Letztes Update am Mi, 25.09.2019 15:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Insolvenzen

Condor hat trotz Cook-Pleite „perfekte Geschäftsaussichten“

Der Online-Reiseverband VIR sieht für den Ferienflieger Condor besten Chancen für einen Neustart. Die Airline sei systemrelevant für Freizeitreisen.

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London, Frankfurt – Trotz Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook hat der deutsche Ferienflieger Condor nach Ansicht des digitalen Touristikverbands VIR beste Chancen für einen Neustart. „Condor ist profitabel und hat perfekte Geschäftsaussichten“, sagte Michael Buller, Vorstand des Verbands Internet Reisevertrieb (VIR), am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Suche nach einem neuen Eigentümer dürfte kein Problem werden und für genug Interesse sorgen. „Denn jeder Käufer hat die Garantie von diversen Reiseveranstaltern, das er Geschäft mit ihnen haben wird.“ Buller skizzierte, was es bedeutet hätte, wenn die Condor-Maschinen am Boden geblieben wären: „Das wäre der Super-GAU geworden.“ Dann hätten andere, kerngesunde Großveranstalter Probleme bekommen. „Die Airline ist systemrelevant für Freizeitreisen.“

Acht Millionen Passagier und über 100 Ziele

Die Insolvenz der britischen Konzernmutter Thomas Cook hat die deutsche Condor in Schwierigkeiten gebracht. Der Bund und das Land Hessen wollen den Ferienflieger mit einem Kredit über 380 Millionen Euro stützen. Condor will sich über ein Schutzschirmverfahren vom Mutterkonzern abkapseln, um mit neuem Eigentümer weiterzumachen. Gewerkschaften begrüßten die Hilfe der öffentlichen Hand. Die Chefin der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO, Sylvia De la Cruz, sprach von einem „wichtigen Schritt, um der Condor eine faire Chance zur eigenständigen Neuaufstellung zu ermöglichen“. Verdi betonte, nun müsse die Sicherung der fast 5.000 Jobs Vorrang haben.

Condor bringt jährlich acht Millionen Passagiere zu über 100 Zielen weltweit. „Das kann man nicht ersetzen - vor allem nicht kurzfristig“, sagte VIR-Experte Buller. Deshalb habe die gesamte Branche großes Interesse, dass der Flugbetrieb weitergehe. Denn die Lufthansa sei für viele Urlaubsstrecken keine Alternative. Durch das Straucheln von Thomas Cook, deren Deutschland-Tochter nun auch Insolvenz angemeldet hat, sieht Buller dennoch nicht das Ende der klassischen Pauschalreise. Wenn man wolle, dass viele Menschen zu vernünftigen Preisen Urlaub machen können, dann gehe das nur „vorkonfektioniert und in Massen“. Denn für den Einzelnen wäre es sonst teurer. „Die Branche muss allerdings über eine Individualisierung der Pauschalreise nachdenken“, so der VIR-Vorstand.

Die Auswirkungen der Thomas-Cook-Pleite seien noch unklar. „Wir können noch gar nicht absehen, was das für die Strukturen weltweit für Folgen hat“, sagte Buller. Offen sei, wie Hotels, Ferienresorts, Agenturen und Dienstleister in den Urlaubsregionen betroffen seien. Der VIR repräsentiert die digitale Touristik und hat über 90 Mitglieds-Unternehmen: Internetplattformen, Start-ups, aber auch Konzerne wie den Weltmarktführer TUI und den Vertrieb der Deutschen Bahn. (APA)