Letztes Update am Di, 24.09.2019 09:38

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Insolvenz

Thomas-Cook-Pleite trifft Urlaubsländer schwer: Condor will weiterfliegen

Thomas Cook ist pleite – aber Condor fliegt weiter. Damit das bleibt, könnte Staatshilfe notwendig sein. Doch das ist womöglich nicht der einzige Ausweg für die Airline.

An vielen Flughäfen müssen sich gestrandete Urlauber nach der Thomas-Cook-Pleite um ihre Heimreise kümmern.

© AFPAn vielen Flughäfen müssen sich gestrandete Urlauber nach der Thomas-Cook-Pleite um ihre Heimreise kümmern.



Wien, Berlin, London, Athen – Nach der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook will Großbritannien 135.300 britische Touristen in den kommenden 13 Tagen nach Hause fliegen. Am Montag seien bereits 14.700 gestrandete Urlauber zurückgeholt worden, teilte die Flugbehörde in London am Dienstag mit.

Zusammen mit der Regierung und Luftfahrtkonzernen werde rund um die Uhr an den Notfallplänen gearbeitet, um die größte Rückholaktion in Friedenszeiten zu stemmen. Für Dienstag seien 74 Flüge angesetzt, um 16.500 Urlauber zurück zu fliegen.

Weltweit sind bis zu 600.000 Urlauber gestrandet, nachdem der älteste Reisekonzern der Welt hoch verschuldet in die Knie gegangen war. Als einzige der fünf Fluggesellschaften von Thomas Cook hielt der deutsche Ferienflieger Condor den Betrieb am Montag aufrecht. Nach der Pleite des britischen Mutterkonzerns kämpft auch die einst zur Lufthansa gehörende Traditionsmarke ums Überleben.

600.000 Urlauber sind weltweit von der Pleite betroffen.
600.000 Urlauber sind weltweit von der Pleite betroffen.
- AFP

Regierung berät über Kredit

Alle Flüge würden wie geplant durchgeführt, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag. Spezielle Teams beantworteten an den Flughäfen die Fragen der Passagiere. Gleichzeitig rede das Management mit allen Lieferanten und Partnerunternehmen, um seine Maschinen weiter in der Luft zu halten.

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Wegen der Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook hatte Condor einen Überbrückungskredit bei der deutschen Bundesregierung beantragt. Darüber ist aber noch nicht entschieden. Noch ist auch offen, ob es einen Investor gibt, der die Gesellschaft mit ihren 4900 Beschäftigten möglicherweise von Thomas Cook übernehmen könnte.

Verbraucherschutz-Vorstand Klaus Müller appellierte an die deutsche Bundesregierung, der deutschen Konzerntochter Condor den beantragten Überbrückungskredit zu gewähren. „Die Bundesregierung sollte Condor unterstützen, schon aus Gründen der Gleichbehandlung“, sagte der Chef des Verbraucherschutz Bundesverbands (vzbv) den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstagsausgabe) unter Verweis auf ein Darlehen, das die Bundesregierung der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin gewährt hatte.

Ein Hinweisschild am unbesetzten Thomas Cook-Schalter am Flughafen Wien-Schwechat.
Ein Hinweisschild am unbesetzten Thomas Cook-Schalter am Flughafen Wien-Schwechat.
- APA

Positive Erfahrungen mit Air Berlin

Bei Air Berlin sei die Erfahrung mit dem Kredit positiv gewesen, sagte Müller: Die letzte Rate sei gerade zurückgezahlt worden. Neben dem Überbrückungskredit für Condor forderte Müller auch eine Absicherung von Verbrauchern, die Individualreisen buchen. Die Bundesregierung müsse ein „zusätzliches Sicherheitsnetz für Verbraucher knüpfen, das sie vor finanziellem Schaden bewahrt“, sagte Müller den Zeitungen.

Der Bund der Steuerzahler hatte sich zuvor gegen staatliche Hilfen für den Ferienflieger gewandt. „Wir müssen aufpassen, dass der Steuerzahler hier nicht zu einer Art letzter Instanz der Versicherung wird“, sagte der Präsident des Steuerzahlerbunds, Reiner Holznagel, der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten (Dienstagsausgaben).

Pleite ist schwerer Schlag für Griechenland

Griechische Tourismusverbände gehen davon aus, dass die Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook den Tourismussektor des Landes bis zu 500 Millionen Euro kosten könnte. Der Tourismusverband Sete rechnet mit Einbußen von 250 Millionen bis 500 Millionen Euro. Eine andere Berechnung, die des Verbands Hellenischer Hoteliers (GTP), schätzt den Verlust für die griechische Tourismusbranche auf 300 Millionen Euro. Es sei für die Wirtschaft „der stärkste Schlag seit der Finanzkrise“, schrieb am Dienstag die Wirtschaftszeitung Naftemporiki.

Im Ranking der fünf wichtigsten Destinationen von Thomas Cook lag Griechenland auf Platz drei, 2018 brachte das Unternehmen rund 2,8 Millionen Besucher ins Land. Vor allem Hoteliers auf Kreta, Rhodos und Kos arbeiteten laut GTP eng mit den Briten zusammen. Zudem betrieb Thomas Cook in Griechenland vier eigene Hotels und beschäftigte 640 Mitarbeiter. Was nun mit den Beschäftigten und den Hotels geschieht, sei unklar, berichten griechische Medien. (APA/dpa/AFP)