Letztes Update am Fr, 11.12.2015 14:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Goldreserven

Nationalbank holt Gold zurück: 15 Tonnen kamen aus London

Bis 2020 soll der halbe heimische Goldbestand in Österreich lagern.

Die Funktion des Goldes hat sich im Vergleich zu Zeiten der Hartwährungspolitik gewandelt.

© APADie Funktion des Goldes hat sich im Vergleich zu Zeiten der Hartwährungspolitik gewandelt.



Wien – Vor einigen Wochen landete ein aus London kommendes Flugzeug mit sehr wertvoller Fracht am Flughafen Wien Schwechat. Mit an Board befanden sich 15 Tonnen des österreichischen Goldbestandes, die nun nach einer eingehenden Überprüfung seit kurzem wieder im Goldtresorraum der Nationalbank lagern. Die 1.200 Barren zu je 12,5 kg haben etwa einen Wert von 480 Mio. Euro und dienen als Währungsreserve.

Die Nationalbank habe jetzt mit der Überführung des Goldes aus den ausländischen Lagerstätten begonnen, so Nationalbank-Gouverneur Ewald Nowotny. Ziel sei es, bis zum Jahr 2020 die Hälfte der Goldbestände in Österreich zu lagern und den Rest an den großen Goldhandelsplätzen London und Zürich. In der Schweiz sollen es 56 Tonnen sein, in London 84 Tonnen.

„Gold hat die Funktion einer eisernen oder goldenen Reserve“, meinte Nowotny. Deshalb auch die ökonomische Begründung, den Teil, der nicht auf den internationalen Goldhandelsplätzen gelagert werden müsse, nach Österreich zu bringen. „Das ist eine internationale Entwicklung“, so der OeNB-Gouverneur. Auch die Bundesbank werde die Hälfte im Inland lagern.

Die Funktion des Goldes habe sich im Vergleich zu Zeiten der Hartwährungspolitik gewandelt. „Wir brauchen Gold nicht mehr als Interventionswährung, weil wir Mitglied der Europäischen Zentralbank sind, und diese hat flexible Wechselkurse. Wir haben jetzt den Schutz des Eurosystems“, führte Nowotny aus.

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Gold sei eine Währungsreserve, genau so wie die Devisenbestände, allerdings eine ertraglose Währungsreserve. Die Nationalbank halte diese Reserve für Österreich. Sie diene als Sicherheitspolster für den Fall, dass es zu irgendwelchen Katastrophen komme. Eine solche Katastrophe wäre etwa der völlige Zusammenbruch des Welthandels, wo man dann mit nationalen Währungen nicht mehr bezahlen könnte. „Das wären dann aber schon apokalyptische Zustände“, so Nowotny. Die Regierung selbst hätte aber keinen Zugriff auf die Goldreserven. „Das Gold steht im Eigentum der Nationalbank. Es wäre unsere Entscheidung, darauf zuzugreifen“, so Nowotny.

Damit das Gold auch seine Reservefunktion erfüllen könne, sei es sinnvoll, einen Teil davon an den Handelsplätzen zu lagern. „Ein Feuerlöscher muss dort hängen, wo möglicherweise ein Feuer ausbricht. Er muss nicht in jedem Zimmer hängen“, so Nowotny.

Den derzeitigen Goldbestand von 280 Tonnen will Nowotny konstant lassen. Es seien derzeit weder Verkäufe noch Zukäufe beabsichtigt. Änderungen würden auf rein währungspolitischen Überlegungen basieren, und solche würde sie gemeinsam mit der EZB anstellen. „Das machen wir nicht isoliert“, so der OeNB-Gouverneur. (APA)