Letztes Update am Do, 26.09.2019 09:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Reiseveranstalter

Endgültiges Aus für Thomas Cook Austria: Konkurs eröffnet

Das Konkursverfahren ist Donnerstagmittag am Handelsgericht Wien offiziell eröffnet worden. Thomas Cook Austria sitzt auf hohen Haftungen für verbundene Unternehmen.

Thomas Cook ist pleite: Der unbesetzte Thomas Cook-Schalter am Flughafen Wien-Schwechat aufgenommen am Montag, 23. September 2019.

© AFPThomas Cook ist pleite: Der unbesetzte Thomas Cook-Schalter am Flughafen Wien-Schwechat aufgenommen am Montag, 23. September 2019.



Wien – Sah es am Mittwoch noch so aus, dass eine Sanierung von Thomas Cook Austria möglich ist, zeigt sich nun, der drittgrößte heimische Reiseveranstalter ist am Ende. Das gesamte unternehmerische Vermögen soll liquidiert werden. „Eine Unternehmensfortführung wird nicht angestrebt“, teilte der Kreditschutzverband AKV Donnerstagfrüh mit. „Im Hinblick auf die hohen Haftungen für die verbundenen Gesellschaften ist derzeit nicht davon auszugehen, dass eine Sanierung des Unternehmens wirtschaftlich möglich sein wird“, hieß es vonseiten der Gläubigerschützer. Nun ist das Konkursverfahren am Donnerstagmittag am Handelsgericht Wien offiziell eröffnet worden.

Sanierungsplanantrag wurde demnach keiner gestellt. Betroffen sind 60 Arbeitnehmer, dazu kommen laut Antrag 10.000 Gläubiger. Der AKV schätzte, dass es rund 15.000 werden könnten. Die Aktiva liegen bei 41 Millionen Euro, die Passiva laut Gläubigerliste bei 33 Millionen Euro. Masseverwalter ist Günther Hödl. Die Anmeldefrist für Gläubiger endet am 2. Dezember. Die erste Tagsatzung findet am 16. Dezember statt.

Enorme Haftungen gegenüber verbundenen Unternehmen

Das Problem dürfte sein, dass der österreichische Ableger des britischen Konzerns mit seinen Marken Neckermann, Öger Tours und Bucher Reisen sehr hohe Haftungen und Bürgschaften für verbundene Unternehmen übernommen hat, heißt es in Branchenkreisen. Die Österreicher werden voraussichtlich auf diesen Haftungen sitzenbleiben. Zum Aktivvermögen gehörten insbesondere Forderungen gegen verbundene Konzerngesellschaften, denen aber ebenfalls Verbindlichkeiten und Haftungen gegenüberstünden. „Es ist davon auszugehen, dass eine große Anzahl von ausländischen Gläubigern betroffen sein wird“, so der AKV. Dabei soll es um rund 15.000 Gläubiger gehen – hauptsächlich ausländische Hoteliers, wie Brancheninsider sagten.

Service:

Thomas Cook Austria wird wohl praktisch sicher liquidiert, Masseverwalter Günther Hödl empfiehlt betroffenen Pauschalreisenden, sich unbedingt an den Abwickler AWP P&C S.A zu wenden. Denn im Konkursverfahren werde es am Ende womöglich keine Quote geben und Reisende könnten mit einer Anmeldung draufzahlen.

Das Unternehmen hat inzwischen alle Reisen bis inklusive 4. Oktober abgesagt, die Zeit danach legt es in die Hände des Masseverwalters, der dazu noch keine Stellungnahme abgegeben hat.

Konkurs der Konzernmutter als Auslöser

Der Konkurs der österreichischen Thomas Cook Austria AG wird auf die Pleite der britischen Konzernmutter Thomas Cook Group plc und den daraus resultierenden Problemen für die Tochtergesellschaften zurückgeführt. Die börsennotierten Briten hatten am Montag bekanntgegeben, den Geschäftsbetrieb einzustellen, da die Verhandlungen zur geplanten Rekapitalisierung gescheitert sind. In Summe bestand ein Kapitalbedarf von 1,1 Milliarde Pfund (rund 1,2 Milliarden Euro).

Die heimische Thomas Cook ist eine 100-Prozent-Tochter der deutschen Thomas Cook Touristik GmbH mit Sitz in Oberursel, die gestern ebenfalls Konkurs beantragt hat, dabei jedoch eine Sanierung und somit Fortführung des Unternehmens anstrebt. (APA)

-