Letztes Update am Di, 24.09.2019 14:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Abgasskandal

Volkswagen: Staatsanwaltschaft klagt Konzern-Spitze an

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig erhebt Anklage gegen die Ex-VW-Boss Winterkorn, Pötsch und den aktuellen Konzernchef Diess, alle drei hätten die Börse vorsätzlich zu spät informiert. Alle Angeklagten weisen die Vorwürfe zurück

Die EU-Kommission hatte 2017 Voruntersuchungen bei den Autobauern begonnen.

© dpa-Zentralbild/Patrick PleulDie EU-Kommission hatte 2017 Voruntersuchungen bei den Autobauern begonnen.



Hamburg – Der Dieselskandal holt Volkswagen mit voller Wucht ein: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig klagt die Unternehmensspitze wegen Marktmanipulation an.

Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn.
Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn.
- dpa

Sowohl der heutige Konzernchef Herbert Diess als auch der frühere Finanzvorstand und jetzige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch sowie der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn hätten die Pflicht zur Information des Kapitalmarktes verletzt, teilte die Behörde am Dienstag mit. Die Manager hätten die Börse vorsätzlich zu spät über die aus der Aufdeckung der Abgasmanipulationen resultierenden erheblichen Zahlungsverpflichtungen des Konzerns in Milliardenhöhe informiert und damit rechtswidrig Einfluss auf den Börsenkurs des Unternehmens genommen.

Schon früh von Abgasmanipulationen gewußt

Der Rechtsanwalt von Diess teilte mit, der Vorstandschef werde sich mit allen rechtlichen Mitteln gegen die Vorwürfe verteidigen. Weder Fakten noch die Rechtslage rechtfertigten die Anklage. Auch der Anwalt von Pötsch wies die Anklage als unbegründet zurück. Ein Sprecher des Aufsichtsrats teilte mit, das Präsidium des Kontrollgremiums werde noch am Dienstag über das weitere Vorgehen beraten. Insidern zufolge wollten sowohl Pötsch als auch Diess im Falle einer Anklage im Amt bleiben. Pötsch gilt als wichtige Klammer im Aufsichtsrat, der den Kontakt zu den Familien Porsche und Piech hält. Diess hat den Konzern nach dem Dieseldesaster umgebaut und will Volkswagen zu einem führenden Anbieter von Elektroautos machen.

Konzernchef Herbert Diess
Konzernchef Herbert Diess
- dpa

Der Anwalt von Winterkorn teilte mit, er sei überrascht über die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Die Anklage sei in tatsächlicher sowie in rechtlicher Hinsicht nicht nachvollziehbar. Winterkorn habe nicht vorzeitig vom Einsatz einer verbotenen Motorsteuerung erfahren. Der damalige Konzernchef war im September 2015 zurückgetreten, nachdem der Dieselskandal bekannt geworden war.

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ufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch
ufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch
- AFP

Nach Überzeugung der Ermittler erfuhren alle drei Angeklagten schon früh von den Abgasmanipulationen. Winterkorn habe spätestens im Mai 2015 davon Kenntnis gehabt. Pötsch sei seit dem 29. Juni 2015 und Diess seit dem 27. Juli des gleichen Jahres informiert gewesen. Jeder für sich hätte ab dem jeweiligen Zeitpunkt die erforderliche Ad-hoc-Mitteilung veranlassen müssen, was nicht geschehen sei. Volkswagen hatte im September vor vier Jahren erst auf Druck der US-Umweltbehörden zugegeben, millionenfach Diesel-Abgaswerte durch eine Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Die Wiedergutmachung des Skandals hat Volkswagen bisher 30 Mrd. Euro gekostet - vor allem Schadensersatzzahlungen und Strafen in den USA. (APA, Reuters)