Letztes Update am Fr, 04.10.2019 20:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unternehmen

Osram-Übernahme gescheitert, ams lässt nicht locker

Trotz mehrwöchiger Bieterschlacht bleibt der Lichtkonzern Osram vorerst selbstständig, die Übernahme durch Sensorhersteller ams platzt. Der Konzern verfehlt das selbst gesetzte Ziel, 62,5 Prozent der Osram-Anteile unter seine Kontrolle zu bringen – gibt aber noch nicht auf.

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Graz/München – Die geplante Übernahme des deutschen Beleuchtungsherstellers Osram ist geplatzt. Der österreichische Sensorhersteller ams hat das selbst gesetzte Ziel verfehlt, 62,5 Prozent der Osram-Anteile unter seine Kontrolle zu bringen, wie das steirische Unternehmen am Freitagabend mitteilte.

ams-Vorstandschef Alexander Everke brachte lediglich die Eigentümer von etwas mehr als der Hälfte der Osram-Aktien auf seine Seite, die die Offerte von 41 Euro je Aktie annahmen. Die Osram-Aktie rutschte anschließend im außerbörslichen Handel sofort ab.

Steirer wollen an Übernahme festhalten

Everke will seinen Traum von der Erschaffung eines Weltchampions für optische Sensoren und Optoelektronik aber nicht aufgeben: „Unsere Vision mit Osram ist es, einen global führenden Anbieter von Sensoriklösungen und Photonik zu schaffen, der auf europäischer Technologie basiert und damit sicherstellt, dass Europa seine weltweite Spitzenstellung bei optischen Technologien beibehält“, erklärte der Manager.

Gescheiterte ams lässt bei Osram-Übernahme nicht locker

Der österreichische Chip-Hersteller ams ist mit seinem Kaufangebot für Osram gescheitert - gibt aber die Hoffnung auf eine Übernahme des Münchner Lichtkonzerns dennoch nicht auf. Nur 51,6 Prozent der Osram-Aktien wurden dem Unternehmen aus Premstätten bei Graz im Rahmen seiner Kaufofferte angedient oder direkt verkauft, wie ams am Freitagabend einräumen musste.

62,5 Prozent der Anteile hätte das Unternehmen gebraucht, um sich den dreimal so großen deutschen Traditionskonzern einverleiben zu können. Mit knapp 20 Prozent sind die Steirer aber nun größter Aktionär von Osram. Die Osram-Aktie brach im Späthandel um sieben Prozent auf 37 Euro ein. AMS hatte 41 Euro je Aktie geboten, das sind laut Reuters insgesamt 4,5 Milliarden Euro.

ams-Chef Alexander Everke will nun mit Osram-Chef Olaf Berlien sprechen, um die Übernahme auf anderen Wegen doch zu verwirklichen: „Im Dialog mit Osram wollen wir auf unserer Stellung als größter Aktionär von Osram aufbauen, um weiter den vollen Erwerb von Osram zu verfolgen und so eine solide Zukunft für das Unternehmen zu sichern.“ Denn an der Sinnhaftigkeit der Übernahme habe sich nichts geändert.

Berlien, der strategisch die - ebenfalls gescheiterte - Offerte der Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle bevorzugt hätte, erklärte: „Nach dem Scheitern der bisherigen Übernahmeversuche behalten wir jetzt unsere Eigenständigkeit und gestalten unsere Zukunft selbst.“ Er wolle aber mit der Führung des neuen Großaktionärs ams darüber sprechen, „wie eine sinnvolle und für beide Unternehmen vorteilhafte Kooperation im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben aussehen könnte“.

Bain Capital hatte mit dem Rivalen Advent als neuem Partner ein neues Angebot für Osram in Aussicht gestellt, wurde dabei aber von einer erhöhten Offerte von ams zunächst ausgebremst. Die Finanzinvestoren schauten zurzeit noch in die Bücher von Osram, betonte Berlien. Doch gegen ams als Großaktionär ist ein Vorstoß der Beteiligungsfirmen praktisch aussichtslos: Eine Mehrheit von 75 Prozent, wie sie sie in der Regel anstreben, um ein Unternehmen kontrollieren zu können, ist angesichts eines 20-Prozent-Anteils von ams kaum zu erreichen.

Osram-Vorstand und Aufsichtsrat hatten das Übernahmeangebot von ams zwar befürwortet, aber mit so vielen Bedenken, dass dies vielfach als verstecktes Nein gewertet wurde. Die mehrwöchige Bieterschlacht war von zwei US-Finanzinvestoren gestartet worden, die aber nur 35 Euro je Aktie boten und deshalb keine Chance hatten.

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Osram bleibt nun vorerst selbstständig, doch schreibt das Unternehmen hohe Verluste. ams hat im Verlauf der Bieterschlacht knapp 20 Prozent der Osram-Aktien an der Börse gekauft und ist damit jetzt größter Anteilseigner. Eine Hauptsorge bei Osram war die Finanzierung. Osram-Vorstandschef Olaf Berlien und der Aufsichtsratsvorsitzende Peter Bauer hatten sich entschieden, ihre eigenen Aktien nicht an ams zu verkaufen.

Betriebsrat befürchtete Zerschlagung

Denn um Osram übernehmen zu können, wollte ams ungeachtet einer jetzt schon hohen langfristigen Verschuldung von mehr als 1,4 Mrd. Euro weitere Kredite in Höhe von knapp 3,9 Mrd. Euro aufnehmen. Aus diesem Grund sind auch die Gewerkschaft IG Metall und der Osram-Betriebsrat gegen die Übernahme – die Arbeitnehmervertreter fürchten eine Zerschlagung Osrams, damit würden letztlich die weltweit 24.000 Mitarbeiter die Kosten der Übernahme tragen.

Frisches eigenes Geld wollte sich ams mit einer Kapitalerhöhung beschaffen – der Plan sah vor, neue Aktien für 1,5 Milliarden Euro auszugeben und zu verkaufen.

Unklar ist, wie es nun mit Osram weitergeht. Osram-Vorstand und Aufsichtsrat hatten ursprünglich eine Übernahme durch die zwei US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle befürwortet. Wegen des rasanten technologischen Wandels in der Beleuchtungsbranche sind nach Einschätzung der Osram-Führungsetage permanente Investitionen notwendig.

Doch da das über 110 Jahre alte Unternehmen derzeit Verluste schreibt, ist die Finanzierung von Zukunftsprojekten sehr schwierig. Die Übernahme durch die Investoren hätte Osram nach Einschätzung des Managements sowohl Geld als auch Planungssicherheit für die nächsten Jahre verschafft. ams-Chef Everke will jedenfalls auf Grundlage des 19,99 Prozent-Anteils an Osram seine Übernahmepläne weiter verfolgen. (APA/dpa/Reuters)




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