Letztes Update am Fr, 04.12.2015 16:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steuerreform

Kalte Progression frisst Entlastung in kurzer Zeit wieder auf

Steuerreform: Mehr zahlen müssen nur 358 Einkommensmillionäre. Die Abschaffung der Kalten Progression würde Milliarden kosten.

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Wien – Die gute Nachricht: Die Steuerreform wird die meisten Lohn- und Einkommensteuerzahler entlasten - und zwar um bis zu 2.400 Euro pro Jahr. Das hat die Statistik Austria für die aktuelle Lohnsteuerstatistik 2014 errechnet. Die weniger Gute: Die Abschaffung der „Kalten Progression“ würde aber rasch Milliarden kosten, warnte Generaldirektor Konrad Pesendorfer am Freitag.

Doch ohne diese abzuschaffen würde bedeuten, dass die Effekte der Steuerreform spätestens 2018 wieder verpuffen. Das zeigen die vom Finanzministerium veröffentlichten Budgetzahlen.

Demnach wird die Steuerreform 2016 zwar einen deutlichen Lohnsteuer-Rückgang um 2,2 Mrd. Euro auslösen: Von für heuer erwarteten 27 auf 24,8 Mrd. Euro. In den Jahren darauf steigen die Einnahmen aber rasch wieder an.

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- APA

Für 2018 erwartet das Finanzministerium bereits wieder 27,4 Mrd. Euro, für 2019 29,2 Mrd. Euro. Ein Grund dafür ist (neben anderen Gründen wie dem Beschäftigungszuwachs) die „Kalte Progression“. Dieser Effekt entsteht, wenn Arbeitnehmer durch die jährlichen Lohnerhöhungen mehr verdienen, somit in höhere Steuerklassen vorrücken und auch höhere Steuern zahlen müssen, obwohl der reale Wert ihrer Einkommen inflationsbedingt möglicherweise gar nicht gestiegen ist. Durch die Steuerreform werden die Nettoeinkommen querbeet steigen - und zwar sowohl im niedrigen als auch im oberen Bereich. Im untersten Bereich profitieren bis zu 2,5 Mio. Menschen von der höheren Negativsteuer (mit durchschnittlich 67 Euro pro Kopf und Jahr), darüber steigt die Entlastung auf bis zu 2.449 Euro jährlich an.

Mehr zahlen müssen nur 358 Einkommensmillionäre - und zwar 38.369 Euro jährlich. Letzteres wegen des befristet auf 55 Prozent angehobenen Spitzensteuersatzes ab einer Million Euro Steuer-Bemessungsgrundlage (Einkommen minus Sozialversicherung und Sonderzahlungen). Zu beachten ist: Basis der Berechnungen ist das Jahr 2013, aktuellere Daten zur Einkommensteuer liegen nicht vor. Die tatsächliche durchschnittliche Entlastung 2016 wird also inflationsbedingt etwas höher liegen.

Schelling-Vorschlag gegen Kalte Progression soll 2016 kommen

Der ÖGB fordert angesichts der von der Statistik Austria veröffentlichten Lohnsteuerzahlen Maßnahmen zur Abfederung der „Kalten Progression“. „Bis 2017 muss diese Reform stehen“, forderte ÖGB-Präsident Erich Foglar am Freitag via Aussendung. Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat ein Modell dazu bereits angekündigt und will es nach dem Jahreswechsel mit der SPÖ diskutieren.

Am Freitag hieß es dazu auf APA-Anfrage im Finanzministerium, man werde das Modell zur Abfederung der „Kalten Progression“ bis Jahresende intern fertigstellen und im kommenden Jahr mit der SPÖ diskutieren. Greifen soll die Reform demnach, wenn die „Kalte Progression“ die Entlastung der Steuerreform wieder wettmacht - also in den Jahren 2018 oder 2019. (APA)

Einkommen nach Bezirken: Wien top, Osttirol flop

Die Statistik Austria hat auch die Einkommensverhältnisse der Bevölkerung nach Bezirken aufgeschlüsselt. Wenig überraschend konzentrieren sich die Spitzeneinkommen in Wien und Umgebung: Betrachtet man nur ganzjährig vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer, dann liegen neun der zehn Bezirke mit den höchsten Durchschnittseinkommen in Wien - allen voran die Innenstadt (54.659 Euro netto) und die Nobelbezirke Hietzing (41.710) und Döbling (41.232). Einziger Ausreißer unter den „Top 10": Mödling (38.642 Euro) im Süden der Hauptstadt auf Rang sieben.

Auch am unteren Ende der Skala liegt mit Rudolfsheim-Fünfhaus (26.936 Euro) ein Wiener Bezirk, an vorletzter Stelle liegt der Bezirk Südoststeiermark (27.069 Euro) knapp nach Hartberg-Fürstenfeld (27.496 Euro) und Osttirol (Bezirk Lienz) mit 27.552 Euro durchschnittlichem Jahresnetto. Ebenfalls unter den „Flop 10": Zwettl, Favoriten und Waidhofen an der Thaya.

- APA