Letztes Update am Sa, 06.10.2012 11:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unternehmen

Ein Rausschmiss mit Auffangnetz

Kündigungen lösen bei den Betroffenen, aber auch im Unternehmen selbst nicht selten eine Achterbahnfahrt der Gefühle aus. Das so genannte Outplacement hilft beiden Seiten, den Schaden gering zu halten.



Von Barbara Egger

Innsbruck – „Einen Mitarbeiter zu kündigen oder selbst gekündigt zu werden, ist für beide Seiten eine unangenehme bis schmerzvolle Angelegenheit“, sagt Othmar Hill, Geschäftsführer von Hill International. „Ein professionelles Trennungsmanagement ist in solchen Situation durchaus ratsam. Outplacement beugt Frust, Enttäuschung und lange Arbeitslosigkeit bei den Betroffenen vor.“ Es lohne sich daher, etwa bei Fusionen, Personalabbau durch Umstrukturierungen, aber auch bei der einzelnen Kündigung einen Outplacement-Berater hinzuzuziehen. Setze man Outplacement sinnvoll ein, komme es schneller und leichter zu einer einvernehmlichen Trennung. „Outplacement wirkt sich positiv auf das Image des Arbeitgebers, das Betriebsklima und die Stimmung unter den verbliebenen Mitarbeitern aus. Es verlangt aber beiden Seiten eine entsprechende Trennungsarbeit ab“, so Othmar Hill.

Die laut Eigenangaben weltweit größte Outplacement-Beratungsfirma Lee Hecht Harrison/DBM bietet so wie auch das Personalberatungsunternehmen Hill International Outplacement für Firmen und Mitarbeiter an. „Zum einen helfen Outplacement-Berater den Betroffenen bei der beruflichen Neuorientierung, zum anderen entwickeln Firmen ein Knowhow, wie man richtig kündigt“, so Walter Reisenzein, Österreich-Boss von Lee Hecht Harrison/DBM. „Outplacement ist aber keine Jobsuche. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe. Es ist eine Selbstmarketing-Strategie“, erklärt Reisenzein. Dem Arbeitgeber biete Outplacement die Sicherheit einer einvernehmlichen Trennung und damit keine kostspieligen und zeitaufwändigen gerichtlichen Auseinandersetzungen.

Soll Outplacement erfolgreich sein, müsse laut Personalberater Hill der Arbeitgeber auch bereit sein, dem einstigen Mitarbeiter mit Wertschätzung und Respekt auch im Auflösungsprozess des Arbeitsverhältnisses zu begegnen. „Es gab ja auch zu Beginn des Arbeitsverhältnisses ein Einverständnis, gemeinsam in die gleiche Richtung zu gehen. Unternehmen, die auch sonst keinen Wert und kein Budget für Personalentwicklung bereitlegen, werden kaum einen Weg zu Outplacement finden.“

Im Rahmen von Outplacement gibt es einen typischen Beratungsablauf. Dieser reicht vom ersten Auffangen nach der Trennung über eine Stärken- und Schwächenanalyse hin zur langfristigen Neuorientierung des Betroffenen. „Erfolgreiches Outplacement setzt eine individuelle Karriereplanung voraus. Daher konzentrieren wir uns auf Coaching“, erklärt Othmar Hill.

„Wir lehren Menschen, die lange und auch erfolgreich in einem Job waren und plötzlich gekündigt werden, wie sie es anstellen, sich richtig zu bewerben.“ Auch eine Kompetenzanalyse mit einem Wirtschaftspsychologen stehe auf dem Beratungsprogramm. Die Praxis habe gezeigt, dass sich der Prozess der beruflichen Neupositionierung zeitlich um mehr als 60 % durch diese gezielten Begleitmaßnahmen verkürzen lässt.

Hill betont, es sei falsch, nach Abgabe der Bewerbung auf die Rückmeldung von Firmen zu warten. „Rufen Sie nach drei Tagen an und fragen Sie, wann Sie für ein Bewerbungsgespräch vorbeikommen können“, rät der Experte. Er räumt auch mit dem Klischee auf, dass die Taschen der Personalberater „voll mit Generaldirektorenposten“ seien. „Personalberater suchen keine Jobs. Das sehen die Leute falsch.“

Laut Hill betragen die Kosten für Outplacement in der Regel ein- bis eineinhalb Monatsgehälter. Meistens würde die Kosten der Arbeitgeber tragen, weil die Firma den Vorteil habe, dass sie dann weniger Abfertigung zahlen müsse. In Frage komme Outplacement laut Reisenzein für Angestellte mit Maturaniveau bis hin zu Führungskräften der ersten Ebene. „Wir haben kürzlich vierzehn freigesetzte Bodentechniker einer Fluglinie bei der Jobsuche begleitet. Das ist ein spezialisierter Beruf. Die finden in Österreich gar keine Stelle“, ergänzt Othmar Hill. Die Bodentechniker hätten mit dieser Methode nach wenigen Monaten eine neue Arbeit gehabt. „Die Betroffenen mussten das selbst machen. Das Outplacement-Programm war eine Hilfestellung.“

Wie Hill und Reisenzein betonen, habe Tirol großen Nachholbedarf an Outplacement. „Es ist hierzulande leider noch ein Stiefkind“, bedauert Othmar Hill. Im Bundesländervergleich stellt der Personalberater den Tiroler Arbeitnehmern ein weniger gutes Zeugnis aus. „Wir orten in Tirol eine große Scheu, sich einem Berater anzuvertrauen, eine große Scheu vor Veränderung und eine geringe Mobilität. Das erleichtert die Jobsuche keineswegs.“




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