Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 14.12.2015


TT-Ombudsmann

Weihnachtszeit ist Spendenzeit: Wem soll man Geld geben?

1500 Non-Profit-Vereine sammeln in Österreich Spenden. Ein spezielles Gütesiegel erhalten Organisationen, die ihre Bücher prüfen lassen. Steuerlich sind Spenden absetzbar.

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Von Markus Schramek

Wien, Innsbruck – Herr und Frau Österreicher sind für offene Herzen und Geldtaschen bekannt. 600 Millionen Euro werden sie heuer für soziale, wohltätige oder sonstige Zwecke spenden. Allein zwölf Millionen flossen bisher in die Flüchtlingshilfe. 25 bis 30 Prozent der monetären Gaben erfolgen rund um die Weihnachtszeit. Viele der Geber verzichten dafür auf manches Präsent in Packerlform.

Spenden ist Vertrauenssache. Der Geber überweist Bares oder wirft solches in eine Sammelbüchse. Er kann nur hoffen, dass möglichst viel davon bei den eigentlichen Adressaten ankommt.

Und der Wettbewerb ist beträchtlich. 1500 so genannte Non-Profit-Organisationen (NPOs) sammeln im kleinen Österreich Geld für gemeinnützige Zwecke. Für spendenwillige Bürger ist es da nicht leicht zu entscheiden, wen sie unterstützen könnten.

Ein zweckdienlicher Hinweis kommt vom Verein für Konsumenteninformation (VKI): Das Österreichische Spendengütesiegel biete Spendern „brauchbare Orientierungshilfe“, heißt es dort.

Dieses Siegel ist an einen umfassenden Check durch Wirtschaftsprüfer gebunden. Verliehen wird es von der Kammer der Wirtschafts- treuhänder für jeweils nur ein Jahr. Dann ist es neu zu beantragen. 250 Vereine dürfen dieses Siegel derzeit führen.

„Die Bewerber müssen 300 Einzelfragen beantworten“, erläutert Kammersprecherin Beatrix Exinger. Bilanz und Buchhaltung werden durchleuchtet, darüber hinaus die Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit analysiert.

Unterm Strich soll möglichst viel vom Spendengeld dem Spendenziel zufließen. „20 Prozent der Spenden benötigt eine NPO im Schnitt für die eigene Verwaltung und das Personal; die restlichen 80 Prozent kommen dem Spendenobjekt zugute“, erklärt dazu Exinger.

Günther Lutschinger, Chef des „Fundraising Verbands Austria“, ist mit dieser Zahl nicht ganz glücklich. „Vor allem größere Organisationen müssten bei den Eigenkosten auf unter 20 Prozent kommen“, ist Lutschinger überzeugt. In seiner Funktion berät er Österreichs NPOs, wenn es darum geht, Kosten zu sparen und an Professionalität zuzulegen.

Schwarze Schafe unter den Spendensammlern gibt es auch – „wie in jeder Branche“, so Lutschinger. Meist handle es sich dabei um Betrüger, die sich als Mitarbeiter einer Organisation ausgeben, tatsächlich aber Spenden für die eigene Tasche sammeln.

Das Spendengütesiegel sieht der Fundraising-Profi als gutes Instrument, um eine Vorauswahl zu treffen: „Wer diese Auszeichnung schafft, ist mit Sicherheit in keinen Skandal verwickelt.“ Allerdings tauge das Siegel nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage. Lutschinger: „Für kleine, gut arbeitende Organisationen ist der Aufwand zu groß. Und manch ein etablierter, großer Verein beantragt das Siegel nicht, weil er bekannt genug ist.“

Wer als potenzieller Spender unsicher ist, dem rät Lutschinger, sich den Jahresbericht der betreffenden NPO anzusehen. Darin müssen die Finanzflüsse dargestellt sein. Sind solche Berichte wenig aussagekräftig bzw. gar nicht (im Internet) auffindbar, sei Skepsis angebracht.

Ein Anreiz zum Spenden ist dessen steuerliche Absetzbarkeit (bis 10 Prozent des Jahreseinkommens). Jeder dritte Spendeneuro wird mittlerweile bei Steuererklärungen angegeben. So fließt ein Teil des Geldes via Finanzamt an die Spender zurück.