Letztes Update am Fr, 01.11.2019 19:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unternehmen

AUA muss 100 Mio. Euro einsparen und streicht hunderte Jobs

Bisherige Sparmaßnahmen sollen zu wenig sein, der AUA-Chef will mit Personal und Umstellungen der Flotte 100 Millionen Euro einsparen.

Eine AUA-Maschine startet am Flughafen Wien-Schwechat. (Symbolbild)

© Austrian AirlinesEine AUA-Maschine startet am Flughafen Wien-Schwechat. (Symbolbild)



Schwechat, Frankfurt – Bei den Austrian Airlines geht der Preiskampf gegen Billig-Fluggesellschaften wie Ryanair/Laudamotion, Easyjet, Wizz Air oder Level an die Substanz: Jetzt sollen 100 Mio. Euro eingespart werden – ein Paket, das in Umfang und Härte alle bisherigen Mutmaßungen übersteigt, heißt es unter Berufung auf Airline-Kreise. Hunderte Stellen würden gestrichen. AUA-Chef Alexis von Hoensbroech wird offenbar bei der Präsentation der Neunmonatszahlen nächste Woche die Hoffnung auf ein positives Ergebnis für dieses Geschäftsjahr offiziell aufgeben. Es drohten wieder rote Zahlen. Mit Rückendeckung der deutschen AUA-Mutter Lufthansa und des Aufsichtsrats habe er mit Finanzvorstand Wolfgang Jani ein umfassendes Sparpaket geschnürt.

Das „Strategieprogramm“ vom Frühjahr, das ein Potenzial von 30 Millionen Euro hatte, habe sich offenbar als wenig effektiv erwiesen, heißt es laut Insidern weiters. Nun sollen 100 Millionen Euro eingespart werden, die ab 2020 zur Hälfte über „Maßnahmen bei Personal- und Sachkosten“ hereingebracht werden sollen. 50 Millionen Euro weniger Personalkosten bedeuteten den Abbau von deutlich mehr als 500 Mitarbeitern – Piloten, Flugbegleiter und Bodenpersonal.

Das heiße, dass ein Großteil der 1200 Stellen, die in den vergangenen Jahren aufgrund der Expansion geschaffen worden seien, wieder gestrichen würden. Eine genaue Zahl stehe noch nicht fest. Aktuell beschäftigt die AUA über 7000 Mitarbeiter. Ebenfalls geplant sei – die TT berichtete – der Ersatz der 18 Dash-Turboprop-Maschinen durch zehn Airbus A320. Mit weniger Flugzeugen sollen offenbar zweieinhalbmal so viele Sitzplätze verkauft werden.

Weiters würden, wie angekündigt, die Crew-Stützpunkte in den Bundesländern aufgelassen. Die deutsche Lufthansa übernehme die Deutschland-Flüge aus den Bundesländern. Parallel dazu sollen die Kräfte in Wien gebündelt werden: Die AUA übernimmt den Angaben zufolge die vier in Wien stationierten Flugzeuge samt Personal der Lufthansa-Tochter Eurowings, deren Wien-Basis de facto aufgelöst werde.

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Im ersten Halbjahr flog die AUA heuer Verluste in Höhe von 53 Millionen Euro ein. Für das Gesamtjahr war man im Juli noch von einem „knapp positiven Ergebnis“, also einem kleinen Gewinn, ausgegangen. Der Mutterkonzern Lufthansa hatte der AUA aber mindestens 100 Millionen Euro Gewinn pro Jahr vorgeschrieben, damit Investitionen in die Flotte finanziert werden können. Dieses Ziel wurde noch nie ganz erreicht, in den Vorjahren war man aber mit 93 Millionen bzw. 83 Millionen Euro knapp dran. Am Donnerstag soll die AUA-Mutter Lufthansa sich laut Insidern bereit erklärt haben, 200 Millionen in die angeschlagene italienische Fluggesellschaft Alitalia zu stecken. Offiziell gab es noch keine Stellungnahme der Lufthansa. (APA, Reuters)