Letztes Update am Fr, 07.06.2019 13:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Volkswirtschaft

Studie: Firmen mit Arbeitnehmern im Aufsichtsrat sind krisenfester

Eine Untersuchung hunderter europäischer Firmen mit verschieden besetzten Aufsichtsräten zeigt, dass Mitarbeiterbeteiligung Firmen krisenfester macht.

Symbolfoto

© Getty ImagesSymbolfoto



Berlin – Unternehmen mit Arbeitnehmern im Aufsichtsrat sind einer Studie von BWL-Professoren zufolge krisenfester und nach einer Wirtschaftskrise ökonomisch erfolgreicher als solche ohne Mitbestimmung. Das kam bei einer universitären Studie zutage, die mit Unterstützung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung insgesamt 560 börsennotierte europäische Unternehmen untersuchte.

Die Forscher Marc Steffen Rapp von der Universität Marburg und Michael Wolff von der Universität Göttingen untersuchten sowohl Unternehmen, in denen Beschäftigte paritätisch mit Vertretern der Kapitalseite im Aufsichtsrat saßen, Firmen, in denen Beschäftigte ein Drittel der Aufsichtsratsmitglieder stellten sowie solche ohne eine Arbeitnehmerbeteiligung. Da die rechtlichen Vorgaben für eine Beteiligung je nach Land verschieden sind, ordneten die Forscher den 280 deutschen Firmen zum Vergleich passende europäische Unternehmen zu und zwar nach Größe, Branche und Diversifizierung.

Kurzfristiges Verhalten verhindert

Die unternehmerische Mitbestimmung habe während der großen Finanz- und Wirtschaftskrise „kurzfristiges Verhalten von Unternehmen verhindert“ und danach ein „schnelleres Umschalten in den Wachstumsmodus ermöglicht“, resümierten die Professoren. So sei in Unternehmen ohne Mitbestimmung die Umsatzrentabilität auf dem Höhepunkt der Krise um 3,1 Prozent gesunken, während sie in paritätisch mitbestimmten Firmen um 2,7 Prozent gestiegen sei. Dieser Trend bestätigte sich demnach auch für die Jahre nach der Krise.

Die Vorteile zeigten sich der Studie zufolge auch bei der Beschäftigungsentwicklung. So sei die Mitarbeiterzahl in paritätisch mitbestimmten Unternehmen in der akuten Krisenphase um 2,4 Prozent zurückgegangen und habe dann im Anschluss bis 2011 wieder um 4,5 Prozent zugelegt, um in Summe 2,1 Prozent über dem Vorkrisenniveau zu liegen. In Firmen ohne Mitbestimmung wurde die Belegschaft dagegen in der Krise um sieben Prozent reduziert und lag anschließend um 1,9 Prozent unter dem Vorkrisenniveau.

Mitbestimmte Unternehmen konnten daher nach dem Abklingen der Krise „schnell wieder ihre Produktion ausweiten“, erklärten Rapp und Wolff. Vorteile sahen die Forscher unter anderem auch bei der Bewertung der Firmen am Kapitalmarkt und bei den Investitionen, die in Firmen mit Mitbestimmung höher und stabiler gewesen seien. Die Forscher sprachen letztlich von einer dreifachen Gewinnsituation: Risiken könnten sowohl vom Unternehmen als auch von den Arbeitnehmern abgewendet werden und nicht zuletzt werde die gesamte Volkswirtschaft geschützt. (APA, AFP)