Letztes Update am Mo, 02.09.2013 08:33

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


323.111 auf Jobsuche

Fast 12 Prozent mehr Arbeitslose im August, Plus 17 Prozent in Tirol

Die allmähliche Konjunkturerholung hat den heimischen Arbeitsmarkt noch nicht wirklich erreicht. Am Bau stieg die Arbeitslosigkeit wieder am stärksten.

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Wien - In Österreich ist die Zahl der Jobsuchenden im August gegenüber dem Vorjahr auf 323.111 Personen gestiegen. Das Plus von 11,7 Prozent liegt damit ganz leicht unter dem für Juli gemessenen Anstieg von 12 Prozent. Ohne die Pleiten von dayli und Alpine hätte die Zunahme nur 11,1 Prozent betragen, teilte das Arbeitsministerium am Montag mit.

263.087 Personen waren im August arbeitslos gemeldet, ein Zuwachs von 13,1 Prozent, und 60.024 befanden sich in Schulungen, ein Plus von 6,1 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer hat sich gegenüber dem Vorjahr netto um 33.888 erhöht.

Den stärksten Anstieg gab es bei Langzeitarbeitslosen (+23,9 Prozent), Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen (+23,8 Prozent), älteren Arbeitskräften (+22 Prozent), Ausländern (+21,5 Prozent) sowie behinderten Personen (+20,3 Prozent). Bei den offenen Lehrstellen kam es zu einem Rückgang um 15,3 Prozent auf 4.123 Stellen.

Innerhalb der Branchen stieg die Arbeitslosigkeit am Bau am stärksten, nämlich um 20,2 Prozent, gefolgt vom Produktionsbereich mit einem Plus von 15,2 Prozent und dem Handel mit plus 13,9 Prozent. Auch im Tourismus, Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Arbeitskräfteüberlassung gab es zweistellige Zuwachsraten bei den Arbeitslosenzahlen.

Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank im August im Jahresabstand um 11,7 Prozent auf 27.808.

Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank im August im Jahresabstand um 11,7 Prozent.
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Arbeitslosenquote stieg auf 6,9 Prozent

Die Arbeitslosenquote für August erwartete das Arbeitsministerium mit 6,9 Prozent, was gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg um 0,7 Prozentpunkten bedeutet. Zum Vergleich: Im Juli lag die Arbeitslosenquote mit 6,7 Prozent unter dem aktuellen Wert. Per Ende August waren 3,564 Millionen Personen unselbstständig beschäftigt, um 0,6 Prozent oder 22.000 Personen mehr als im August des Vorjahres.

Um beinahe ein Viertel auf 7.056 ist im August die Zahl der Langzeitarbeitslosen gestiegen, und ebenfalls fast um ein Viertel auf 47.949 Personen erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Um 22 Prozent auf 63.203 stieg die Zahl der älteren Arbeitslosen und um 20,3 Prozent der Wert für behinderte Personen.

Auch im August waren Männer erneut stärker von der steigenden Arbeitslosigkeit betroffen als Frauen und Ausländer doppelt so stark wie Inländer. Dagegen bremste sich der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit moderat auf 8,4 Prozent ab. Das waren immerhin aber noch 3.208 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren. Die durchschnittliche Verweildauer aller Arbeitslosen lag im August bei 98 Tagen, ein Tag mehr als vor einem Jahr.

17 Prozent mehr Arbeitslose in Tirol

In allen Bundesländern mit Ausnahme von Vorarlberg (+4,5 Prozent) gab es im August zweistellige Zuwachsraten bei den Arbeitslosenzahlen. Am stärksten fiel der Anstieg in Oberösterreich mit 18,6 Prozent aus, gefolgt von Tirol mit 17,0 Prozent, und dem Burgenland mit 16,9 Prozent. Wien lag mit 10,5 Prozent mehr Arbeitslosen am unteren Ende der Rangliste. Sowohl in Vorarlberg als auch in Wien stieg im Gegenzug die Zahl der Schulungsteilnehmer um 12,2 bzw. 11,1 Prozent am kräftigsten. Dagegen waren diese Zahlen im Burgenland, Niederösterreich und der Steiermark geringer. Mit Ausnahme von Kärnten verringerte sich im August in allen Bundesländern die Zahl der offenen Stellen.

Bei den Lehrstellensuchenden gab es in den Bundesländern sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während es in Wien und Salzburg kräftige Anstiege um 40,1 bzw. 35 Prozent gab, suchten in Vorarlberg (-18,2 Prozent) und der Steiermark (-9,4 Prozent) deutlich weniger Jugendliche Lehrstellen. Das Angebot an offenen Lehrstellen ging in allen Bundesländern zurück, am stärksten in Wien und Kärnten um jeweils fast 30 Prozent. Die geringsten Rückgänge gab es in Tirol (-9,5 Prozent) und Niederösterreich (-7,6 Prozent). Bundesweit lag die Lehrstellenlücke mit 4.602 um 1.807 Stellen höher als vor einem Jahr. 8.725 Lehrstellensuchenden standen nämlich nur 4.123 offene Stellen gegenüber.

Hundstorfer: Wende im Frühjahr 2014

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) zog heute, Montag, eine gemischte Bilanz zu den Arbeitslosenzahlen im August. Trotz Rezession hätten so viele Personen wie noch nie einen Job, seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise vor fünf Jahren seien 160.000 neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Hundstorfer sieht ein zartes Konjunkturpflänzchen wachsen, eine Trendwende am Arbeitsmarkt erwartet er aber erst im Frühjahr 2014.

„Der Sommer geht zu Ende, während es in der Wirtschaft ein sehr langsames Frühlingserwachen gibt“, so Hundstorfer vor Journalisten. Für eine nachhaltige Verbesserung am Arbeitsmarkt reiche dies aber noch nicht - auch wenn es positive Aspekte gäbe. Nach wie vor habe man die geringste Arbeitslosenquote in der EU, bei den Personen zwischen 15 und 19 Jahren habe es sogar einen Rückgang der Arbeitssuchenden gegeben. Und selbst bei jenen Gruppen, bei denen die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist, gäbe es einen Zuwachs an Arbeitsplätzen.

Hundstorfer widersprach Vermutungen, wonach der Zuwachs fast nur im Teilzeitbereich stattfinde. Laut Daten der Statistik Austria würde ein Drittel der neu geschaffenen Jobs auf Vollzeitkräfte entfallen. Und bei den Teilzeitkräften sei die größte Gruppe jene, die 25 bis 35 Stunden die Woche arbeiten.

Parteien voll im Wahlkampfmodus

Die Arbeitslosenzahlen haben vier Wochen vor der Nationalratswahl erwartungsgemäß die Pressestellen der Parteien und Vorfeldorganisationen zum Glühen gebracht. Obwohl seit Jahren mit der SPÖ in der Regierung kann die ÖVP der Arbeitsmarktpolitik wenig abgewinnen. Für die FPÖ sind beide Regierungspartner nicht in der Lage, „die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen“. Die Grünen fordern eine Kostenentlastung der Arbeit und mehr Ausgaben für Innovation und nachhaltige Jobs. Das BZÖ vermisst die Handschrift von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und das Team Stronach will einen Bürokratieabbau.

Arbeiterkammer und ÖGB erinnerten einmal mehr an ihr Bonus-Malus-System für ältere Arbeitnehmer - sprich wer Ältere abbaut soll mit einem Malus finanziell belastet werden. Ganz anders sieht das die Industriellenvereinigung, sie will die Unternehmen entlasten. (APA)