Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.09.2019


Tirol

Nachhaltigkeit soll sich für Tirol Kliniken rechnen

Das Unternehmen will künftig einen verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt auf allen Ebenen des Betriebes mitdenken und umsetzen.

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© Foto TT / Linda Rieser



Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Extreme Hitzetage im Sommer – sie haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Bei den Tirol Kliniken macht sich der Klimawandel gleich auf mehreren Ebenen bemerkbar, wie Tirol-Kliniken-Geschäftsführer Stefan Deflorian erklärt: nämlich nicht nur bei der Zahl der Patienten mit Kreislaufbeschwerden, sondern etwa auch beim steigenden Bedarf, die Gebäude zu kühlen. Seit 2014 habe man bei der Energieeffizienz einen Schwerpunkt gesetzt und damit trotz Ausbaus und einer Vergrößerung der Betriebsflächen Energie einsparen können. Jetzt soll das Thema Nachhaltigkeit auch auf anderen Ebenen im Unternehmen mitgedacht und umgesetzt werden.

Der Startschuss fällt dieser Tage im Rahmen der „Klimamahnwoche“, die unter anderem von der Österreichischen Ärztekammer ausgerufen wurde. Die Tirol Kliniken haben dafür eine ARGE Nachhaltigkeit ins Leben gerufen, die künftig in sämtlichen Bereichen des Betriebes die Möglichkeiten des verantwortungsvolleren Umgangs mit Ressourcen prüfen soll. Ausgenommen davon sind lediglich die medizinische Patientenversorgung sowie medizinische Prozesse.

„Die Frage ist nicht, was uns das jetzt kostet. Die Frage ist vielmehr, was es uns kostet, wenn wir nichts tun“, so Stefan Deflorian 
(GF Tirol Kliniken).
„Die Frage ist nicht, was uns das jetzt kostet. Die Frage ist vielmehr, was es uns kostet, wenn wir nichts tun“, so Stefan Deflorian 
(GF Tirol Kliniken).
- tirol kliniken/Berger

Im Bereich der Mobilität etwa wurden bereits sechs Klinik-Fahrzeuge durch E-Autos ersetzt. Aber vor allem bei der Mitarbeitermobilität sieht Alois Radelsböck, Leiter der ARGE Nachhaltigkeit, Verbesserungsmöglichkeiten. „Pro Tag fahren unsere Mitarbeiter mit ihren privaten Pkw rund 128.000 Kilometer auf dem Weg zur und von der Arbeit – das entspricht der dreifachen Weltumrundung.“ Aktuell läuft daher ein Versuch mit einer App, über die sich Mitarbeiter zu Fahrgemeinschaften vernetzen können. Neben der Mobilität sollen die Arbeitsgruppen auch bei der Beschaffung und der Abfallvermeidung Nachhaltigkeitsziele definieren. Beim Thema Ernährung setze man bereits jetzt auf Regionalität, die Steigerung des Anteils an Bio- und Fair-Trade-Produkten sowie der Verzicht auf PET-Flaschen seien hier Ziele, die die Tirol Kliniken in den kommenden Jahren umsetzen möchten.

Dass man für Nachhaltigkeit tief in die Tasche greifen muss, ist laut Deflorian und Radelsböck eine überholte Annahme. „Es wird nicht teurer. Wir investieren zwar zunächst etwas mehr, holen uns das dann dafür wieder über die Effizienz herein“, erklärt Deflorian. Eine hocheffiziente Wärmepumpe beispielsweise amortisiere sich bereits nach sechs Jahren. Doch ganz abgesehen davon sei die Kostenfrage beim Thema Nachhaltigkeit vor dem Hintergrund des Klimawandels eine kurzsichtige. „Die Frage ist nicht, was uns das jetzt kostet. Die Frage ist vielmehr, was es uns kostet, wenn wir nichts tun“, sieht der Geschäftsführer der Tirol Kliniken im Nachhaltigkeitsprozess vor allem eine Initiative, das Unternehmen und seine Mitarbeiter fit für die Herausforderungen der Zukunft zu machen.

„Der Energiespargedanke wurde von den Mitarbeitern bis in die Familien hineingetragen“, meint Alois Radelsböck
 (Leiter ARGE Nachhaltigkeit).
„Der Energiespargedanke wurde von den Mitarbeitern bis in die Familien hineingetragen“, meint Alois Radelsböck
 (Leiter ARGE Nachhaltigkeit).
- Tirol Kliniken

Dass die Wirkung dieser Sensibilisierung nicht im Betrieb aufhört, habe sich auch schon beim Beitritt zum Klimabündnis Tirol und im Engagement für die Aktion Tirol 2050 gezeigt. „Der Energiespargedanke wurde von den Mitarbeitern bis in die Familien hineingetragen“, weiß Alois Radelsböck und hofft, dass sich entsprechend auch die Nachhaltigkeit als Denkhaltung bei der Belegschaft durchsetzt.