Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.08.2019


Unternehmen

Bayer soll Milliardenzahlung gegen US-Klagen planen

Nach der Klagenflut wegen möglicher Gesundheitsschäden durch Glyphosat soll Bayer einen Milliardenvergleich andenken. Der Konzern dementiert.

Im Streit um das Pflanzengift Glyphosat sieht sich Bayer in den USA mit 18.400 Klägern konfrontiert.

© AFPIm Streit um das Pflanzengift Glyphosat sieht sich Bayer in den USA mit 18.400 Klägern konfrontiert.



Leverkusen — Der wegen Tausender Glyphosat-Klagen unter Beschuss stehende deutsche Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer strebt nach einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg einen Milliarden-Vergleich in den USA an. Bayer schlage eine Zahlung von bis zu 8 Milliarden US-Dollar (7,15 Mrd. Euro) vor, um die Klagen der zuletzt 18.400 Kläger beizulegen, wie Bloomberg unter Berufung auf eine mit den Verhandlungen vertraute Person berichtete. Das wäre deutlich weniger, als viele Experten befürchtet hatten. Bayer dementierte einem Vermittler zufolge — es sei kein acht Milliarden Dollar schwerer Vergleich vorgeschlagen worden.

In den vergangenen Tagen hatten Investoren bereits die Vertagung eines für August angesetzten Glyphosat-Prozesses als Hinweis auf fortschreitende Vergleichsverhandlungen interpretiert. Der Druck auf Konzernchef Werner Baumann war in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen, weil Bayer bereits drei Verfahren um Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter mit Schadenersatzforderungen im jeweils mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Dollar-Bereich verloren hatte.

Bayer fährt bisher offiziell zwar eine harte Linie und verweist unter Berufung auf zahlreiche wissenschaftliche Studien weiterhin auf die Sicherheit von Glyphosat bei richtiger Anwendung und will vor Berufungsgerichte ziehen. Konzernchef Baumann hatte zuletzt jedoch abermals gesagt, dass ein Vergleich durchaus in Frage käme, wenn er wirtschaftlich Sinn machen würde. So verschlingen allein die Kosten für Anwälte und Imagekampagnen Hunderte Millionen Euro.

Zudem hatte Richter Vince Chhabria, bei dem Hunderte Klagen gebündelt sind, die Streitparteien bereits zu einer einvernehmlichen Lösung aufgefordert und mit dem US-Staranwalt Ken Feinberg einen Mediator bestellt. Er war unter anderem für Kompensationen nach der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zuständig.

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Und auch von anderer Seite kommt Druck. So mischt der für sein aggressives Gebaren bekannte US-Milliardär und Investor Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott bei Bayer inzwischen mit einer Beteiligung von mehr als einer Milliarde Euro mit.

Sollte Bayer sich tatsächlich auf einen Vergleich einigen, wäre die mit Abstand größte Baustelle des Konzerns bereinigt. Die Nachricht über einen möglichen Vergleich kam bei Anlegern gut an, der Aktienkurs schnellte am Freitag nach oben. Trotzdem notiert die Bayer-Aktie noch rund 28 % tiefer als vor der ersten Prozessschlappe wegen Glyphosat vor einem Jahr. Das bedeutet beim Börsenwert ein Minus von 24 Milliarden Euro. (dpa)




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