Letztes Update am Mi, 04.09.2019 15:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kosmetikfachhandel

Wegen Plan für Betriebsrat gekündigt, Douglas dementiert

Beschäftigte bei Douglas prangern Taschenkontrollen, Spindkontrollen mit Zentralschlüssel und Angstkultur an. Vier Frauen wurden gekündigt. Vermutet wird ein Zusammenhang mit der geplanten Gründung eines Betriebsrates.

Bei Douglas gibt es Streit um die geplante Schaffung eines Betriebsrates.

© dpaBei Douglas gibt es Streit um die geplante Schaffung eines Betriebsrates.



Wien – Bei der Österreich-Niederlassung der deutschen Parfümeriekette Douglas ist ein Streit über die Gründung eines Betriebsrates entbrannt. Vier Mitarbeiterinnen wurden allem Anschein nach von Douglas als „Drahtzieherinnen“ einer möglichen Wahl gekündigt. Vonseiten des Unternehmens wurde am Mittwoch ein Zusammenhang der Kündigungen mit einer Betriebsratsgründung allerdings in Abrede gestellt und ein Statement auch von der deutschen Zentrale in Aussicht gestellt. In Deutschland gibt es bei Douglas im übrigen seit 2017 einen Gesamtbetriebsrat.

Die Gewerkschaft (GPA) ist empört. Sie hat die Rechtsvertretung von Betroffenen übernommen und Anfang der Woche am Arbeitsgericht Klage gegen die Kündigungen wegen „verpöntem Motiv“ eingebracht. Gefordert wird die Rücknahme der Rausschmisse und Wiedereinstellung von drei der vier Angestellten (eine gekündigte Mitarbeiterin will offenbar nicht zurück).

Arbeitnehmer im Aufsichtsrat

Mittwochnachmittag hat die deutsche Douglas-Zentrale in Düsseldorf auf die Vorwürfe reagiert – und erklärt, es stehe allen Mitarbeitern „natürlich frei, sich in Betriebsräten zu organisieren“. Bestätigt wurde von der Douglas-Sprecherin, „dass es in unserer Filiale in Wien drei Kündigungen gegeben hat“. Allerdings entsprächen die Anschuldigungen der Gewerkschaft GPA-djp, dass diese Kündigungen im Zuge einer Betriebsratsgründung ausgesprochen wurden, nicht den Tatsachen. Zu den individuellen Hintergründen der Kündigungen wollte man sich bei Douglas nicht äußern.

Die Sprecherin verwies auf Deutschland, wo es seit 2014 auf Ebene der Filialen und seit 2017 einen Gesamtbetriebsrat gibt. Als gewählte Vertreter säßen die Arbeitnehmer auch im Aufsichtsrat. Die Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern wird als stets „sehr gut und vertrauensvoll“ beschrieben. Das wolle man auch in Zukunft so halten. „In diesem Zusammenhang stehen wir auch den angekündigten nächsten Schritten der GPA-djp offen gegenüber“, so die Sprecherin in einer der APA übermittelten Stellungnahme.

„Motivatonsgespräche und Aushorchen“

In einer Pressekonferenz prangerten am Mittwoch zwei der betroffenen Mitarbeiterinnen „bedenkliche Zustände“ bei Douglas Österreich an. Sie sprachen von spontanen Taschenkontrollen, Spindkontrollen in Abwesenheit der Mitarbeiter (mit Zentralschlüssel), einer hohen Anzahl von Kündigungen und einer überhaupt von Angst geprägten Stimmung, auch Kranksein oder Pausenzeiten würden ignoriert. Im Juni sei die GPA-djp kontaktiert worden, um Vorbereitungen für eine Betriebsratswahl zu treffen, die Führungsebene wurde informiert. Darauf seien „Motivationsgespräche“ mit vielen Kolleginnen angesetzt worden, von den zwei Gekündigten als „Aushorchen“ erachtet werden. Dabei sei es offenbar nur darum gegangen, Gründe für eine mögliche Kündigung der „Unruhestifterinnen“ zu finden.

Stichprobenartige Taschen- und Spindkontrollen seien in Österreich gesetzlich zulässig, argumentierte hingegen die Douglas-Pressesprecherin. Selbstverständlich fänden solche Kontrollen stets nur im Beisein der Mitarbeiterinnen statt. Eine Klage der ehemaligen Mitarbeiterinnen oder der Gewerkschaft, zu der Douglas Stellung nehmen könnte, liegt dem Unternehmen nach eigenen Angaben aktuell nicht vor.

Gründung von Betriebsrat bereits einmal gescheitert

Die GPA-Bundeschefin Barbara Teiber appellierte heute an das Unternehmen, die Kündigungen zurück zu nehmen. Douglas sei ein neuer Fall eines international tätigen Unternehmens, das mit der betrieblichen Mitbestimmung anscheinend große Probleme habe. Douglas wurde heute aufgefordert, mit der Gewerkschaft in den Dialog zu treten um auch in Österreich rechtskonform und angstfrei die Wahl für einen österreichweiten Betriebsrat abhalten zu können. Für Douglas-Beschäftigt wurde eine Hotline (0676/817 111 011) eingerichtet.

Dass die aktuellen Kündigungen mit einem jüngst verkündeten Sparprogramm des Douglas-Konzerns zu tun haben, glauben die betroffenen Angestellten nicht. Von den von der Zentrale in Deutschland angekündigten Filialschließungen wäre vor allem Südeuropa betroffen, nicht aber die Ketten in Deutschland und Österreich. „Wir wurden ja auch nachbesetzt“, sagte eine der gekündigten Frauen.

In Österreich hat Douglas 46 Filialen. Für die hierzulande Beschäftigten hatte es vor Jahren bereits einmal einen Anlauf auf Gründung eines Betriebsrats gegeben, das Vorhaben hatte sich dann aber im Sand verlaufen, weil nicht alle an Bord blieben, hieß es heute aus der Gewerkschaft. Die GPA forderte die Geschäftsführung heute auf, einer Betriebsratsgründung nicht im Weg zu stehen. (APA, TT.com)