Letztes Update am Di, 16.06.2015 09:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wifo-Berechnungen

Einkommens-Ungleichheit nimmt durch Steuerreform zu

Von der Reform profitieren laut Wifo vor allem Arbeitnehmer mit mittleren und hohen Einkommen. Dadurch öffne sich die Einkommensschere weiter.

Die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Österreich weiter ein Problem.

© APADie Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Österreich weiter ein Problem.



Wien - Durch die geplante Steuerreform 2015/16 wird die Einkommensungleichheit in Österreich leicht zunehmen. Das durchschnittliche verfügbare Haushaltseinkommen wird sich laut Berechnungen des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo durch die Reform um 3,1 Prozent bzw. um 834 Euro erhöhen. Der Zuwachs fällt umso höher aus, je höher das vor der Reform erzielte Nettoeinkommen ist.

Dies gelte sowohl für die Erwerbs- als auch Pensionseinkommen als auch für die Haushaltseinkommen, schreibt das Wifo am Dienstag in einer aktuellen Studie.

Mehr dazu: Viele Wünsche zum Finale der Steuerreform

Während das Nettohaushaltseinkommen im ersten und zweiten Einkommens-Dezil (Anm. Dezil bedeutet Zehntelwerte - d.h. die Verteilungskurve wird in 10 gleiche Teile geteilt) um 1,1 Prozent bzw. 1,9 Prozent steigt, ergeben sich im siebenten bis neunten Dezil Nettozuwächse von 3,8 Prozent bis 4,0 Prozent. Lediglich im Bereich der höchsten zehn Prozent fallen diese geringer aus als in den Dezilen fünf bis neun. Haushalte mit Kindern profitieren in einem ähnlichen Ausmaß von der Reform wie Haushalte ohne Kinder.

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Der simulierte Einnahmenausfall des Staates an Lohn- und Einkommensteuer beträgt rund 4,9 Mrd. Euro. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) davon entsteht durch die Mindereinnahmen im oberen Drittel der Verteilung der Haushaltseinkommen, während etwa zwölf Prozent dem unteren Einkommensdrittel zuzuordnen sind.

Positive Auswirkungen für Tourismus und Gastronomie

In einer zweiten Studie zur Steuerreform ermittelten die Wirtschaftsforscher positive Auswirkungen auf den Handel, das Realitätenwesen, Finanzwesen, den Verkehr und - entgegen den allgemeinen Erwartungen - trotz Anhebung des Umsatzsteuersatzes und Einführung der Registrierkassenpflicht auch für den Sektor „Beherbergung und Gastronomie“.

In der Sachgütererzeugung ergeben sich mit Ausnahme des Nahrungsmittelbereichs nur geringe positive Effekte, in erster Linie wegen des hohen Importanteils vieler Sachgüter. Negative Auswirkungen sind im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen und der sonstigen nicht-marktmäßigen Dienstleistungen zu erwarten. (APA)