Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 06.06.2019


Umsätze

Preisdruck durch Billigflieger in Wien

Der Boom der Low-Cost-Carrier bringt TUI in Bedrängnis. Pauschalreisen sind weiter nachgefragt.

Im heurigen Sommer gibt es in Wien Schwechat um 56 Prozent mehr Flugkapazitäten als 2018.

© APA/HaumerIm heurigen Sommer gibt es in Wien Schwechat um 56 Prozent mehr Flugkapazitäten als 2018.



Wien – Der Reiseveranstalter TUI Österreich beklagt rückläufige Umsätze bei Buchungen in der bisherigen Sommersaison durch den Boom der Billigflieger am Standort Wien. Laudamotion, Level, EasyJet, Vueling oder Wizz Air graben TUI vor allem auf der Mittelstrecke nach Griechenland und Spanien Gäste ab. Zu schaffen machten dem Unternehmen aber auch die Insolvenz der Fluglinie Germania, die Anschläge in Sri Lanka sowie das Flugverbot für Maschinen des Typs 737 Max von Boeing nach den Abstürzen. „Es bleibt unruhig am Markt. Wir sind ständig dabei, unser Krisenmanagement zu verbessern“, sagte TUI-Österreich-Chefin Lisa Weddig.

Durch den Low-Cost-Carrier-Boom gebe es im heurigen Sommer um 56 Prozent mehr Flugkapazitäten als im Sommer 2018, so Weddig weiter. „Wir kommen unter Preis- und Margendruck. Da können wir gar nicht mehr mithalten.“ Trotz dieser Turbulenzen würden die Umsätze um sechs Prozent über dem Vorjahr liegen. Grund seien um 20 Prozent ausgebaute Flugkapazitäten, 41 neue Hotels, Ausbau des Budgetsegments und ein größeres Angebot für 20- bis 35-Jährige („Millennials“). Besonders gefragte Destinationen im Sommer sind die Türkei, Ägypten sowie auf der Fernstrecke die Malediven, USA, Dominikanische Republik und Indonesien.

Das Geschäft mit Pauschalreisen ist angesichts des Preiskampfes für die Veranstalter nicht leichter geworden. Doch 2018 war laut dem deutschen Branchenverband DRV ein Boomjahr. Daten der Reiseanalyse FUR bestätigen ebenfalls eine – wenn auch leicht – gestiegene Nachfrage. Waren 2010 knapp 42 Prozent aller Urlaubsreisen ab fünf Tagen Pauschal- und Bausteinreisen, lag ihr Anteil im vergangenen Jahr bei gut 43 Prozent. Selbst bei jungen Erwachsenen zwischen 14 und 29 Jahren liegen organisierte Reisen laut FUR im Trend (gut 44 Prozent). Nach Einschätzung von Torsten Kirstges, Professor an der Jade Hochschule in Wilhelmshaven, ist die Pauschalreise kein Auslaufmodell. „Es wird sie auch noch in 20 Jahren geben.“ (APA, dpa, TT)