2025 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2027. Investiert werden sollen 300 Millionen Euro. Der Ballungsraum Linz wachse stark, auch den Bedürfnissen der Industrie wie etwa der voestalpine müssten sichergestellt werden, so Christiner. Das oberösterreichische Projekt will die APG über das Standortentwicklungsgesetz abwickeln. Für die Salzburg-Leitung wird die Verfahrensdauer mit 77 Monaten angegeben.

Volkswirtschaftliche Effekte

Ein starkes Strom-Übertragungsnetz sei derzeit die effektivste und kostengünstigste Flexibilitätsoption bei der Energiewende mit zunehmend volatiler Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen, betont die APG. Auch die Pumpspeicher seien dafür wichtig. In den nächsten Jahren würden auch die flexiblen Gaskraftwerke weiterhin eine wichtig Rolle für die Versorgungssicherheit darstellen.

Die Kosten zur Stabilisierung des Stromnetzes (Redispatch) beziffert die APG für 2018 mit 117 Millionen Euro, nach 92 Millionen Euro. Nur an 88 Tagen habe man nicht eingreifen müssen, so Christiner. Heuer seien es weniger Abrufe gewesen, weil es bisher eine gute Wasserkrafterzeugung gegeben habe. Auch sei 2019 bisher ein sehr gutes Windjahr gewesen. Allerdings muss das Vorhalten von Kraftwerkskapazitäten nun von der APG bezahlt werden, im ersten Quartal des Vorjahres hatten diese deutsche Unternehmen übernommen, die nun nur die tatsächlichen Abrufe zahlen.

Die Verbund-Tochter APG hat heute auch volkswirtschaftliche Effekte des 2,5 Mrd. Euro schweren Strominfrastrukturausbaus genannt: Rund 1,8 Mrd. Euro seien als Nachfrage unmittelbar in Österreich wirksam. Die kumulierten Effekte über alle Jahre der Errichtung werden weiters mit 3,6 Mrd. Euro Produktion, 1,5 Mrd. Euro Wertschöpfung und auf der Job-Seite mit 21.598 Jahres-Vollzeitäquivalenten angegeben. (APA)