Letztes Update am Di, 30.07.2019 13:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fluglinie

Billigairlines kosten AUA zweistelligen Millionenbetrag

Die AUA spürt die gestiegenen Kerosinpreise und die Konkurrenz durch Billig-Airlines massiv. Der Aufwand für Flugbenzin stieg um 34 Mio. Euro, die Billigflieger kosteten einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag.

Symbolfoto

© Austrian AirlinesSymbolfoto



Wien – Die AUA hat im zweiten Quartal heuer zwar wieder schwarze Zahlen eingeflogen, bleibt nach dem hohen Minus im ersten Quartal zum Halbjahr aber weiter in den roten Zahlen. Der operative Gewinn (angepassetes EBIT) von 46 Millionen Euro von April bis Juni in Höhe hat den Verlust aus den ersten drei Monaten in Höhe von 99 Millionen Euro nicht kompensiert, teilte Austrian Airlines Dienstagfrüh mit.

Zum Halbjahr weist die österreichische Lufthansa-Tochter daher ein negatives (angepasstes) EBIT in der Höhe von 53 Millionen Euro aus (EBIT: 54 Millionen Euro). Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag dieser Wert wenn auch gering aber immerhin mit fünf Millionen Euro im Plus. Das (angepasste) EBIT lag im zweiten Quartal des Vorjahres schließlich deutlich heuer. Es hatte sich auf 78 Millionen Euro belaufen. Im Periodenvergleich brach der Gewinn somit um 41 Prozent ein.

null
-

Aktuell positiv ausgewirkt hätten sich Investitionen in die Flotte und ins Service. Denn die Passagierzahl stieg um sechs Prozent oder 375.000 Menschen auf 6,7 Millionen Reisende, teilte die AUA mit.

Billigflieger-Schwemme und gestiegene Kerosinkosten

Aber nicht nur der Gewinn ist in den tiefroten Bereich gerutscht. Auch der Umsatz ist gesunken. Er beläuft sich nach sechs Monaten im Jahr 2019 auf 982 Millionen Euro, nachdem es vor einem Jahr noch 1,008 Mrd. Euro gewesen waren.

„Der starke Ergebnisrückgang ist im Wesentlichen auf zwei Faktoren zurückzuführen“, sagt AUA-Finanzvorstand Wolfgang Jani. Er verweist auf „die Billigflieger-Schwemme in Wien und gestiegene Kerosinkosten“. Helfen soll der im Jänner angekündigte Flottenumbau. „Der Ausbau unserer Airbus-Flotte wird uns im Wettbewerb mit den Billigfliegern helfen“, hofft Jani. „Denn die Jets erhöhen den Kundenkomfort. Die Änderung der Flottenstruktur wird sich aber auch positiv auf unsere Stückkosten auswirken, da wir mit weniger Flugzeugen mehr Plätze anbieten können.“

Die AUA rechnet aber trotzdem mit einem „schwierigen Jahr 2019. Wir werden positiv sein, aber deutlich unter Vorjahr“, kündigt Jani fürs Gesamtjahr 2019 an. Das begründet er ebenso mit dem harten Wettbewerb mit Low-Cost-Carriern und dem Kerosinpreis. 2018 hatte Austrian Airlines ein (angepasstes) EBIT von 83 Millionen Euro erwirtschaftet.

Mogelpackungen und Marktbereinigung

Der Mutterkonzern Lufthansa hatte der AUA mindestens 100 Millionen Euro Gewinn pro Jahr vorgeschrieben, damit Investitionen in die Flotte finanziert werden können. Das Ziel wurde noch nie ganz erreicht, in den Vorjahren war man aber mit 93 bzw. 83 Millionen Euro knapp dran. Heuer ist so ein Wert außer Reichweite. Dennoch geht Jani nicht von einer Kürzung des Investitionsprogramm aus: „Unser Ziel ist es, nachhaltig und langfristig im Durchschnitt die Profite zu steigern. Man geht nicht davon aus, wenn einmal ein schlechtes Jahr dabei ist, dass man gleich die ganzen Investitionspläne verwirft.“ Im Moment gebe es keine Anhaltspunkte, wieso Investitionen in die Langstreckenflotte über Bord geworfen werden sollten.

Jani geht auch nicht davon aus, dass der Konkurrenzdruck gleich hoch bleiben wird: „Es kann kein Neuer reinkommen, das ist völlig ausgeschlossen. Wir gehen eher davon aus, dass irgendwann eine Marktbereinigung stattfinden wird, denn zu diesen tiefen Preisen kann keine Airline langfristig ökonomisch wirtschaften.“

Außerdem setzt Jani darauf, dass die Kunden die besonders günstigen Preise mancher Airlines als „Mogelpackung“ erkennen. Er wies auf – vom OLG Wien untersagte – hohe Gebühren für das Check-In am Flughafen hin und auch darauf, dass eine Fluglinie wie die Lauda-Mutter Ryanair inzwischen aus Zusatzangeboten praktisch gleich viel einnehme wie aus den Flugtickets. Das bedeute, dass im Schnitt sich jedes Ticket durch Zusatzkosten im Preis. (APA, TT.com)