Letztes Update am Mi, 30.10.2019 13:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Bayer: Zahl der Glyphosat-Klagen hat sich verdoppelt

Bis 11. Oktober wurden etwa 42.700 Klagen zugestellt. Bei den Jahreszielen sieht sich Bayer auf Kurs. Der Konzern profitierte im dritten Quartal von der Nachfrage nach Medikamenten.

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Leverkusen – Die Klagewelle in den USA gegen den deutschen Pharma- und Chemiekonzern Bayer um die Gesundheitsgefahren des Unkrautvernichters Glyphosat hat wie erwartet nochmals deutlich zugelegt. Der Gewinn ist im 3. Quartal gestiegen.

Bis 11. Oktober wurden etwa 42.700 Klagen zugestellt, teilte Bayer am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen mit. Das sind mehr als doppelt so viel wie die 18.400 von Mitte Juli.

Hohe Strafen in erster Instanz

Die Klagezahl schnellt seit August 2018 nach oben. Bayer hat mittlerweile drei Prozessniederlagen in den USA hinnehmen müssen und war in erster Instanz zu hohen Strafen verurteilt worden. Zuletzt hatten die Klägeranwälte erneut um weitere Mandanten geworben. Der Druck auf Bayer, sich in einem Vergleich mit der Gegenseite zu einigen, dürfte damit steigen.

Der Anstieg sei „offensichtlich“ darauf zurückzuführen, dass die Klägerseite ihre geschätzten Ausgaben für Fernsehwerbung im dritten Quartal von Juli bis September „etwa verdoppelt“ habe, erklärte Bayer am Mittwoch. Die Zahl der Klagen sage „nichts über deren Begründetheit aus“, betonte der Konzern. Bayer sei weiterhin überzeugt, gute Argumente zur Verteidigung gegen die erhobenen Ansprüche zu haben. Der Konzern beabsichtige, sich in den Berufungsverfahren gegen die drei erstinstanzlichen Urteile und in allen weiteren zukünftigen Verfahren „entschieden zur Wehr zu setzen“. Zugleich beteilige sich das Unternehmen konstruktiv an dem Mediationsverfahren, das von einem Bundesrichter in Kalifornien angeordnet wurde.

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Bei Jahreszielen „auf Kurs“

Bayer hatte Monsanto im vergangenen Jahr für 63 Milliarden übernommen. Seitdem steht Bayer unter Druck, denn Monsanto steht im Zentrum zahlreicher Gerichtsverfahren in den USA, in denen die Kläger glyphosathaltige Mittel für ihre Krebserkrankungen verantwortlich machen. Drei Mal wurde Monsanto in den USA schon verurteilt. Die zunächst verhängten Strafen und Schadenersatzzahlungen wurden später zwar jeweils deutlich gesenkt, Anträge auf ein neues Verfahren wies die Justiz aber zurück.

Bei den Jahreszielen sieht sich Bayer auf Kurs. Der Konzern profitierte im dritten Quartal von der Nachfrage nach Medikamenten wie dem Gerinnungshemmer Xarelto. Auch das Agrar-Geschäft, in dem Monsanto aufging, legte zu. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) in diesem Geschäftsbereich kletterte im dritten Quartal um fast ein Viertel auf 527 Millionen Euro, was höheren Preisen im wichtigen lateinamerikanischen Markt, Einsparungen und einem positiven Währungseffekt zu verdanken war. Während Bayer in der Pharmasparte einen Ergebnisrückgang hinnehmen musste, setzte sich die Erholung im lange Zeit schwachen Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten fort.

Der Konzernumsatz stieg in den drei Monaten bis Ende September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,1 Prozent auf 9,83 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 7,5 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro zu. Der Überschuss fiel zwar um 64 Prozent auf rund eine Milliarde Euro. Allerdings hatte der Verkauf von Teilen des Saatgutgeschäfts an die BASF dem Dax-Konzern im Vorjahr einen Sondergewinn beschert. (APA, Reuters, dpa, AFP)