Letztes Update am Do, 06.11.2014 06:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lokführerstreik

Streik in Deutschland: Stillstand auch bei Personenzügen

Donnerstagfrüh legten die Lokführer der Fern-, Regional- und S-Bahnen die Arbeit nieder. Der Streik soll erst am Montagfrüh um 4 Uhr beendet werden.



Berlin – Die Lokführer haben am frühen Donnerstagmorgen mit ihrem Rekordstreik im Personenverkehr der Deutschen Bahn begonnen. „Betroffen ist von Betriebsbeginn am frühen Morgen an der Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr“, sagte eine Bahn-Sprecherin in Berlin. Der Streik soll am Montag um 4.00 Uhr enden, hieß es von der Lokführer-Gewerkschaft GDL.

Die Bahn reagierte mit Ersatzfahrplänen, um die wichtigsten Verbindungen aufrecht zu erhalten. Im Güterverkehr hat der Ausstand bereits am Mittwochnachmittag begonnen. Ein Schlichtungsangebot des Konzerns hatte die GDL am Mittwochnachmittag abgeschmettert - und mit noch längeren Streiks gedroht.

„Wir werden zu keinem Zeitpunkt unsere Grundrechte an der Garderobe abgeben, um dem Arbeitgeber Deutsche Bahn einen Gefallen zu tun“, gab sich Claus Weselsky, der Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), zum Auftakt am Mittwoch kampfbereit. Er warf dem Konzern eine Blockade vor. Es ist bereits die sechste Streikaktion im laufenden Tarifkonflikt.

„Wir müssen so reagieren, weil die bisherigen Aktionen nicht zum Erfolg geführt haben“, sagte der Vorsitzende des GDL-Bezirks Berlin-Sachsen-Brandenburg, Frank Nachtigall, der „Berliner Zeitung“. Zugleich brachte er einen noch härteren Streik ins Spiel: Es sei „im Bereich des Möglichen, dass die nächste Aktion für eine noch längere Zeit angesetzt wird.“

Der seit dem frühen Morgen andauernde Streik fällt zusammen mit den Feiern zum 25. Jahrestag des Mauerfalls, zu denen in Berlin Hunderttausende Besucher erwartet werden, und mit dem Ferienende in Bremen und Niedersachsen. Viele Reisende setzen erneut auf Fernbusse und Mitfahrzentralen. Die Anbieter verzeichnen Rekordanfragen. Wer zunächst kein Ticket mehr für eine bestimmte Strecke bekommen hat, braucht etwas Geduld. „Interessenten sollten immer wieder im Internet nachschauen, weil weitere Kapazitäten aktualisiert werden“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmen in Berlin.

Die Bahn hatte am Mittwoch vergeblich versucht, die Arbeitnehmerseite zu einer Schlichtung in dem festgefahrenen Tarifkonflikt zu bewegen. Sie kritisierte den Streik als maßlos, respektlos und verantwortungslos. Auch Mahnungen der deutschen Bundesregierung änderten nichts.

Die Gewerkschaft will einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter durchsetzen, für die bisher die konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelt. Die GDL fordert zudem fünf Prozent mehr Einkommen und eine kürzere Wochenarbeitszeit. (APA/dpa)