Letztes Update am Fr, 25.12.2015 15:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Das bringt 2016

Steuerreform und Lohnplus erhöhen die Kaufkraft

Dank der über fünf Milliarden Euro schweren Steuerreform und einer weiter geringen Inflation sollten die Einkommen 2016 spürbar steigen.

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© TT/Thomas Böhm(Symbolfoto)



Von Alois Vahrner

Innsbruck, Wien – Der bevorstehende Jahreswechsel beschert den Österreicherinnen und Österreichern erneut viele Änderungen. Einiges wird teurer, Steuerreform und Lohnplus sollten aber diesmal einen Kaufkraftschub bringen. Für all jene, deren Jänner-Gehalt schon in der zweiten Dezember-Hälfte ausgezahlt wurde, ist die Reform schon in Kraft: Ein Durchschnittsverdiener mit etwa 26.000 Euro Jahresbrutto sollte dabei rund 70 Euro netto mehr am Konto haben.

1. Mit der Steuerreform sinken die Steuersätze für fast alle Einkommensklassen: Der Eingangssteuersatz von 36,5 auf 25 Prozent, danach folgen drei weitere Steuerstufen (35, 42 und 48 Prozent), der bisherige Spitzensteuersatz von 50 Prozent greift künftig erst ab 90.000 Euro (bisher 60.000). Einem vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer (durchschnittlich rund 49.000 Euro Jahresbrutto) bleiben laut Entlastungsrechner des Finanzministeriums gut 120 Euro monatlich mehr, einer vollzeitbeschäftigten Frau (im Schnitt rund 38.000 Euro) etwa 90 Euro.

2. Für Einkommensteile über 1 Mio. Euro jährlich wird ein neuer Spitzensteuersatz von 55 Prozent fällig. Der bis 2020 befristete höhere Spitzensteuersatz trifft 358 Personen und bringt rund 50 Mio. Euro.

3. Erhöht wird der Kinderfreibetrag, und zwar von 220 auf 400 Euro jährlich pro Kind.

4. Für Selbstständige, die die Einkommensteuer im Nachhinein abrechnen, wird die Entlastung erst mit der 2017 fälligen Einkommensteuererklärung schlagend. Wer nicht so lange warten möchte, kann allerdings die Herabsetzung der quartalsweisen Steuervorauszahlungen beantragen.

5. Jenen Arbeitnehmern, die so wenig verdienen, dass sie zwar Sozialversicherung, aber keine Lohnsteuer bezahlen, wird ein Teil der Sozialbeiträge rückerstattet. Diese Gutschrift war bisher mit 110 Euro (bzw. maximal einem Fünftel der Sozialbeiträge) gedeckelt. Ab 2016 werden bis zu 400 Euro (bzw. maximal die Hälfte der Sozialbeiträge) rückerstattet.

6. Pensionisten können im kommenden Jahr erstmals Negativsteuer geltend machen – und zwar bis zu 55 Euro für das abgelaufene Jahr 2015. Voraussetzung ist eine Pension unter der Steuerfreigrenze von rund 14.000 Euro brutto jährlich.

7. Es gibt auch eine Gegenfinanzierung: Wer Dividenden auf Aktien kassiert, Immobilien erbt oder Tierfutter kauft, muss dafür mehr bezahlen. Für viele Konsumenten unmittelbar spürbar werden höhere Mehrwertsteuern (etwa auf lebende Tiere, Pflanzen, Tierfutter und auf Tickets für Museen, Theater und Zoos sowie auf Hotel-Übernachtungen – letztere ab April). Für all diese Produkte galt bisher der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 10 und wird künftig dann 13 Prozent sein. Die Kapitalertragsteuer für Dividenden steigt von 25 auf 27,5 Prozent, jene für Zinsen bleibt bei 25 Prozent.

8. Für Jubiläumsgeld muss ab 2016 Sozialversicherung bezahlt werden (eine Steuer darauf gab es bereits). Geschenke (Sachwerte) bis zu einem Wert von 186 Euro sind dafür von Steuer (und Sozialversicherung) befreit. Die Umstellung trifft aber auch andere Leistungen des Unternehmens an seine eigenen Mitarbeiter – etwa Prämien, wenn jemand im Dienst Verbesserungen findet.

9. Mit Jahresbeginn wird die Familienbeihilfe um 1,9 Prozent erhöht. Für Kinder bis zwei Jahre beträgt die Familienbeihilfe ab Jänner 111,80 Eur­o pro Monat, für Drei- bis Neunjährige 119,60 Euro und für Zehn- bis 18-Jährige 138,80 Euro. Ab 19 gibt es dann 162 Euro. Angehoben werden auch die Geschwister­staffel und die erhöhte Familien­beihilfe für erheblich behinderte Kinder. Bei der Elternteilzeit muss die Arbeit um mindestens 20 Prozent reduziert werden. Die Mindestarbeitszeit während der Elternteilzeit beträgt wiederum zwölf Stunden pro Woche.

10. Die Arbeitnehmer erwarten im neuen Jahr moderate Lohnerhöhungen, die aber teilweise etwas über der prognostizierten Inflationsrate von 1,3 Prozent zu liegen kommen. So erhalten die Metaller als auch die Handelsbediensteten 1,5 Prozent mehr Gehalt. Die Beamtengehälter steigen um 1,3 Prozent, die Pensionen liegen mit 1,2 Prozent knapp darunter. Auch die Politikergehälter werden um 1,2 Prozent angehoben.

- APA