Letztes Update am Sa, 11.05.2019 11:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Glyphosat-Hersteller

Französische Justiz leitet Ermittlungen gegen Monsanto ein

Der Konzern soll eine geheime Liste mit Kritikern in Frankreich – darunter Journalisten und Politiker – geführt haben. Diese wollte der Glyphosat-Hersteller „erziehen“ und teilweise sogar überwachen, heißt es in einem TV-Bericht.

Der Saatgutriese Monsanto hat unzählige Kritiker. Besonders das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bringt viele Menschen gegen den Konzern auf.

© Betto RodriguesDer Saatgutriese Monsanto hat unzählige Kritiker. Besonders das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat bringt viele Menschen gegen den Konzern auf.



Paris/Leverkusen – Dem Bayer-Konzern droht wegen seiner US-Tochter Monsanto erneut juristischer Ärger: Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete am Freitag ein Ermittlungsverfahren gegen den Saatgut- und Pestizidhersteller ein, weil dieser eine geheime Liste mit Kritikern in Frankreich geführt haben soll.

Laut einem Bericht des Senders France 2 wollte Monsanto kritische Politiker, Wissenschaftler und Journalisten „erziehen“, besonders hartnäckige Gegner sogar „überwachen“. Bayer betonte, keine Kenntnis davon gehabt zu haben.

Gegen Monsanto sei ein Ermittlungsverfahren wegen illegaler Erfassung privater Daten eingeleitet worden, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris mit. Sie reagierte damit auf eine Klage der Zeitung Le Monde und eines Journalisten, dessen Name auf der Liste stand.

200 Namen mit Noten

PR-Agenturen sollen die Liste im Auftrag des US-Konzerns geführt haben. Darin waren laut dem Bericht von France 2 zuletzt rund 200 Namen aufgeführt – mit Noten von 0 bis 5, je nach Einfluss und Grad der Unterstützung für Monsanto. Die Politiker, Wissenschaftler oder Journalisten wurden mit Privatadresse, Telefonnummer und sogar ihren Hobbys gelistet.

Auch die damalige französische Umweltministerin Segolene Royal stand auf der Liste – als „null beeinflussbar“, wegen ihrer ablehnenden Haltung zu dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Die Sozialistin nannte es „pervers“, Menschen derartig einzustufen. Sie forderte Schritte, „um das System von schädlichem Lobbying zu säubern“.

Auch vier Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP waren auf der Liste verzeichnet, die zur Hälfte Journalisten umfasst. Neben Le Monde kündigten auch der öffentliche Sender Radio France juristische Schritte wegen Datenmissbrauchs an, andere Medien wollen die Datenschutzbehörde CNIL anrufen.

Bayer hatte „keine Kenntnis“

Auch die Organisationen Foodwatch und Générations Futures, die gegen Pestizide in Lebensmitteln vorgehen, bereiten nach eigenen Angaben Klagen vor.

Der Bayer-Konzern erklärte auf Anfrage von AFP, er habe „keine Kenntnis“ von den Vorgängen bei seiner heutigen Tochter gehabt. Das Leverkusener Unternehmen betonte zudem die große Bedeutung des Datenschutzes.

Bayer steht wegen der Monsanto-Übernahme im vergangenen Jahr massiv unter Druck. Die Aktionäre von Bayer hatten Konzernchef Werner Baumann Ende April die Entlastung verweigert. Zuvor war der Aktienkurs eingebrochen, weil in den USA tausende Krebskranke wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat klagen. (APA/AFP)




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