Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 03.07.2019


Bezirk Imst

Hochwasser und Treibholz bremsten die Rafter in Imst ein

Der kalte Mai mit Schneefällen hat die Zeit der Schmelzwässer um gut einen Monat verschoben. Darunter litten die Rafting-Unternehmen.

Der Outdoor-Tourismus hatte zuletzt mit dem Wetter zu kämpfen. Langfristig zeigt er sich aber konstant.

© AREA 47Der Outdoor-Tourismus hatte zuletzt mit dem Wetter zu kämpfen. Langfristig zeigt er sich aber konstant.



Von Thomas Parth

Imst – Marcel Pachler, selbst Outdoor-Unternehmer und Obmann des Tiroler Rafting-Verbandes mit tirolweit 27 Mitgliedern, hatte, wie viele seiner Mitglieder, mit den Wetterkapriolen der letzten Wochen zu kämpfen. „Die vergangenen zweieinhalb, drei Wochen waren für uns nicht leicht, weil sich die Hochwassersaison um gut einen Monat verschoben hat“, weiß der Geschäftsführer von „faszinatour“ Österreich zu berichten. In normalen Jahren wäre vom Hochwasser während der Rafting-Saison kaum etwas zu spüren. „Aber heuer war es im Mai noch extrem kalt mit Schneefällen bis weit herunter. Der Winter war ebenfalls sehr hart, was sich jetzt im Juni durch viel Schmelzwasser bemerkbar gemacht hat“, zeigt Pachler auf. In dieselbe Kerbe schlägt auch Area 47-GF Chris Schnöller: „Diese Wetterkonstellation, mit der Hitzewelle der letzten Woche, hat es in den vergangenen 30 Jahren noch nie gegeben.“

Man sei zwar auf weniger gefährliche Ausweichstrecken von Mils nach Imst oder von Haiming nach Rietz ausgewichen, doch „natürlich haben wir Stornos und finanzielle Einbußen zu verkraften, was sich auf Taxiunternehmer, Gastronomen und den Handel auswirkt“, bestätigt Verbands­obmann Pachler. Behördliche Fahrverbote würden keine erteilt. „Stattdessen haben wir für uns beschlossen, die gefährdeten Routen wie die Imster Schlucht oder die Ötztaler Ache ab einem gewissen Pegel nicht zu befahren“, so Pachler. Die Gefahr für die Rafter gehe dabei nicht nur vom Hochwasser an sich aus, sondern vom Treibholz, welches durch die Seitenbäche in die Fahrstrecken eingebracht werde. Seine Mitglieder wüssten jedenfalls, was sie tun, ist Pachler überzeugt. „In Rietz haben Bürgermeister, Bauern und Feuerwehr rasch reagiert und uns sehr geholfen, als es darum ging, für eine Ausweichstrecke kurzfristig einen gesicherten Ausstieg zu schaffen“, dankt Pachler. Die Area 47 könne „hausintern“ auf ihre Mountainbike-Akademie oder das Wakeboarding ausweichen. „Ein Verlust bleibt aber immer“, so Schöller.

Die Outdoor-Branche, speziell jene im Vorderen Ötztal und im Bezirk Imst, sieht Pachler nicht gefährdet. „Der Outdoor-Tourismus wächst stetig und bildet seit 30 Jahren einen soliden Zweig. Die Arbeitsplätze sind stabil und haben durch die Area 47 sogar noch zugenommen. Die Zahl der größeren Firmen bleibt ebenfalls konstant. Hinzu kommen Ein-Mann-Unternehmer, die sich selbstständig machen, um auf eigene Faust z. B. Canyoning-Touren anzubieten. Zusammen mit Mountainbiken, Klettern und Bergsteigen zieht das breite Angebot weiterhin Gäste an, die einen Ausgleich in der Natur suchen“, bricht der Unternehmer eine Lanze für diese Form des Tourismus.

Chris Schnöller unterstreicht, dass die Gäste die Abwechslung und die Breite des Angebotes zu schätzen wissen. Der Outdoor-Tourismus sei weiterhin weltweit ein wachsender Markt.

Die Tiwag-Pläne für ein Kraftwerk Imst-Haiming sind weiter aufrecht. „Wir bleiben trotz Ablehnung im Dialog“, versichert Pachler.




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