Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.09.2019


Unternehmen

Öl-Ader steht unter Dauerdruck

20.000 Tankerladungen wurden seit 1967 durch die TAL-Pipeline gejagt. Sie läuft am Limit.

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© TAL



Von Max Strozzi

Triest – 1,5 Milliarden Tonnen Rohöl wurden seit 1967 durch die Rohre der Transalpinen Ölleitung (TAL) gepumpt, die von Triest durch Osttirol und das Unterland bis nach Deutschland (Karlsruhe) führt. Jüngst wurde das Öl des 20.000. Öltankers vom norditalienischen Hafen aus durch die TAL-Pipeline gejagt. Das wusste die TAL-Gruppe, deren Österreich-Gesellschaft mit 25 Mitarbeitern in Matrei in Osttirol sitzt, bei der 300-Jahr-Feier des Triester Hafens auch zu feiern. Immerhin sei die TAL – sie gehört zehn Ölfirmen, darunter die OMV – für 70 Prozent des gesamten Umschlags in Triest verantwortlich, betonte TAL-Chef Alessio Lilli.

Insgesamt acht Raffinerien hängen am Tropf der weitgehend unterirdisch verlaufenden Öl-Ader, etwa die OMV-Raffinerie in Schwe­chat. 90 Prozent des österreichischen Ölbedarfs werden durch die TAL in die Speicher des teilstaatlichen Ölkonzerns gepumpt. Eine zusätzliche Versorgung über eine neue Öl-Ader von Bratislava nach Wien liegt seit Langem auf Eis. In Österreich seien längst alle Bewilligungen durch, die slowakische Seite bremse aber, erklärt OMV-Manager Michael Cech. Von der TAL fließen neun Mio. Tonnen jährlich nach Schwechat, aus Bratislava könnten rund 2,5 Mio. Tonnen kommen, was die Abhängigkeit vom Adria-Hafen reduzieren und die TAL entlasten würde. Denn: „Die TAL fährt ständig an der Kapazitätsgrenze“, so Cech. Die Bratislava-Leitung bleibe für die OMV weiter ein strategisches Projekt.

Die österreichische TAL-Gesellschaft setzte im vergangenen Jahr rund 24 Mio. Euro um. Heuer dürfte es eine ähnliche Größenordnung werden, erklärt TAL-Prokurist Andreas Landsteiner. Die 25 Mitarbeiter der TAL Österreich würden laut dem Matreier BM Andreas Köll im Jahr rund 30.000 bis 40.000 Euro an Kommunalsteuer in die Gemeindekassen spülen. Bis vor Kurzem brachten die Zinsen aus dem vom Land und der TAL beim Bau der Trasse 1967 eingerichteten Fonds noch weitere 30.000 Euro pro Jahr ein. Weil aber jüngst die Zinsbindung auslief, würde der Fonds aufgrund der Mini-Zinsen derzeit nur noch 3000 Euro jährlich bringen. Die Gemeinde Jochberg dagegen profitiere von der Betriebsstätte mit vier Mitarbeitern, schildert BM Günter Resch. Er selbst führe zudem gemeinsam mit weiteren Mitarbeitern für TAL im Rahmen einer Contracting-Vereinbarung Trassenbegehungen durch, um etwa Unwetterschäden oder andere Beschädigungen von Zustiegsschächten und dergleichen auszumachen.

Die Logistik hinter der Pipeline ist umfangreich. Von den Öltankern, die an vier Piers der TAL im Triester Hafen entladen werden, fließt das schwarze Gold zunächst in 32 Tanks und von dort in die Leitung. In zwei Kontrollzentren am Hafen werden die gesamte Entladung sowie die gesamte Pipeline bis Karlsruhe geregelt und überwacht. Mit sieben Pumpstationen – davon zwei im Gemeindegebiet von Matrei i. O. – entlang der 753 Kilometer langen Route nach Deutschland überwindet das Öl mit bis zu 40 Bar Druck die Berge, mit 1600 Höhenmetern erreicht die Pipeline am Felbertauern den höchsten Punkt. Zweieinhalb Tage ist das Öl von Triest bis nach Karlsruhe unterwegs.

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Insgesamt beschäftigt die TAL in drei Gesellschaften (TAL Italien, Österreich, Deutschland) 232 Mitarbeiter. In Österreich sollen heuer rund 2,4 Mio. Euro investiert werden.