Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.10.2019


Nachhaltigkeit

Spar agiert als „Anwalt“ der Konsumenten

Konzern-Chef Gerhard Drexel setzt auf soziale Verantwortung und auf noch mehr Eigenmarken.

Der Spar-Chef erklärt diese Haltung mit einem ?neuen Rollenverständnis?.

© APA/HERBERT NEUBAUERDer Spar-Chef erklärt diese Haltung mit einem ?neuen Rollenverständnis?.



Wien – Ob zu viel Zucker und Palmöl in Lebensmitteln oder das gefährliche Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat sowie kontrovers diskutierte Handelsabkommen wie TTIP oder Mercosur – der Lebensmittelhändler Spar mit Vorstandsvorsitzenden Gerhard Drexel bezieht Stellung. Oft noch bevor die Politik reagiert, sagt Drexel beim Gespräch im Klub der Wirtschaftspublizisten. Der Spar-Chef erklärt diese Haltung mit einem „neuen Rollenverständnis“: Der Lebensmittelhändler sehe sich als „Anwalt der Konsumenten“ und „Konsumentenschützer“ sowie als „Initiator für gesundheitspolitische Maßnahmen“.

Dabei halte der Konzern „Äquidistanz zu allen Parteien“, betont Drexel. Die Politik übe sich aber zu oft in „Symbolpolitik“ – etwa wenn die ÖVP im Wahlkampf die Lebensmittelabfälle im Handel kritisiert. „42 Prozent der Lebensmittelabfälle werden im Privathaushalt weggeworfen“, rechnet Drexel vor: Nur fünf Prozent der Abfälle hingegen kämen von Handelsbetrieben und diese arbeiten bereits mit Sozialeinrichtungen ­zusammen.

Ein wichtiger Hebel dabei – etwa bei der Raus-aus-Zucker-Initiative – seien die Eigenmarken. „Bei den Spar-Eigenmarken haben wir Einfluss auf die Rezeptur“, erklärt der Spar-Chef. 700 Tonnen Zucker wurden inzwischen eingespart und 99 Prozent der 5000 Eigenmarken-Lebensmittel sind palmölfrei. Die Eigenmarken werden auch glyphosatfrei hergestellt, was nicht immer einfach sei, gibt Drexel zu. „Es gibt größere Betriebe, die nicht auf ihr Glyphosat verzichten wollen.“ Doch das sei „nicht die Zukunft“.

Laut Drexel machten die Eigenmarken bei Spar im Vorjahr 41 Prozent des Umsatzes aus. Viel mehr als der Branchenschnitt von 22 Prozent. Intern werde der Eigenmarken-Anteil „Unabhängigkeits-index“ genannt, verriet der Spar-Vorstand. Auch deshalb wolle man die Eigenproduktion weiter forcieren.

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Zur Umsatzentwicklung im laufenden Geschäftsjahr wollte Drexel noch keine Zahlen nennen, nur so viel: „Die Marktanteile bis Ende August liegen vor und da sind wir Wachstumsführer.“ 2018 konnte Spar seinen Marktanteil in Österreich auf 31,9 Prozent ausweiten. (ritz)