Letztes Update am Mo, 22.07.2019 15:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Wirecard wirft Financial Times Gemauschel mit Spekulanten vor

Seit Monaten tobt ein Streit zwischen dem Online-Bezahldienst Wirecard und der britischen Financial Times. Es gab in den letzten Monaten etliche Attacken von Börsenspekulanten auf die Wirecard-Aktie.

Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters

© dpaFirmenzentrale des Zahlungsdienstleisters



München, Aschheim – Nach mehrmaligen Attacken von Börsenspekulanten auf die Wirecard-Aktie kontert das deutsche Unternehmen mit schweren Anschuldigungen gegen die britische Wirtschaftszeitung Financial Times. Wirecard forderte die Zeitung auf, „von jeder Veröffentlichung abzusehen, die direkt oder indirekt zu Marktmanipulation oder Insiderhandel im Zusammenhang mit Wirecard-Aktien führen könnte“.

Der Grund: Es gebe „unwiderlegbare Beweise für eine Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern der Financial Times und Short Sellern“, zitiert das „Handelsblatt“ (Montagsausgabe) aus einem Brief der von Wirecard beauftragten Anwaltskanzlei an die FT. Demnach soll es eine Tonaufnahme eines Gesprächs geben, in dem ein britischer Spekulant von einem bevorstehenden kritischen Artikel in der Financial Times berichtet und sagt, dass er eine Handelsposition von fünf Mio. britischen Pfund (5,6 Mio. Euro) aufgebaut habe.

Mitschnitt eines Gespräches Staatsanwaltschaft übergeben

Das Unternehmen habe Beweismittel an die Staatsanwaltschaft München I übergeben, darunter den Mitschnitt eines Gesprächs zwischen zwei Investoren, in dem es um einen bevorstehenden Bericht der Londoner Wirtschaftszeitung über Wirecard gehe, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person. Eine Sprecherin der Wirtschaftszeitung wies die Vorwürfe im „Handelsblatt“ zurück: „Es gab keinerlei geheime Absprachen von Journalisten der FT mit Short-Sellern oder anderen Dritten, was den Inhalt oder den Veröffentlichungszeitpunkt von FT-Artikeln über Wirecard betrifft.“

Dem Verdacht, dass Wirecard mit seinem österreichischen Chef Markus Braun Opfer krimineller Spekulationsattacken geworden sein könnte, gehen auch die Münchner Staatsanwaltschaft und die Finanzaufsicht BaFin nach. (APA, dpa, Reuters)