Letztes Update am Fr, 09.08.2019 10:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Einzelhandel

Streit bei Güssinger, Diskonter Hofer verhängt Lieferstopp

Grund für den Abnahmestopp ist ein Streit zwischen dem russischen Güssinger-Eigentümer und einem Großgläubiger.

Diskonter Hofer zeigt Güssinger die Rote Karte. Der Wasserabfüller ist nach einer Insolvenz und mehreren Eigentümerwechseln in der Hand eines eingebürgerten Russen.

© GüssingerDiskonter Hofer zeigt Güssinger die Rote Karte. Der Wasserabfüller ist nach einer Insolvenz und mehreren Eigentümerwechseln in der Hand eines eingebürgerten Russen.



Wien, Sattledt – Der Lebensmitteldiskonter Hofer – bis vor drei Wochen größter Kunde des burgenländischen Mineralwasserabfüllers Güssinger – hat am 19. Juli die Reißleine gezogen. Auslöser war laut Kurier ein Streit zwischen dem russischen Güssinger-Eigentümer und einem bulgarischen Großgläubiger. Dabei geht es schlicht um die Vorherrschaft in der Wasserfirma.Güssinger – 2004 in die Pleite geschlittert – gehört nach mehreren Eigentümerwechseln seit 2012 zum Firmennetz eines eingebürgerten Russen.

„Im Fall der Güssinger Beverages & Mineralwater GmbH haben wir es als notwendig erachtet, sämtliche Geschäftsbeziehungen bis auf Weiteres stillzulegen und beziehen somit aktuell keine Waren“, teilte der Diskonter der Zeitung mit. Hofer überprüfe derzeit detailliert die veränderten Eigentumsverhältnisse und die Identität der wirtschaftlichen Berechtigten bei Güssinger und deren verbundenen Gesellschaften. Sollte die Redlichkeit des Lieferanten zweifelsfrei geklärt sein, schließe man nicht aus, zu einem späteren Zeitpunkt wieder mit Güssinger zusammenzuarbeiten.

Bulgarisch-russisches „Tänzchen“

Grund für die „Stilllegung“ war ein Schreiben des Großgläubigers der Güssinger-Mutter an Hofer. Die Bulgaren sollen Kreditschulden über 10,6 Millionen Euro der Güssinger-Mutterfirma bei einer russischen Bank abgelöst und dafür die verpfändeten Sicherheiten (Güssinger-Liegenschaften und -Gesellschaftsanteile, Stimmrechte) erhalten haben. Der Güssinger-Eigentümer bestreitet aber heftig, dass den Bulgaren Gesellschaftsanteile und Stimmrechte rechtmäßig übertragen wurden. Am 25. Mai 2019 wollten die Bulgaren laut Kurier einen neuen Geschäftsführer bei Güssinger einsetzen, sind aber damit beim Firmenbuchgericht abgeblitzt. Denn die Güssinger-Mutterfirma hatte ihrerseits am Vortag ihre Anteile an eine von ihr kontrollierte Treuhandfirma abgetreten – eben um die Abberufung der Geschäftsführung zu verhindern. Am 23. Juli wurde Anatoliy Boikiv als neuen Geschäftsführer bei Güssinger eingesetzt, der laut Eigentümervertretung Ruhe in den Betrieb bringen soll.

Die Burgenländer sollen bis zu 30 Millionen Liter „Vitaquelle“ pro Jahr an den Diskonter Hofer geliefert haben, schreibt die Zeitung. Das soll etwa 80 Prozent der Güssinger Umsatzes ausgemacht haben. Am Freitag war beim Diskonter „Tiroler Quelle“ (Rieder‘s Quellenbetriebe) zu erhalten. (APA)




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