Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 28.09.2019


Unternehmen

Hofer-Chef: „Wir wollen ein Diskonter bleiben“

Umweltschutz sowie die Digitalisierung seien große Herausforderungen für den Handel, sagt Hofer-Chef Horst Leitner. Die „Rabattitis“ sieht er kritisch.

Hofer-Chef Horst Leitner will den Anteil an Markenprodukten von etwa 10 Prozent keinesfalls steigern.

© HOFER KGHofer-Chef Horst Leitner will den Anteil an Markenprodukten von etwa 10 Prozent keinesfalls steigern.



Von Alois Vahrner

Sattledt, Rietz – Im Vorjahr feierte Hofer das 50-Jahr-Jubiläum in Österreich. Heute verfügt man über 510 Filialen und 12.000 Mitarbeiter in Österreich. Zudem werden von der Zentrale in Sattledt in Oberösterreich aus auch Hofer Slowenien sowie Aldi in der Schweiz, Ungarn und Italien gelenkt (in Summe sind das dann über 1000 Filialen und 22.000 Mitarbeiter). In Tirol hat Hofer 1075 Mitarbeiter in den 44 Filialen und dem Verteilzentrum in Rietz, von dem aus insgesamt 60 Filialen in Tirol, Vorarlberg und Salzburg bedient werden.

Die große Filial-Expansion in Österreich sei weitgehend abgeschlossen, es gehe um einzelne neue Standorte, sagt Hofer-Chef Horst Leitner gegenüber der TT. Kräftig investieren werde man aber weiterhin in die Modernisierung der Standorte. Hofer stehe auch allseits sichtbar mit der großen Werbekampagne „Hofer-Preis“ dazu, der führende Diskonter zu sein.

Überaus kritisch sieht Leitner den Dschungel an Rabatten und Aktionspreisen im Lebensmittelhandel. Die Kunden könnten sich bei Hofer auf „das beste Preis-Leistungs-Verhältnis“ verlassen. „Das schaffen wir nicht, indem wir Lieferanten in die Knie zwingen, sondern weil wir möglichst effizient arbeiten.“ Man bezahle die Beschäftigten überdurchschnittlich gut und sei zuletzt zum dritten Mal als fami- lienfreundlichstes Unternehmen in Tirol ausgezeichnet worden.

Hofer habe zu 90 Prozent Exklusivmarken und zu 10 Prozent ausgewählte Markenprodukte im Sortiment. Einen höheren Marken-Anteil werde es künftig nicht geben, so Leitner. „Wir wollen ein Diskonter bleiben.“ In Sattledt werden alle eigenen Produkte (etwa vom Brot bis zum Obst) umfassend auf die Qualität getestet. Man sei in vielen Bereichen erfolgreich. So buchen pro Jahr 500.000 Kunden bei Hofer Reisen, Hofer Telekom „HoT“ habe 900.000 Verträge.

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Mit großen Veränderungen im Handel rechnet der Hofer-Chef durch die Digitalisierung – sowohl im Einkaufsverhalten der Kunden, aber besonders auch in den eigenen Arbeits- und Lieferprozessen. „Über elektronische Systeme werden wir künftig noch besser steuern können, frische Waren in den Filialen genau dann da zu haben, wenn wir sie brauchen.“ Bei der Direktzustellung ist man bei Hofer zurückhaltend, vorerst werden nur sperrige Artikel nach Hause geliefert. In den Filialen sei auch vieles in Bewegung, so Leitner. „Ich stehe selbst auch ungern in einer Warteschlange an der Kasse.“ Die Technik könnte eine automatische Erfassung der Waren ermöglichen. „An einen großen Durchbruch des Selbst-Checkouts, dass also die Kunden selbst die Produkte durch den Scanner ziehen wie etwa in Großbritannien, glaube ich derzeit in Österreich nicht.“

Gefordert sei der Handel auch in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Mit der Biomarke „Zurück zum Ursprung“ setze man dahingehend ein Zeichen, sagt Leitner. „Hofer arbeitet bereits CO2-neutral und hat zu 100 Prozent grünen Strom, darunter auch von der Tiwag.“ Plastik-Tragetaschen seien bereits eliminiert, bis Jahresende sollen auch Einweg-Plastikprodukte der Vergangenheit angehören. Bis Ende 2022 wolle man 100 Prozent Recyclingfähigkeit bei allen Verpackungen von Exklusivmarken, bis 2025 soll die Verpackungsmenge um 30 Prozent reduziert sein. Der Anteil an unverpacktem Obst und Gemüse werde ständig erhöht, betont Leitner.




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