Letztes Update am Do, 29.08.2019 09:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ÖBB

ÖBB-Chef fordert Kostenwahrheit, Bahn rüstet auf „Klimaklasse Südeuropa“ um

ÖBB-Chef Andreas Matthä spricht sich für „Kostenwahrheit“ und „Ende des Dieselprivilegs“ aus. Der Bahnchef kündigt mit dem Fahrplanwechsel im Dezember Preiserhöhungen an.

Ab 2021 sollen 450.000 Lkw_Fahrten auf die Bahn verlagert werden.

© ÖBBAb 2021 sollen 450.000 Lkw_Fahrten auf die Bahn verlagert werden.



Alpbach – „Unser Ziel ist es, den Güterverkehr, den Transit und die Transitbelastung in Österreich zu reduzieren. Das heißt wir fangen an von Häfen und Industriezentren wegzufahren“, sagte Andreas Matthä am Rande des Forum Alpbach im Gespräch mit der APA. „So verhindern wir von Haus aus, dass Lkw durch Österreich durchfahren. Je länger die Strecke, desto wirtschaftlicher für uns und desto leichter können wir ein Angebot stellen.“

Matthä kritisiert vor allem die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen Straßen- und Bahntransit: „Da bin ich für mehr Kostenwahrheit und -transparenz. Ich finde es einfach nicht in Ordnung, dass die Allgemeinheit beim Straßentransit ein Drittel dazu zahlt. Der Lkw-Transit ist zu billig.“ Oft würden Laster für einen Arbeitsschritt hunderte Kilometer fahren. „Bei der Bahn sei es so, dass die sogenannten externen Kosten deutlich geringer seien und bei rund acht Prozent liegen würden.

 ÖBB-Boss Andreas Matthä kritisiert vor allem die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen Straßen- und Bahntransit:
ÖBB-Boss Andreas Matthä kritisiert vor allem die ungleichen Wettbewerbsbedingungen zwischen Straßen- und Bahntransit:
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Der Bahnchef kritisierte zudem die hohen Steuern auf Bahnstrom und forderte, dass die Bahn ebenfalls das Recht auf Ökostromförderung bekomme. Weiters sollte aus seiner Sicht das „Dieselprivileg“ abgeschafft werden.

Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember kündigte Matthä Preissteigerungen im „Rahmen der Inflation“, also unter zwei Prozent an. Details seien aber noch offen.

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Ab 2021 Brennerkapazität von 450.000 Lkw

Matthä betonte erneut, dass die ÖBB die Kapazität der RoLa ausbauen werde. Es handle sich um 25 neue Züge zwischen Wörgl und Brenner, die Vorbereitung koste rund sechs Milllionen Euro. Dazu kämen ab 2020 auch Verbindungen zwischen Wörgl und Trento in Italien am südlichen Ende des Brenner-Korridors. „Im Jahr 2021 wollen wir eine Kapazität von 450.000 Lkw zur Verfügung stellen.“ Wenn der Brennerbasistunnel in Betrieb gehe, steige die Kapazität weiter. 

„Klimaklasse Südeuropa“

Die ÖBB haben wegen der Hitze im Sommer nicht nur Gleise weiß gestrichen, damit diese nicht bersten. Sie stellen auch ihre Wägen von der „Klimaklasse Mitteleuropa“ auf die „Klimaklasse Südeuropa“ um. Damit werden die Klimaanlagen bei Neuanschaffungen stärker. Pendlerzüge und Loks werden nachgerüstet, kündigte ÖBB-Chef Andreas Matthä am Rande des Forum Alpbach gegenüber der APA an.

Erhöht werden soll künftig auch die sogenannte Verspannungstemperatur der Gleise. Die liegt in Mitteleuropa zwischen 18 und 19 Grad - bei dieser Temperatur ist keine Kraft im Gleis, es zieht sich also weder zusammen, noch dehnt es sich aus. „Dieser mittlere Wert verschiebt sich nach oben, wir brauchen eine neue Verspannungstemperatur“, erläuterte Matthä.

Vor allem geht es aber weiterhin um das Weißen von Gleisen im Sommer. „Ich habe so etwas noch nie gesehen“, sagte Matthä zur Zahl der heuer verworfenen Gleise. So viele wie heuer seien noch nie betroffen gewesen. Das Streichen führt zu einer Temperaturreduktion der Gleise zwischen 6 und 8 Grad erläuterte Matthä. „Das macht man normal in Süditalien. Das hat mich geschockt.“

Wegen des Klimawandels fordert Matthä auch eine Mobilitätswende: „Wir sparen aktuell 3,5 Millionen Tonnen CO2 ein. Um dieselbe Menge CO2 zu binden, bräuchte man einen Wald so groß wie Vorarlberg.“ (APA, TT.com)