Letztes Update am Do, 29.08.2019 09:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konsumentenschutz

Lebensmittelzutaten: Wenn man mehr bekommt als erwartet

In an sich einfach herzustellenden Lebensmitteln stecken oft wahre Zutatencocktails. Denn die Gestaltung der Verpackung sage nichts über die tatsächliche Zusammensetzung der Lebensmittel aus, kritisiert der Verein für Konsumenteninformation.

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© PantherMediaSymbolbild.



Wien – Algen im Mousse au Chocolat, Farbstoffe im Erdbeerjoghurt oder Erdnussöl im Vanilleeis: Das und viel mehr fand der Verein für Konsumenteninformation (VKI), als er im Juni/Juli 2019 die Zutatenlisten und die Verpackungsgestaltung des Sortiments von Erdbeerjoghurt, Mousse au Chocolat, Pesto, Tiramisu, Vanilleeis und Vanillemilch analysierte. Gesamt wurden 80 Produkte überprüft. Das auffälligste Ergebnis sei gewesen, dass Lebensmittel, die im Grunde genommen aus nur wenigen, einfachen Zutaten hergestellt werden können, oft erstaunlich komplex zusammengesetzt seien. Je nach Hersteller wären beim Vanilleeis beispielsweise zwischen fünf und 24 Inhaltstoffe gezählt worden.

Doch auch bei den Hauptzutaten habe sich Überraschendes offenbar: So enthielten drei von sieben Tiramisus hauptsächlich Wasser und Glukosesirup anstelle von Mascarpone, obwohl die Hersteller ihre Produkte auf der Verpackung unter anderem mit „Autentica Ricetta Italiana“ (original italienisches Rezept) oder “hergestellt in einem kleinen italienischen Betrieb“ ausgelobt hätten.

„Ein nüchterner Blick auf die Zutatenliste lohnt sich“, betont VKI-Ernährungswissenschafterin Katrin Mittl-Jobst, denn die Gestaltung der Verpackung sage nichts über die tatsächliche Zusammensetzung der Lebensmittel aus. Berechtigte Erwartungshaltungen von Konsumenten würden hier oft enttäuscht.

Pesto (alla) Genovese

Acht von den 13 erhobenen Produkten würden einen unerwarteten Hauptbestandteil enthalten: Hier sei hauptsächlich Sonnenblumenöl anstelle des klassischen Olivenöls verarbeitet worden. Bei elf Produkten seien zudem Cashewkerne ergänzend oder anstelle der sonst üblichen Pinienkerne verwendet worden. Beim Pesto schwanke die Zutatenliste ebenfalls beträchtlich: zwischen sechs und 14 Inhaltsstoffen so Mittl-Jobst.

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Mousse au Chocolat

Hier wurden sieben Produkte erhoben. Auffällig sei dabei die Mousse au Chocolat einer bekannten Marke gewesen. Dort stehe eine Zutat klar an erster Stelle, nämlich Wasser. Das Produkt habe generell wenig mit dem Ursprungsrezept zu tun: Unter den 17 verwendeten Zutaten würden sich zum Beispiel Speisegelatine, Palmöl, verarbeitete Algen, Aroma und ein Schaummittel finden. Das gelte aber ohnehin für alle Mousse au Chocolat aus dem Supermarkt. Wer keinen Zutatencocktail möchte, sollte sie am besten selbst zubereiten.

Tiramisu

Das österreichische Lebensmittelbuch schreibt beim Tiramisu dem Mascarpone eine tragende Rolle zu, ebenso wie die traditionellen italienischen Rezepte. Die Erhebung habe dagegen ein anderes Bild gezeigt: Hier schwanke der Mascarponeanteil der sieben erhobenen Produkte zwischen 5,9 und 64 Prozent. Drei Produkte bestünden zudem hauptsächlich aus Wasser und Glukosesirup, obwohl gerade diese mit starkem Italien-Bezug werben würden.

Vanilleeis

Besonders große Unterschiede gebe es bei der Zutatenliste von Vanilleeis: Bei vielen Produkten sind Vanilleblüten oder Vanilleschoten auf der Verpackung abgebildet. „Konsumenten sollten sich dadurch aber nicht in die Irre führen lassen“, meint Mittl-Jobst. „Auch Aroma kann hier für den typischen Geschmack sorgen.“ Sechs von insgesamt 21 Produkten kamen nicht ohne Aromen aus, vier Produkte wurden zudem gefärbt.

Erdbeerjoghurt

Der Zusatz von Aromen ist auch ein bestimmendes Thema beim Erdbeerjoghurt: 17 von 23 Produkten enthielten Aromen. Jene, die darauf verzichten, seien meist biologisch erzeugt. „Es zahlt sich also aus, auf Bio zurückzugreifen, wenn man keine Aromen in seinem Joghurt haben möchte“, so Mittl-Jobst. Doch auch die „richtige“ Farbe sei beim Erdbeerjoghurt entscheidend: Alle 23 Joghurts enthalten Pflanzen(saft)konzentrate (z.B. Karotte, Rote Rübe, Aronia), die zum Färben von Lebensmitteln eingesetzt werden.

Vanillemilch

Nicht zuletzt könne auch ein simples Produkt wie Vanillemilch (Milch, Zucker, Vanille bzw. Vanillezucker) eine Reihe von Zutaten und Zusatzstoffen aufweisen. Die Vanillemilch eines deutschen Anbieters bestehe aus 13 Inhaltsstoffen, der „Vanilletraum“ eines Österreichischen Anbieters aus zwölf Zutaten. Sieben von neun Produkten seien aromatisiert und ebenfalls sieben käme nicht ohne färbende Zutaten oder Farbstoffe wie Carotin aus. (TT.com)

Tipps für Konsumenten:

  • Wenn möglich selbst zubereiten, dann weiß man, was darin enthalten ist. So lässt sich beispielsweise das Joghurt schnell selbst mit frischen Früchten bzw. mit Marmelade verfeinern.
  • Auf Länge und Umfang der Zutatenliste achten: Es gibt große Unterschiede innerhalb der einzelnen Produktkategorien. Die Inhaltsstoffe müssen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils genannt werden.
  • Zu Bio-Lebensmittel greifen: Zusatzstoffe werden dort nur eingeschränkt eingesetzt.
  • Lebensmittel beim VKI melden: Sollten sich Konsumenten durch ein Lebensmittel bzw. dessen Aufmachung getäuscht sehen, können Konsumenten dies beim VKI melden.