Letztes Update am Mi, 05.06.2019 17:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Hintergrund

Zahnbürsten-Start-up Amabrush rutscht in die Insolvenz

Amabrush ist mit vier Millionen Euro überschuldet. Das Produkt war von Anfang an umstritten. Die Firma fühlt sich zudem von Verbraucherschützer Peter Kolba verfolgt.

(Symbolfoto)

© Initiative proDente e.V.(Symbolfoto)



Wien – Das Zahnbürsten-Start-up Amabrush mit Sitz in Wien ist pleite. Das Unternehmen wollte eine elektrische Zahnbürste auf den Markt bringen, die „innerhalb von zehn Sekunden“ die Zähne gründlich putzen sollte. Das Großteil des Geldes wurde über Crowdfunding aufgenommen - 39.000 Menschen haben Geld gegeben und sollten im Gegenzug eine Zahnbürste erhalten. 8 Mio. Euro hat das Unternehmen aufgenommen.

Zusätzlich wurden ab Februar 2018 die Zahnbürsten über einen eigenen Web-Shop vertrieben. Interessenten wurden auf der Homepage der Amabrush Kaufverträge angeboten. Von denen konnte man zurücktreten, solange Amabrush keinen definitiven Lieferzeitpunkt nannte. Dann erhielt man den bezahlten Kaufpreis zurück.

29.000 Zahnbürstensets ausgeliefert

Die Produktion gestaltete sich offenbar schwierig und die Qualität entsprach nicht. Erst dauerte es lange, bis ein Hersteller gefunden wurde, dann habe es „erhebliche Abstriche bei Produktdesign und Funktionalität (gegeben), die durch die mangelnde Kompetenz der Produktionspartner bedingt war“, so die Sichtweise von Amabrush. „Die Erwartungshaltung bei Kunden war groß. Das Produkt konnte diese zunächst nicht erfüllen“, heißt es in der Firmenaussendung. Dennoch wurden bis zum 31. Mai rund 29.000 Zahnbürstensets ausgeliefert. „Die Reaktionen der Kunden auf das Produkt fielen sehr unterschiedlich aus“, umschreibt Amabrush teils geharnischte Postings von Kunden.

Aus sich des Konsumentenschützers Peter Kolba, der Amabrush angezeigt hat, waren die Crowdfunder „empört, dass das Produkt an sie nicht oder mit hoher Verspätung ausgeliefert wurde“. Wer doch eine Zahnbürste erhielt, sei von der beworbenen Funktion der Zahnbürste schwer enttäuscht gewesen. „Tests von Konkret und Standard ergaben, dass die Zahnbürste in den beworbenen 10 Sekunden keineswegs die Zähne sauber reinigen kann“, so Kolba in einer Aussendung heute Mittwoch. 2700 Beschwerdeführer hätten sich bei seinem Verbraucherschutzverein (VSV) gemeldet.

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Strafanzeige gegen Amabrush

Nun habe das Unternehmen 4,5 Millionen Euro Schulden und nur 500.000 Euro Vermögen, teilte Amabrush am Mittwochnachmittag mit. Dennoch werde eine Sanierung angestrebt, 20 Prozent der Schulden sollen dabei innerhalb von zwei Jahren zurückgezahlt werden. Kolba verweist darauf, dass Forderungen auf Rückzahlung von Beiträgen bzw Kaufpreisen nun im Insolvenzverfahren angemeldet werden müssen.

Amabrush fühlt sich vom früheren JETZT (Liste Pilz)-Abgeordneten Peter Kolba und dessen privaten Verbraucherschutzverein (VSV) verfolgt. Dieser hatte gegen das Unternehmen und einige Mitarbeiter Strafanzeige gestellt, woraufhin eine Reihe von Investoren abgesprungen und die Nachfrage nach dem Produkt eingebrochen sei, so das Unternehmen. Dabei habe es Anfang 2019 für die Finanzierung einer verbesserten Version der Zahnbürste „erfolgsversprechende Gespräche“ mit Investoren gegeben. Mit der Anzeige seien diese aber abgesprungen. Daraus folgte die Zahlungsunfähigkeit. (APA)