Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.10.2019


A1-Mobilfunk

5G-Ausbau: „Wir müssen den Menschen die Angst nehmen“

A1-Chef Marcus Grausam fordert Rechtssicherheit im Umgang mit der Datenflut der Digitalisierung rund um den Ausbau von 5G-Internet.

Birgitt Kleinschek (A1), Hermann Petz (Moser Holding) und Marcus Grausam zeigen, was in puncto Vernetzung schon möglich ist.

© Thomas Boehm / TTBirgitt Kleinschek (A1), Hermann Petz (Moser Holding) und Marcus Grausam zeigen, was in puncto Vernetzung schon möglich ist.



Innsbruck, Hall – Es ist ein Abend im „Zeichen der Zukunft“, erklärte A1-Chef Marcus Grausam, es hieß Eintauchen in das so genannte „Internet of Things“ Mittwochabend im Haller Salzlager. Was mit der Einführung des 5G-Netzes ab Jänner 2020 quasi für jeden möglich sein soll, also eine total schnelle, leistungsstarke Verbindung mit dem Internet, ist bei der Porr Equipment GmbH schon Realität. „Die Baubranche profitiert bereits vom Internet of Things“, berichtet Geschäftsführer Werner Zenz. Bereits vor drei Jahren sei begonnen worden, Maschinen zu vernetzen, also „Smart Machines“ zu kreieren.

„Zu viele Daten, die Baumaschinen liefern“, blieben ungenutzt. Daten, die das Leben für die Bauarbeiter sicherer machen können. So könnten durch Daten, die von den Maschinen geliefert würden, etwa Service und Instandhaltung bereits geplant werden, „bevor der Bagger kaputt ist“. Aus der Maschine raus kommen die Daten über ein Tracking System. Seit drei Jahren weiß man bei Porr auch, welche Bauwalze wo besonders gut ausgelastet ist, wann es Stillstand gibt.

Weiteres Plus der vernetzten Baumaschinen: „Diebstähle konnten zu nahezu 100 Prozent aufgeklärt werden.“ Denn: „Wir sehen in Echtzeit, wo unsere Maschinen sind“, freut sich Zenz. Er wartet auf den Ausbau des 5G-Netzes, 6000 Geräte schicken ihre Daten schon jetzt ins System, das Equipment bestehe aber aus 60.000 Geräten. „Smarter“, also intelligenter werden sollen auf den Baustellen künftig auch Container, Rüttelplatten oder Anhänger.

Auch bei Rail Cargo Austria werden, wie bei Porr, Daten von Lokomotiven und Güterwaggons genutzt. Das beginne schon in der Disposition, erklärt Clemens Först, Vorstand von Rail Cargo Austria, etwa mit der Frage: „Welche sind die Güterwaggons, die nicht beladen sind.“ Und, wie beim Bagger würden auch die Züge schon gewartet, bevor sie defekt werden. Först ist auch selbst eifriger Nutzer von „Smart Things“. Ein Problem sieht er in der „letzten Meile“. Er wünscht sich beim Reisen eine „Buchung der gesamten Reise“, also „Smart Mobility“, eine App, die nicht nur das Zugticket löst, sondern auch den E-Roller für die Fahrt zum Bahnhof organisiert.

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Das bedeutendste, weil gesellschaftlich relevanteste Thema der Zukunft sei aber, so A1-Chef Grausam, „Smart Healthcare“. Viele Tools gebe es auch im Gesundheitsbereich schon, wie das multimediale Krankenbett, Apps, um den Blutdruck oder den Blutzucker zu messen. Künftig könnten auch „Sturzsensoren“ bei der Pflege helfen, – stürzt ein Patient, wird ein Alarm ausgelöst und ein Arzt kommt.

Andreas Karl, Geschäftsführer des Roten Kreuzes Tirol, berichtet von Estland, Nummer 1 im Gesundheitssektor laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. In Estland sei es schon normal, Rezepte nicht mehr auf Papier, sondern nur noch digital zu bekommen. Auch Befunde seien vernetzt, jeder Patient könne entscheiden, wer diese einsehen darf. Für Grausam ist jetzt eines notwendig: „Wir müssen den Menschen die Angst nehmen.“ Auch Karl fordert eindringlich rechtliche und regulatorische Sicherheit zum Datenschutz.

Dass auch das A1-Netz nicht immer funktioniert, zeigte sich erst am Montag dieser Woche, als Tausende Notrufe wegen eines Hardware-Fehlers stundenlang nicht erreichbar waren. A1-Chef Grausam entschuldigt sich für die Panne. (ver)