Letztes Update am Mi, 28.08.2019 10:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rechtsstreit

Deutsches Traditionsgasthaus feierte Sieg über Google

Wartezeiten bis zu einer Stunde und 45 Minuten“, so hieß es im Internet. Der Wirt des Bräustüberl in Tegernsee wollte sich das nicht bieten lassen – und verklagte Google. Nun hat der Weltkonzern nachgegeben.

Bräustüberl-Wirt Peter Hubert mit seiner Ehefrau Caterina Hubert

© Peter Hubert GmbH & Co. KG | BräBräustüberl-Wirt Peter Hubert mit seiner Ehefrau Caterina Hubert



Tegernsee – Ein Aufsehen erregender Rechtsstreit zwischen dem „Herzoglichen Bräustüberl Tegernsee“ in Oberbayern und dem Internet-Riesen Google um Onlineangaben zu den Wartezeiten im „Bräustüberl“ ist beigelegt. Der geplante Termin zur mündlichen Verhandlung am Mittwoch vor dem Landgericht München I sei abgesagt, teilte Wirt Peter Hubert am Dienstagabend mit. Google habe den Unterlassungsanspruch anerkannt, um Aufhebung des Termins gebeten – und sei damit einem Rechtsstreit aus dem Weg gegangen. Auch Google bestätigte dies inzwischen. „Wir haben die Funktion ‚Wartezeiten‘ ja bereits im Juli wunschgemäß für das Restaurant am Tegernsee gesperrt. Ebenso haben wir die Forderung anerkannt, die Funktion gesperrt zu lassen“, so der Konzern.

Es war der 25. November 2017, als der Wirt Peter Hubert seinen Kampf gegen einen Algorithmus aufnahm. An jenem Samstag, so Hubert gegenüber dem Nachrichtenmagazin Spiegel, kamen Kunden in sein Bräustüberl Tegernsee und sagten, er könne froh sein, dass sie sich überhaupt auf den Weg zu ihm gemacht hätten, denn im Internet stehe, man müsse bei ihm lange auf einen Tisch warten.

Und tatsächlich: Google hatte in seinem Online-Chart teils 15 Minuten, an Wochenenden sogar auch mal 90 Minuten als Wartezeit für das Bräustüberl angegeben. Nach etlichen vergeblichen Versuchen bei Google jemand zu erreichen, fand der Wirt laut Spiegel doch eine Telefonnummer von Google, in Hamburg unterhält der Konzern ein Büro.

Hubert argumentierte, die Angaben seien falsch und könnten Gäste abschrecken, die sich im Voraus im Internet informieren. Die Antwort: Man könne die Angaben leider nicht verändern, da die Parameter von Google für die gesamte Welt gelten würden. Ein Algorithmus berechne das Diagramm und der könne nicht geändert oder abgeschaltet werden.

Auf die Klage und auch Ladungen des Landgerichts München reagiert der Internet-Gigant zunächst nicht. Google verneinte zunächst die Zuständigkeit des Gerichtes. Nun hat das Unternehmen nachgegeben – „Das Bräustüberl hat gewonnen“, teilte die Traditionsgaststätte mit. (APA, dpa, TT.com)